Digitale Selbsthilfe-Apps: Prävention von Depression und Förderung des Wohlbefindens bei jungen Menschen

Digitale Selbsthilfe-Apps auf Basis kognitiver Verhaltenstherapie könnten eine skalierbare und kostengünstige Lösung bei der Prävention von Depression und der Förderung mentalen Wohlbefindens bei jungen Erwachsenen sein.

Depression Therapie App

Weltweit nehmen Depressionen und Angststörungen bei jungen Menschen zu. Diese Entwicklung stellt eine erhebliche Belastung für das Gesundheitssystem dar. Insbesondere im Alter zwischen 16 und 22 Jahren ist das Risiko für psychische Erkrankungen erhöht, was langfristige Auswirkungen auf Lebensqualität, Ausbildung und Beruf haben kann. Kosteneffektive, skalierbare Präventionsmaßnahmen sind dringend erforderlich. Digitale Tools, wie Selbsthilfe-Apps, bieten eine vielversprechende Möglichkeit, mentale Gesundheit in großem Maßstab zu unterstützen. Diese Technologien könnten helfen, Barrieren wie Stigmatisierung und eingeschränkten Zugang zu psychologischen Dienstleistungen zu überwinden.

Zwei internationale randomisierte Studien untersuchten den Nutzen von Selbsthilfe-Apps, um Depressionssymptome zu verhindern und das mentale Wohlbefinden bei jungen Menschen zu fördern.

Verglichen wurden drei verschiedene Arten von Apps:

1. Kognitiv-verhaltenstherapeutische Selbsthilfe-App

  • Diese App basiert auf Prinzipien der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT).
  • Ziel: Nutzern spezifische Strategien zur Bewältigung von negativen Gedanken und Verhaltensmustern zu vermitteln, um Depressionssymptome zu reduzieren.

2. Emotionale Kompetenz-App

  • Diese App bietet personalisiertes Training, um emotionale Kompetenzen wie das Verstehen, Regulieren und Ausdrücken von Emotionen zu fördern.
  • Ziel: Verbesserung der emotionalen Resilienz und Prävention von psychischen Belastungen.

3. Selbstüberwachungs-App

  • In dieser App können Nutzer ihre Emotionen täglich dokumentieren, ohne spezifische therapeutische Inhalte oder Strategien zu erhalten.
  • Ziel: Überwachung/Reflexion des emotionalen Zustands, jedoch ohne direktive Intervention.

Prävention von Depression bei jungen Risikogruppen

Die ECoWeB-PREVENT-Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift 'Lancet Digital Health', untersuchte die Wirksamkeit einer kognitiv-verhaltenstherapeutischen Selbsthilfe-App bei jungen Erwachsenen mit erhöhtem Risiko für Depression. Diese Risikogruppe war durch eine geringe emotionale Kompetenz und ein ausgeprägtes Grübeln charakterisiert. Teilnehmer, die die KVT-App nutzten, zeigten im Vergleich zur Selbstüberwachungs-App eine signifikante Verbesserung ihrer Depressionssymptome.

Nach drei Monaten war der Schweregrad der Depressionssymptome in der KVT-Gruppe messbar niedriger (mittlerer Unterschied im PHQ-9: –1,18; p=0,006). Die App ermöglicht es, große Zielgruppen mit minimalem Ressourceneinsatz zu erreichen.

Die emotionale Kompetenz-App zeigte hingegen keine überlegene Wirksamkeit im Vergleich zur Selbstüberwachungs-App. Darüber hinaus ließ die Wirkung der KVT-App nach zwölf Monaten nach, was die Bedeutung langfristiger Interventionen zur Stabilisierung der Ergebnisse verdeutlich.

Förderung des mentalen Wohlbefindens bei gesunden jungen Erwachsenen

Die parallel durchgeführte und ebenfalls in 'Lancet Digital Health' publizierte ECoWeB-PROMOTE-Studie analysierte die Wirksamkeit der Apps bei gesunden jungen Erwachsenen ohne erhöhtes Depressionsrisiko. Keine der drei Apps – KVT, emotionale Kompetenz oder Selbstüberwachung – zeigte signifikante Vorteile in der Förderung des Wohlbefindens, gemessen anhand der WEMWBS-Skala.

Die fehlende Wirksamkeit könnte auf die niedrige Intensität der Interventionen und die Schwierigkeit zurückzuführen sein, Wohlbefinden in bereits stabilen Gruppen zu verbessern.

Vorteile und Limitationen digitaler Selbsthilfe-Apps

Selbsthilfe-Apps bieten mehrere Vorteile:

  • Kosteneffizienz: Digitale Tools sind erschwinglich und skalierbar, wodurch sie große Zielgruppen erreichen können.
  • Niedrige Hürden: Die flexible und unabhängige Nutzung der Apps erleichtert den Zugang, insbesondere in Bevölkerungsgruppen mit eingeschränktem Zugang zu psychologischen Dienstleistungen.
  • Prävention: Bei gefährdeten Gruppen wurden signifikante Verbesserungen erzielt, insbesondere in der Reduktion von Depressionssymptomen.

Gleichzeitig gibt es Limitationen:

  • Engagement: Die Nutzung der Apps war teilweise gering, was ihre Wirksamkeit einschränkt.
  • Universalansatz: Niedrigrisikogruppen profitieren weniger von den Interventionen, was die Notwendigkeit einer gezielten Ansprache verdeutlicht.
  • Weiterentwicklung: Es besteht Bedarf, die aktiven Wirkmechanismen der Apps besser zu identifizieren und Maßnahmen zur Förderung der langfristigen Nutzung zu entwickeln.

Perspektiven für klinische Praxis und Forschung

Die Ergebnisse unterstreichen das Potenzial digitaler Selbsthilfe-Apps als Teil eines umfassenden öffentlichen Gesundheitsansatzes. Sie könnten helfen, Präventionsmaßnahmen und therapeutische Interventionen kosteneffizient zu ergänzen.

Zukünftige Forschung sollte darauf abzielen, die Effektivität und Langzeitnutzung solcher Apps weiter zu verbessern: 

  • Personalisierung: Die Anpassung der Apps an individuelle Risikoprofile könnte die Wirksamkeit erhöhen und die Nutzerbindung stärken.
  • Hybrid-Modelle: Die Kombination von digitalen Tools mit persönlichen Interventionen bietet die Möglichkeit, die Vorteile beider Ansätze zu vereinen und Synergien zu schaffen.
  • Langzeitstudien: Um die Nachhaltigkeit der Effekte besser zu verstehen, sind längere Beobachtungszeiträume und größere Stichproben erforderlich.

Durch diese Weiterentwicklungen könnten Selbsthilfe-Apps zu einem effektiven Instrument zur Förderung der mentalen Gesundheit und zur Prävention von Depressionen werden.

Autor:
Stand:
28.02.2025
Quelle:
  1. Watkins, E. R. et al. (2024): Emotional competence self-help app versus cognitive behavioural self-help app versus self-monitoring app to prevent depression in young adults with elevated risk (ECoWeB PREVENT): an international, multicentre, parallel, open-label, randomised controlled trial. The Lancet Digital Health, DOI: 10.1016/S2589-7500(24)00148-1.
  2. Watkins, E. R. et al. (2024): Emotional competence self-help mobile phone app versus cognitive behavioural self-help app versus self-monitoring app to promote mental wellbeing in healthy young adults (ECoWeB PROMOTE): an international, multicentre, parallel, open-label, randomised controlled trial. The Lancet Digital Health, DOI: 10.1016/S2589-7500(24)00149-3.
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