Wie effektiv ist Krillöl bei Kniearthrose?

Eine Kniearthrose ist mit Schmerzen, Funktionseinschränkungen und Behinderungen verbunden. Sie kann für Betroffene stark einschränkend sein. Es gibt jedoch nur wenige wirksame Behandlungsmethoden. Frühere Untersuchungen deuten teils darauf hin, dass die Anwendung von Krillöl Knieschmerzen verbessern könnte. Die Auswirkungen auf eine Kniearthrose sind allerdings weiterhin unklar.

Krillöl

Australische Forscher gingen der Fragestellung auf den Grund, ob die Anwendung von Krillöl Knieschmerzen bei Patienten mit Kniearthrose und Knieentzündung, einer sogenannten Effusions- oder Erguss-Synovitis im Vergleich zu Placebo verbessern kann.

Bisherige Studien zeigten oftmals widersprüchliche Ergebnisse: Einerseits zeigte der Verzehr von mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren, wie Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) in Fischöl, entzündungsreduzierende Eigenschaften sowie verminderte Gelenkschmerzen und Morgensteifigkeit bei Personen mit rheumatoider Arthritis. Andererseits brachten Studien zu derartigen Therapien bei Kniearthrose keine eindeutigen Ergebnisse.

Krill: neben Omega-3-Fettsäuren auch Antioxidans enthalten

Da auch der antarktische Krill eine Quelle für marine Omega-3-Fettsäuren darstellt, eine bessere Bioverfügbarkeit besitzt und zudem das Antioxidans Astaxanthin enthält, nahmen die Forscher an, er könnte eine bessere Behandlungsmethode bei Kniearthrose sein als Fischöl. Astaxanthin ist in der Lage freie Radikale, freien Sauerstoff und Entzündungen zu reduzieren.

Reduzieren sich Entzündungen, kann dies positive Auswirkungen auf die Kniearthrose haben. Gerade bei einer Effusions-Synovitis, die mit einer überschüssigen Synovialflüssigkeit im Gelenkspalt und bzw. oder einer Verdickung der Synovia verbunden ist, treten oftmals stärkere Schmerzen und strukturelle Anomalien auf. Werden Entzündungen abgemildert, kann die Veränderung in den Strukturen verlangsamt und so eine Kniearthrose verbessert werden.

Studienteilnehmer mit Kniearthrose und Effusions-Synovitis

In einer multizentrischen, randomisierten, doppelblinden sowie placebokontrollierten klinische Studie, die in fünf australischen Städten durchgeführt wurde, wurden 262 über 40-jährige Erwachsene im Zeitraum von Dezember 2016 bis Juni 2019 untersucht. Die Teilnehmer wiesen eine klinische Kniearthrose sowie erhebliche Knieschmerzen auf und zeigten in der Magnetresonanztomographie eine Effusions-Synovitis. Sie erhielten 24 Wochen lang entweder zwei Gramm Krillöl (n=130) pro Tag (2x täglich 1 g) oder ein entsprechendes Placebo (n=132).

Primärer Endpunkt war die Veränderung der Knieschmerzen. Die Schmerzmessung erfolgte auf einer visuellen Analogskala im Bereich von Null bis 100, wobei Null den geringsten Schmerz anzeigt. Eine minimale klinisch wichtige Verbesserung wurde mit einem Wert von 15 angegeben.

Knieschmerzen im Vergleich zu Placebo nicht verbessert

Es schlossen 85% der Teilnehmer (222) die Studie ab. Die Ergebnisse zeigten, dass die Supplementierung von zwei Gramm Krillöl pro Tag über einen Zeitraum von 24 Wochen hinweg Knieschmerzen im Vergleich zu Placebo nicht verbessern konnte (mittlere Veränderung des VAS-Scores, -19,9 [Krillöl] vs. -20,2 [Placebo]; mittlere Differenz zwischen den Gruppen, -0,3; 95% KI, -6,9 bis 6,4).

In der Krillöl-Gruppe berichteten 51% (67/130) und in der Placebo-Gruppe 54% (71/132) der Teilnehmer über ein oder mehrere unerwünschte Ereignisse. Am häufigsten kamen hierbei Erkrankungen des Bewegungsapparates und des Bindegewebes vor (Krillöl-Gruppe: n=32; Placebo-Gruppe: n=42). Dazu zählten Knieschmerzen (Krillöl-Gruppe: n=10; Placebo-Gruppe: n=9), Schmerzen der unteren Extremitäten (Krillöl-Gruppe: n=1; Placebo-Gruppe: n=5) und Hüftschmerzen (Krillöl-Gruppe: n=3; Placebo-Gruppe: n=2).

Weitere Studienergebnisse

Zusätzlich lieferte die Studie folgende Ergebnisse: Placebo reduzierte nach 24 Wochen das Volumen der Effusions-Synovitis signifikant stärker als Krillöl (Krillöl-Gruppe: 0,81 ml vs. Placebogruppe: -0,94 ml; mittlere Differenz zwischen den Gruppen, -1,75 ml; 95% KI -3,13 bis -0,37 ml; p= 0,01). Der Grund für dieses unerwartete Ergebnis ist laut den Autoren unklar, es könnte sich um einen Zufall handeln.

Dazu verbesserte Krillöl die Triglyceride über zwölf Wochen signifikant (-0,11 mmol/l ggü. 0,14 mmol/l in der Placebo-Gruppe; mittlere Differenz zwischen den Gruppen, 0,24 mmol/l; 95% KI, 0,07-0,42 mmol/l; p=0,01). Über 24 Wochen zeigte sich dieser Effekt allerdings nicht. Bezüglich anderer Studienergebnisse gab es keine weiteren signifikanten Unterschiede zwischen Placebo und Krillöl.

Keine Empfehlung für Krillöl

Die Autoren raten aufgrund der Studienergebnisse nicht dazu, eine Krillöl-Supplementierung bei Patienten mit Kniearthrose, die unter erheblichen Knieschmerzen sowie einer Erguss-Synovitis leiden, durchzuführen. Offenbar zeigt Krillöl hier keine Wirkung auf Schmerzen oder das Volumen der Erguss-Synovitis. Die intraartikuläre Entzündung verändert sich durch die Anwendung von Krillöl nicht.

Die Autoren weisen auf die Begrenzungen der Studie hin. So wäre es möglich, dass die Krillöldosis von 2 g/d nicht ausreichend war, um eine angemessene entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkung zu erzielen und das Volumen der Knieerguss-Synovitis zu minimieren. Hinzu kommt, dass keine Ernährungsinformationen über die Omega-3-Aufnahme der Patienten gesammelt wurden. Auch könnte die verwendete MRT-Methode ohne Kontrastmittel Synovialentzündungen nicht effektiv genug gemessen haben. Nicht zuletzt ist zu erwähnen, dass die Ergebnisse nicht auf Patienten ohne Knieergüsse übertragbar sind.

Autor:
Stand:
03.06.2024
Quelle:
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