Schizophrenie und andere psychotische Störungen zählen zu den schwerwiegenden psychiatrischen Erkrankungen, die mit erheblichen Beeinträchtigungen einhergehen. Seit Jahrzehnten dient die Dysregulation der dopaminergen Funktion als zentrales Erklärungsmodell für psychotische Symptome. Alle zugelassenen Antipsychotika reduzieren die dopaminerge Übertragung, indem sie postsynaptische Dopamin-D2-Rezeptoren im Striatum blockieren.
Etwa 40% der Patienten mit Schizophrenie sprechen nicht ausreichend auf Monotherapien an, wodurch häufig Kombinationen verschiedener Antipsychotika eingesetzt werden. Die Evidenz zur Wirksamkeit und Sicherheit dieser antipsychotischen Polypharmazie (APP) ist jedoch umstritten. Ein internationales Forschungsteam hat daher kürzlich die Wirksamkeit und Verträglichkeit von APP im Vergleich zur Antipsychotika-Monotherapie (APM) bei Erwachsenen mit Schizophrenie-Spektrum-Störungen untersucht. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift 'Schizophrenia Research' veröffentlicht.
Meta-Analyse zur Wirksamkeit und Sicherheit von Polypharmazie
Für diese Meta-Analyse wurden die Datenbanken PubMed, EMBASE und das Cochrane Central Register of Randomized Trials systematisch nach randomisierten kontrollierten Studien durchsucht, die eine antipsychotische Polypharmazie (APP) mit einer antipsychotischen Monotherapie (APM) verglichen.
Die Schätzung der Effekte erfolgte mittels eines einstufigen Ansatzes für Patientendaten-Moderatoren und eines zweistufigen Ansatzes für Studien-Moderatoren, unter Anwendung (generalisierter) linearer Mischmodelle.
Das primäre Zielkriterium war die Behandlungseffektivität, definiert als eine Reduktion des PANSS-Scores (Positive and Negative Syndrome Scale) um mindestens 25%. Zu den sekundären Endpunkten gehörten die Studienabbruchraten, Veränderungen des PANSS-Gesamtwerts sowie der positiven und negativen Symptom-Subskalen, der Clinical Global Impressions Scale (CGI) und das Auftreten unerwünschter Ereignisse.
Ansprechraten und Verträglichkeit der Antipsychotika-Kombinationstherapie
In der Analyse wurden individuelle Patientendaten von 599 Patienten aus zehn Studien ausgewertet, die vor dem 1. September 2022 veröffentlicht wurden. Diese Studien deckten 32% aller relevanten Studien und 31% aller geeigneten Patienten ab.
Es zeigte sich, dass ein höherer Ausgangswert im PANSS-Gesamtwert die Wahrscheinlichkeit eines Ansprechens auf antipsychotische Polypharmazie erhöhte. Dieser Effekt war vor allem auf eine Verbesserung der Positivsymptome zu Beginn der Behandlung zurückzuführen. Ähnliche Ergebnisse wurden bei Veränderungen im PANSS-Positivsymptom-Skalenwert sowie auf der CGI-Schweregradskala beobachtet.
Extrapyramidale motorische Nebenwirkungen traten signifikant häufiger auf, wenn Antipsychotika der ersten und zweiten Generation gemeinsam verabreicht wurden. Die Abbruchraten der Studien waren in beiden Behandlungsgruppen vergleichbar.
Überlegenheit der Antipsychotika-Kombinationstherapie bei schweren Schizophrenie-Symptomen und Grenzen bei weniger schweren Fällen
Die Wirksamkeit der antipsychotischen Polypharmazie im Vergleich zur Antipsychotika-Monotherapie bei Patienten mit Schizophrenie-Spektrum-Störungen hängt maßgeblich von der Schwere der Erkrankung ab. Kombinationsbehandlungen erwiesen sich als effektiver bei stark psychotischen Patienten mit hohen Ausgangswerten im PANSS-Gesamtwert und überwiegender Positivsymptomatik. Diese Wirksamkeit muss jedoch gegen mögliche unerwünschte Wirkungen abgewogen werden.
Bei Patienten mit weniger schweren und therapieresistenten Erkrankungen, die überwiegend negative Symptome aufwiesen, zeigte sich die Antipsychotika-Kombinationstherapie als nicht überlegen.










