Ein präoperativer Plan für die Arthrosetherapie

Nicht-invasive Behandlungsmethoden stellen einen essenziellen Bestandteil der Arthrose-Therapie dar und tragen signifikant zur Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität bei. Die Annahme und Einhaltung dieser Maßnahmen sind jedoch oft unzureichend. Ein präoperativer Plan könnte die Adhärenz steigern.

Physiotherapie älterer Mann

Arthrose ist eine degenerative Erkrankung des Gelenkknorpels und stellt weltweit die häufigste Gelenkerkrankung dar. Etwa 45% aller Menschen erkranken im Laufe ihres Lebens an einer Arthrose des Hüft- oder Kniegelenks. Risikofaktoren können Fehlbelastung des Gelenks, fortgeschrittenes Lebensalter, Inaktivität und Übergewicht sein. Betroffene leiden unter Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und einer erheblich verminderten gesundheitsbezogenen Lebensqualität.

Eine offene, randomisierte kontrollierte Studie aus England hat nun die Durchführbarkeit, Akzeptanz sowie Rekrutierungs- und Verbleibquoten eines präoperativen Behandlungspakets bei Kniearthrose untersucht. Durch die Implementierung dieser Maßnahmen vor der Operation sollte das Verhalten der Betroffenen nachhaltiger verändert und langfristig eine verbesserte gesundheitsbezogene Lebensqualität erzielt werden.

Vier nicht-invasive Therapiemaßnahmen im Test

Insgesamt 60 von 223 geprüften Personen, die auf der Warteliste für eine Operation aufgrund von Kniearthrose standen, erfüllten die Kriterien für die Teilnahme an der Studie und wurden zufällig im Verhältnis 2:1 auf die Interventions- und Kontrollgruppe aufgeteilt.

Teilnehmende der Interventionsgruppe erhielten nach ihrem individuellen Bedarf bis zu vier Therapiemaßnahmen, darunter Diät- und Trainingspläne, orthopädische Schuheinlagen sowie topische und orale Schmerztherapie. Die Ziele dieser Maßnahmen waren die Reduzierung des Körpergewichts, die Verbesserung der körperlichen Fitness und die Linderung von Schmerzen. Personen der Kontrollgruppe wurden dem Standardprozedere unterzogen, das keine zusätzlichen Maßnahmen vor der Operation vorsieht.

Welche Effekte konnte das präoperative Behandlungskonzept erzielen?

Der primäre Endpunkt der Studie war es, die Durchführbarkeit und Akzeptanz der Interventionsmaßnahmen und des Studienprotokolls zu prüfen. Für die Auswertung wurden die Rekrutierungs- und Verbleibrate erhoben sowie die Einhaltung der Therapiemaßnahmen durch Fragebögen und Messung des Körpergewichts überprüft.

Die sekundären Endpunkte der Studie umfassten die Beurteilung der kniespezifischen Funktion, der gesundheitsbezogenen Lebensqualität, der Schmerzen, des Essverhaltens und des Auftretens von unerwünschten Ereignissen.

Zusammengefasst zeigt die Studie von Simpson et al. (2024), dass die Umsetzung eines komplexen, nicht-operativen Behandlungspakets für Personen mit schwerer Arthrose, die auf eine Kniegelenkersatzoperation warten, möglich ist.

Sie hebt hervor, dass Teilnehmende der Interventionsgruppe nicht nur eine hohe Bereitschaft zur Befolgung der vorgeschlagenen Therapien zeigten, sondern auch bemerkenswerte Verbesserungen in Gewichtsreduktion, Lebensqualität und kniespezifischen Funktionen im Vergleich zur Kontrollgruppe erfuhren.

Grundstein für zukünftige Arthrosetherapie gelegt?

Das präoperative Behandlungspaket bietet die Möglichkeit, die Lebensqualität bei Arthrose zu verbessern und die Wartezeit auf Operationen sinnvoll zu nutzen. Es bedarf jedoch einer umfassenden Studie, um die langfristigen Auswirkungen und die Kostenwirksamkeit zu bestimmen. Insgesamt unterstützen die Ergebnisse der Studie die Umsetzung einer groß angelegten, multizentrischen randomisierten Studie mit einem längeren Nachbeobachtungszeitraum.

Autor:
Stand:
06.05.2024
Quelle:
  1. Simpson et al. (2024): A preoperative package of care for osteoarthritis, consisting of weight loss, orthotics, rehabilitation, and topical and oral analgesia (OPPORTUNITY): a two-centre, open-label, randomised controlled feasibility trial. The Lancet Rheumatology, DOI: https://doi.org/10.1016/S2665-9913(23)00337-5
  2. Deutsche Rheuma Liga – Übersichtsartikel Arthrose
  3. Robert Koch Institut (RKI): Arthrose, Stand 30.07.2020
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