Selbstakupressur bei Kniegelenksarthrose

In einer aktuellen Studie wurde eine mögliche Überlegenheit der Selbstakupressur bei Erwachsenen ab 50 Jahren gegenüber einer reinen Kniegesundheits-Edukation festgestellt.

Akupressur Knie

Die Kniegelenksarthrose ist eine weit verbreitete Erkrankung, von der etwa 23% der Erwachsenen ab 40 Jahren betroffen sind. Die Einnahme von nichtsteroidalen Antirheumatika kann die Symptome zwar reduzieren, dient allerdings nicht der langfristigen Heilung und ist insbesondere mit gastrointestinalen Nebenwirkungen assoziiert. Auch die Sicherheit und Effektivität lokaler Steroidinjektionen ist umstritten.

Angesichts der limitierten konservativen Behandlungsmöglichkeiten widmete sich die Forschungsgruppe um Yeung der Fragestellung, ob die selbst-administrierte Akupressur eine effektive Methode zur Schmerzlinderung darstellen könnte.

Hierbei handelt es sich um ein Behandlungsverfahren der traditionellen chinesischen Medizin, bei dem mit Fingern, Händen und Ellbogen dieselben Stellen stimuliert werden, wie bei der Akupunktur. Es wird angenommen, dass die Akupressur zu einer Suppression peripherer inflammatorischer Signaltransduktionen führt, indem Ionenkanäle moduliert werden und die Aktivierung von Gliazellen inhibiert wird. Nun wurde erforscht, ob diese Behandlungsmethode einer reinen Gesundheitsedukation überlegen ist.

Randomisierte Studie mit 314 Teilnehmern

Zwischen September 2019 und Mai 2022 wurden 314 Personen ab 50 Jahren randomisiert. Alle Teilnehmer erfüllten mindestens drei der folgenden diagnostischen Kniegelenksarthrose-Kriterien: Maximal 30-minütige Morgensteifigkeit, Krepitationen bei aktiven Gelenkbewegungen, Knochenschmerzen, Knochenvergrößerung sowie Abwesenheit einer tastbaren Erwärmung im Gelenk. Zudem litten sie mindestens drei Monate lang an Kniegelenkschmerzen und schätzten ihre Schmerzen anhand der Numerical Rating Scale (NRS)-Schmerzskala auf einem Niveau von mindestens drei ein.

Ausschlusskriterien waren Knieschmerzen im Rahmen anderer Grunderkrankungen, Akupunktur, Akupressur oder Steroidinjektionen in das Kniegelenk in den vergangen sechs Monaten, Gelenkersatz-Operationen in der Vorgeschichte, Hautläsionen an den Behandlungsstellen, ein Body-Mass-Index von über 30 kg/m2, Schwangerschaft sowie Krankheiten, die eine aktive und regelmäßige Durchführung der Intervention verhinderten, wie beispielsweise Suchterkrankungen.

Über 12 Wochen bekamen alle Patienten eine Kniegesundheits-Belehrung. Darüber hinaus nahm die Interventionsgruppe an Trainingseinheiten zur Selbstakupressur teil und sollte diese zweimal täglich ausführen.

Endpunkte: subjektive Patienteneinschätzung

Den primären Endpunkt stellte die Schmerzeinschätzung auf der NRS-Schmerzskala nach 12 Wochen dar. Weitere Endpunkte waren die Scores im selbst-administrierten Western Ontario and McMaster Universities Arthritis Index (WOMAC), der zur Einschätzung von Schmerzen, Steifigkeit und funktionellen Limitationen bei Osteoarthrose dient, die Punktzahl im Short-Form-6-Dimension (SF-6D) zur Erfassung der Lebensqualität, sowie die Ergebnisse im Timed-Up-and-Go-Test (TUG) und im Gait-Speed-Test, in denen eine klinische Beurteilung der Mobilität und des Sturzrisikos erfolgt. Die Compliance der Teilnehmer wurde anhand von Tagebüchern festgehalten. Zusätzlich wurden Nebenwirkungen erfasst und eine Kosteneffektivitäts-Analyse durchgeführt.

Größere NRS-Score-Abnahme in der Akupressur-Gruppe

Das mittlere Alter der Teilnehmer lag bei 62,7 Jahren. Etwa 80% waren Frauen. Im Durchschnitt dauerten die Beschwerden vor Studienbeginn bereits 7,3 Jahre an. 144 Teilnehmer der Selbstakupressur-Gruppe und 146 Teilnehmer der Kontrollgruppe vollendeten den 12-wöchigen Zyklus. Etwa 80% der Teilnehmer in der Interventionsgruppe führten mindestens viermal wöchentlich die Selbstakupressur durch, welche durchschnittlich 16,5 Minuten pro Tag andauerte.

Ein signifikant größerer Anteil an Patienten in der Akupressur-Gruppe gab eine Schmerzreduktion von mindestens zwei Punkten in der NRS-Schmerzskala an. Nach 12 Wochen erlebten 61,8% der Teilnehmer in der Akupressur-Gruppe eine Besserung, während es 49% in der Kontrollgruppe waren (p=0,02). Zu diesem Zeitpunkt gab die Akupressur-Gruppe eine um durchschnittlich 0,54 Punkte größere NRS-Abnahme an als die Kniegesundheits-Edukations-Gruppe.

Ebenfalls wurden bei den Teilnehmern in der Interventionsgruppe Verbesserungen anhand des SF-6D-Scores beobachtet. In den anderen Messverfahren zeigten sich hingegen keine signifikanten Unterschiede im Vergleich zur Kontrollgruppe.

In der Akupressur-Gruppe hatten 21 Teilnehmer Nebenwirkungen, wobei es sich meist um Schmerzen in den Fingergelenken und Schmerzen an den Akupressur-Stellen handelte. Die Kostenanalyse deutete auf eine potenzielle Kosteneffektivität des Verfahrens hin.

Fazit: Selbstakupressur könnte zur Schmerzreduktion führen

Da die Studie kein Langzeit-Follow-Up beinhaltet, lassen sich keine Aussagen zum Langzeitnutzen der Selbstakupressur tätigen. Des Weiteren basieren die Ergebnisse zum größten Teil auf subjektiven Einschätzungen der Patienten. Angesichts dieser Tatsache fehlen Daten zur objektiven Erfolgseinschätzung.

Die Ergebnisse deuten dennoch darauf hin, dass Selbstakupressur zur Beschwerdelinderung führen kann und somit das Potential hat, die Lebensqualität von Patienten mit Kniegelenksarthrose zu verbessern. Zur Beurteilung des Langzeitnutzens des Verfahrens sowie zur Einschätzung objektiver Besserungen werden weitere Studien benötigt.

Autor:
Stand:
16.05.2024
Quelle:

Yeung et al. (2014): Self-Administered Acupressure for Probable Knee Osteoarthritis in Middle-Aged and Older Adults, JAMA Network, DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2024.5830

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