Welche Sportarten für wen?
Welche Sportarten belasten die Knie besonders und welche Rolle spielt dabei die Beinmuskulatur? Diesen Fragen widmeten sich Forschende eines niederländischen Teams in einer prospektiven Kohortenstudie mit 5003 Testpersonen aus der Rotterdamm-Studie.
Zu den untersuchten Personen lagen Daten über ihre körperliche Freizeitaktivität, sowie Röntgenbilder der Knie zu Beginn und im Verlauf vor. Zudem waren sie initial zu Knieschmerzen befragt worden. Menschen mit Kniegelenksarthrose am Beginn des Beobachtungszeitraums wurden ausgeschlossen.
Anhand von Fragebögen wurde die körperliche Aktivität genau erfasst. Insbesondere auch, ob es sich um eine sportliche Aktivität mit oder ohne Gewichtsbelastung handelte (z.B. Schwimmen versus Joggen). Die Muskelmasse der unteren Extremitäten wurde mittels Densitometrie erfasst und in einem Index zur Körpergröße ins Verhältnis gesetzt. Daraus ergab sich der sog. „lower-limb muscle mass index“ (LMI).
Als primärer Endpunkt galt eine Kniegelenksarthrose in der Röntgenaufnahme. Als sekundärer Endpunkt galten eine Kniegelenksarthrose in der Röntgenaufnahme und zusätzlich angegebene Knieschmerzen. Zahlreiche mögliche Einflussfaktoren wie z.B. das Alter, das Geschlecht, der Body-Mass-Index und bereits beginnende degenerative Veränderungen am Anfang des Beobachtungszeitraumes wurden statistisch bereinigt.
Zusammenhang zwischen Muskelmasse und gewichtstragender Aktivität
Zunächst untersuchte das Team den Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und Kniegelenksarthrose. Wenig überraschend gab es keinen Zusammenhang für Aktivitäten, bei denen kein Gewicht auf den Knien lastete. Dementgegen bestand ein signifikanter Zusammenhang zwischen Aktivitäten mit Gewichtsbelastung und dem Auftreten von radiologisch nachweisbarer Osteoarthritis.
Im nächsten Schritt interessierte die Forschenden, inwieweit ein Zusammenhang zwischen der Muskelmasse im Bereich der Beine und dem Auftreten einer Kniegelenksarthrose bestand. Bei 1881 Personen wurde dafür die Muskelmasse mittels DXA (dual energy X-ray absorptiometry = Doppelröntgenabsorptiometrie) untersucht. Die Studienteilnehmenden wurden dann je nach Muskelmasse in drei Gruppen eingeteilt. Für Personen mit der niedrigsten Muskelmasse wurde dabei ein signifikanter Zusammenhang zwischen gewichtbelastender Aktivität und dem Auftreten radiologischer Kniearthrose festgestellt. Die Odds Ratio betrug 1,51. In den Gruppen mit mittlerer und hoher Muskelmasse hingegen zeigte sich kein Zusammenhang.
Hinsichtlich der nicht gewichtstragenden Aktivität wurde über alle LMI-Gruppen hinweg kein signifikanter Zusammenhang mit der Wahrscheinlichkeit von Osteoarthritis festgestellt. Insgesamt lag die Inzidenzrate für eine Kniegelenksarthrose bei 8,4% bei einem mittleren Nachbeobachtungszeitraum von 6,33 Jahren. Frauen und Männer waren annähernd gleich häufig vertreten und das mittlere Alter betrug 64,5 Jahre.
Fazit für die Praxis
Menschen mit niedriger Muskelmasse im Bereich der Beine haben ein erhöhtes Risiko durch gewichtstragende Sportarten, eine Kniegelenksarthrose zu entwickeln. Flächendeckende DXA-Messungen sind jedoch kein praktikabler Weg die Muskelmasse zu ermitteln. Die Forschenden geben zu bedenken, dass die Muskelfunktion der unteren Gliedmaßen auch auf andere Weise ermittelt werden könne, so z.B. durch standardisierte Messungen des Oberschenkelumfangs. Möglicherweise könnten so in Zukunft wertvolle Informationen für eine individuelle Beratung bezüglich der körperlichen Betätigung gewonnen werden.








