Kardiorespiratorische Fitness schützt Jüngere vor Demenz
Die kardiorespiratorische Fitness (CRF) bezeichnet die Fähigkeit des Kreislauf- und Atmungssystems, die Mitochondrien der Skelettmuskulatur mit Sauerstoff zu versorgen, um den Energiebedarf bei körperlicher Aktivität zu decken. Die CRF nimmt im Laufe des Lebens ab, zunehmendem Alter beschleunigt sich der negative Trend. Eine niedrige CRF ist als starker und unabhängiger Prädiktor für kardiovaskuläre Ereignisse und für die Gesamtmortalität anerkannt.
Die CRF, die üblicherweise durch maximale Belastungstests ermittelt wird, wurde mit der kognitiven Funktion und dem Demenzrisiko in Verbindung gebracht. Bisher haben drei bevölkerungsbasierte Kohortenstudien den Zusammenhang zwischen CRF und Demenz bei Erwachsenen unter 65 Jahren untersucht und gezeigt, dass eine höhere CRF mit einem geringeren Demenzrisiko verbunden ist. Ob auch bei Menschen im fortgeschritteneren Alter ein Zusammenhang zwischen CRF und Demenzrisiko besteht, konnte jedoch nicht geklärt werden.
Können auch Ältere das Demenzrisiko durch ein höheres Fitnessniveau senken?
Ein Forschungsteam um Shuqi Wang von der Tianjin Medical University in China untersuchte in einer Langzeitstudie, wie die CRF und die kognitive Funktion sowie das Demenzrisiko zusammenhängen. Außerdem gingen sie der Frage nach, ob das Fitnessniveau auch bei einer starken genetischen Veranlagung für Demenz zum Tragen kommt.
Die Studie basiert auf Daten der UK Biobank von 61.214 Personen im Alter von 39 bis 70 Jahren, die sich zwischen 2006 und 2010 einer Basisuntersuchung inklusive CRF-Tests unterzogen hatten und weder an einer Demenz noch an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), Asthma oder einer Herzinsuffizienz litten.
Zu Beginn der Studie wurden die Studienteilnehmer gebeten, einen CRF-Test mit submaximaler Belastung durchzuführen. So konnten auch ältere Menschen berücksichtigt werden, für die ein CRF-Test mit maximaler Belastung zu riskant gewesen wäre. Der Gesundheitsverlauf der Studienteilnehmer wurde bis zu zwölf Jahre lang verfolgt.
Kardiorespiratorische Fitness mit kognitiver Funktion und Demenzrisiko assoziiert
Die Studienteilnehmer waren Im Durchschnitt 56 Jahre alt und wurden entsprechend ihrer kardiorespiratorischen Fitness in drei Gruppen eingeteilt. Während der Nachbeobachtungszeit entwickelten insgesamt 0,9% der Teilnehmer eine Demenz. Die Auswertung der Daten ergab:
- Eine höhere CRF war statistisch signifikant mit einer besseren globalen kognitiven Funktion, Gedächtnisleistung, verbal-numerischen Gedächtnisleistung und kognitiven Geschwindigkeit verbunden.
- Eine höhere CRF war mit einem geringeren Demenzrisiko verbunden. Personen mit einer hohen CRF hatten ein um 40% geringeres Demenzrisiko.
- Im Vergleich zu Personen mit niedriger CRF verzögerte sich der Beginn einer Demenz bei Personen mit hoher CRF um fast zwei Jahre.
Auch Ältere und Menschen mit Prädisposition für Demenz profitieren von guter Kondition
- Die Ergebnisse waren für jüngere (< 60 Jahre) und ältere Teilnehmer konsistent.
- Das Demenzrisiko nahm mit steigender CRF und sinkendem polygenem Risikoscore für eine Alzheimer-Erkrankung (PRSAD) ab. Selbst bei Personen mit mittlerer bis hoher genetischer Prädisposition reduzierte eine hohe CRF das Demenzrisiko um 35%.
Fazit
„Die CRF kann als Prädiktor für die kognitive Gesundheit verwendet werden. Die Verbesserung der CRF könnte eine Strategie zur Prävention von Demenz sein, selbst bei Menschen mit einer hohen genetischen Prädisposition für eine Alzheimer-Erkrankung“, schreiben die Autoren der Studienpublikation.











