Wie Softdrinks und Co. unsere Stimmung beeinflussen

Daten einer prospektiven Kohortenstudie zeigen, dass der Konsum von zuckerhaltigen und Light- bzw. Diätgetränken das Risiko für eine Depression steigern, während natürlicher Saft in Maßen getrunken das Depressionsrisiko verringern könnte.

Softdrink

Depressionen: Eine bedeutende Herausforderung für die öffentliche Gesundheit

Weltweit leiden etwa 300 Millionen Menschen an Depressionen. Präventive Maßnahmen und die Identifizierung modifizierbarer Lebensstilfaktoren rücken zunehmend in den Fokus, da die Häufigkeit von depressiven Störungen weiter steigt. Hohe Rückfallraten und Therapieresistenzen erschweren die Behandlung zusätzlich. Dies führt zu einer Verschlechterung der Lebensqualität und einer geringeren Lebenserwartung der Betroffenen. Neben veränderbaren Umweltfaktoren spielt auch die genetische Veranlagung eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Depressionen. So wird die Erblichkeit einer Depression bis zu 37% geschätzt.

Auch Suizide stehen in einem gewissen Maße mit Depressionen in Zusammenhang, da etwa 15% der Patienten mit affektiven Störungen einen Suizid begehen, und etwa 50% derjenigen, die einen Suizidversuch unternehmen, an einer Depression leiden.

Softdrinks und Co.: Eine weitere Sorge für die öffentliche Gesundheit?

Der Konsum von Softdrinks, sowohl mit Zucker als auch mit Zuckerersatzstoffen, hat in den letzten Jahrzenten deutlich zugenommen. Zuckerhaltige Getränke sind vor allem für chronische Erkrankungen wie übergewichtsbedingte Krebserkrankungen, Diabetes mellitus Typ-2 und Herz-Kreislauf-Erkrankungen mitverantwortlich. Schätzungen zufolge führt der Konsum zuckerhaltiger Getränke, der eine Kette gesundheitlicher Reaktionen auslösen kann, zu etwa 180.000 Todesfällen pro Jahr weltweit. Obwohl Studien zu zuckerhaltigen Getränken und dem Depressionsrisiko teils widersprüchliche Ergebnisse zeigen, gibt es Hinweise für eine Risikoerhöhung.

Sind Light-/Diätgetränke die richtige Alternative?

In jüngerer Zeit rücken Getränke mit Zuckerersatzstoffen als vermeintlich ‚gesunde‘ Alternativen neben natürlichen Säften in den Vordergrund. Die Studienlage zu diesen Getränken ist jedoch uneinheitlich. Einige Studien bringen sie mit einem erhöhten Risiko für Diabetes mellitus Typ-2, Übergewicht und einer erhöhten Mortalität in Verbindung, während andere Studien das Gegenteil nahelegen.

Erhöhtes Risiko für Depressionen durch Softdrinks UND Light-/Diätgetränke

Daten einer großen prospektiven Kohortenstudie der UK Biobank zeigen, dass ein hoher Konsum sowohl zuckerhaltiger als auch alternativ gesüßter Getränke (Light- und Diät-Drinks) mit einem erhöhten Risiko für Depression assoziiert ist. Ein mäßiger Konsum natürlicher Säfte hingegen war in der Studie mit einem geringeren Risiko für die Entwicklung einer Depression verbunden. Diese Zusammenhänge bestanden unabhängig von einer genetischen Prädisposition.

Chen et al. fanden in ihrer Untersuchung, dass bereits 500 ml eines Softdrinks pro Tag das Depressionsrisiko um das 1,26-fach erhöhen. Bei Light- und Diätgetränken scheint das Risiko sogar noch höher zu liegen: Hier stieg das Risiko bei gleichem Konsum um das 1,4-fache an. Dagegen sank das Risiko bei Teilnehmern, die bis zu 500 ml reinen Saft tranken, um etwa 11%.

Mechanismen noch unklar

Die genauen Mechanismen, durch die Softdrinks, Light-/Diätgetränke und auch natürliche Säfte die Stimmung beeinflussen, sind bisher noch nicht vollständig erforscht. Es gibt jedoch einige Hypothesen: Zum einen wird über eine Dysregulation hormoneller Wege (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse) durch Fruktose, welches in hohen Mengen in Softdrinks zu finden ist, diskutiert. Zum anderen sind die in Light-/Diätgetränken enthaltene Sucralose und das Aspartam mit einer Entwicklung einer Glukoseintoleranz assoziiert. Da eine Glukoseintoleranz wiederum als ein Risikofaktor für Depressionen gilt, könnten auch diese Zuckerersatzstoffe indirekt zur Entstehung einer depressiven Symptomatik beitragen.

Natürliche Säfte scheinen aufgrund ihres Gehalts an Vitaminen, Karotinoiden und auch Flavonoiden positive Effekte auf die Stimmung zu haben. Allerdings kann auch hier ein hoher Fructosegehalt bei übermäßigem Konsum negative Auswirkungen auf die Affektivität haben.  

Sind natürliche Säfte die beste Alternative?

Obwohl die Angaben über den Getränkekonsum in der Studie nur die letzten 24 Stunden der Befragten abdecken, deuten die Ergebnisse darauf hin, dass natürliche Säfte im Hinblick auf das Depressionsrisiko eine gesündere Alternative zu Soft- und auch Light-Drinks sein könnten. Ein direkter kausaler Zusammenhang wurde jedoch bisher nicht bestätigt, und eine umgekehrte Kausalität kann nicht ausgeschlossen werden - weitere Forschung ist also notwendig.

Auch andere Getränke wie Tee und Kaffee als Alternativen werden laut den Autoren Gegenstand künftiger Studien sein.

Autor:
Stand:
07.12.2024
Quelle:

Chen, Y. et al. (2024): Consumption of sugary beverages, genetic predisposition and the risk of depression: a prospective cohort study. General Psychiatry. DOI: 10.1136/gpsych-2023-101446

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