Psychotherapeuten sind in ihrer täglichen Arbeit verschiedenen Belastungsfaktoren ausgesetzt, welche ihre psychische Gesundheit in erheblichem Maße beeinflussen können. Im deutschsprachigen Raum wird dies bislang nicht so deutlich thematisiert wie in den USA. Dort wird beispielsweise Burnout bei Psychotherapeuten schon als Epidemie bezeichnet, welche durch COVID-19 weiter verstärkt wurde. Doch nicht nur die Psychotherapeuten selbst scheinen unter dem Burnout zu leiden, auch ihre Patienten werden dadurch beeinflusst, wie eine aktuelle Studie zeigt.
US-Studie untersucht Assoziation zwischen Burnout von Therapeuten und Patienten-Outcome
Forscher um Dr. Nina Sayer vom Minneapolis Veterans Affairs Health Care System, USA, haben in einer Studie die Assoziation zwischen Burnout bei Psychotherapeuten und dem Outcome von Patienten untersucht, die aufgrund einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) eine leitliniengerechte traumfokussierte Psychotherapie erhielten.
In die Kohortenstudie wurden 165 lizensierte Psychotherapeuten inkludiert, die traumfokussierte Psychotherapien anboten, und im Zeitraum von Mai-Oktober 2019 an einer Online-Umfrage teilnahmen. In der Umfrage wurde der Burnout-Status der Therapeuten mithilfe einer validierten Messung aus der „Physician Worklife Study“ erhoben. Ein Burnout wurde definiert ab einem Score von drei und mehr Punkten auf der insgesamt fünfstufigen Skala. Die 1.268 inkludierten Patienten begannen während dem folgenden Jahr eine traumfokussierte Psychotherapie bei Psychotherapeuten, die an der Online-Umfrage teilgenommen hatten.
Besseres Patienten-Outcome bei Patienten von Therapeuten ohne Burnout
Als primäres Outcome wurde die klinisch bedeutsame Verbesserung von PTBS-Symptomen gemäß PTBS-Checkliste der DSM-5 (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, fifth Edition) definiert.
Von den 165 teilnehmenden Therapeuten hatten 58 (35,2%) zum Zeitpunkt der Umfrage ein Burnout. Etwa jeder dritte Patient (431; 34,0%) zeigte unter der Therapie eine klinisch bedeutsame Verbesserung der PTBS-Symptome. Die Wahrscheinlichkeit der PTBS-Patienten, eine klinisch bedeutsame Verbesserung zu erfahren, war geringer, wenn die zuständigen Therapeuten unter einem Burnout litten:
- Klinisch bedeutsame Verbesserung bei Patienten von Therapeuten mit Burnout: 28,3%
- Klinisch bedeutsame Verbesserung bei Patienten von Therapeuten ohne Burnout: 36,8%
- Geringere Wahrscheinlichkeit für klinisch bedeutsame Verbesserung der Patienten, wenn Therapeuten unter Burnout litten: Odds Ratio (OR) 0,63 (95% Konfidenzintervall [KI]: 0,48 bis 0,85).
Einfluss von Abbruchraten und Abständen zwischen Therapiesitzungen
PTBS-Patienten, welche die Therapie nicht zu Ende führten, zeigten seltener eine bedeutsame klinische Verbesserung (OR 0,15; 95%-KI 0,11 bis 0,20). Größere Abstände zwischen den einzelnen Therapiesitzungen beeinflussten das Outcome ebenfalls negativ (OR 0,80; 95%-KI 0,70 bis 0,92). Nach Adjustierung auf Abbruchraten und Zeitabstände zwischen den Therapiesitzungen zeigte sich keine bedeutsame Änderung der Assoziation zwischen Burnout bei Therapeuten und Outcome der PTBS-Patienten.
Limitationen der Studie
Eine Limitation der Studie ist die Nutzung einer Single-Item-Skala zur Burnout-Messung, basierend auf Burnout-Symptomen der emotionalen Erschöpfung. Die Messung erfolgte zudem nur einmal und vor der Pandemie. Die Forscher prüften jedoch, ob die Therapie vor der Pandemie begann, in ihrem frühen Verlauf oder während der COVID-19-Pandemie. Eine weitere Limitation der Studie stellte die starke Homogenität zwischen den teilnehmenden Psychotherapeuten da. Sie arbeiteten alle für das US Veterans Affairs Health Care System und unterschieden sich nicht in ihrer Ethnizität.
Burnout-Rate bei Psychotherapeuten reduzieren
Die Ergebnisse dieser prospektiven Kohortenstudie deuten auf eine negative Assoziation zwischen Burnout bei Psychotherapeuten und dem Patienten-Outcome im Rahmen einer evidenzbasierten Psychotherapie hin. Dies legt den Schluss nahe, dass eine Reduktion der Burnout-Rate bei Psychotherapeuten durch gezielte Interventionen auch das Patienten-Outcome verbessert. Die Autoren empfehlen weitere Studien, um diese Hypothese genauer zu untersuchen.










