Unklarer Einfluss des Mikrobioms auf Morbus Bechterew
Morbus Bechterew, auch ankylosierende Spondylitis genannt, ist eine chronisch-entzündliche Arthritis, die vor allem die Wirbelsäule und das Becken betrifft. Die genaue Ursache ist unklar, jedoch spielen sowohl genetische als auch Umweltfaktoren eine Rolle. In den letzten Jahren untersuchte die Forschung zunehmend die Bedeutung des Darmmikrobioms für die Entwicklung der entzündlichen Erkrankung. Trotz zahlreicher epidemiologischer Studien bleibt allerdings unklar, ob die beobachteten Zusammenhänge kausal sind – unter anderem aufgrund der Störfaktoren in den Untersuchungen.
Mikrobiom-Studie mit 196 Taxa sowie 105 Arten
Um kausale Zusammenhänge zwischen Morbus Bechterew und Darmbakterien zu untersuchen, führten Xiaofang Jjang von der Zhejiang University School of Medicine (Hangzhou, China) und Team, eine Mendelsche Randomisierungsanalyse durch. Sie nutzten hierfür Daten aus dem Dutch Microbiome Projekts mit 7738 Teilnehmern sowie aus der vom MiBioGen-Konsortium durchgeführten Metaanalyse. Letztere umfasste 18.340 Personen in 24 Kohorten aus mehreren Ländern, darunter USA, Deutschland Schweden Israel und Südkorea. Insgesamt analysierten die Wissenschaftler 196 bakterielle Taxa (wie Stämme, Klassen, Ordnungen, Familien und Gattungen) aus dem MiBioGen-Konsortium sowie 105 Arten aus dem Dutch Microbiome Projekt.
Bacteroides vulgatus erhöht Risiko für Morbus Bechterew
Die entzündungsfördernde Spezies Bacteroides vulgatus, eine prominente Spezies der Gattung Bacteroides, verfügt über ein enzymatisches System, das komplexe Polysaccharide abbaut und dabei Acetat, Propionat, Butyrat sowie Laktat produziert. Darüber hinaus soll es laut der chinesischen Wissenschaftler das Risiko für Morbus Bechterew signifikant erhöhen. Nach der Bonferroni-Korrektur ergab sich eine Odds Ratio (OR) von 1,55. Das bedeutet, dass Bacteroides vulgatus das Risiko für die entzündliche Erkrankung um 55% erhöht.
Drei Bakterien-Gattungen mit erniedrigtem Risiko
Neben Bacteroides vulgatus identifizierte das Team um Jjang acht weitere bakterielle Merkmale, die mit einem erhöhten Risiko assoziiert waren:
- Phylum Verrucomicrobia (OR=1,37)
- Klasse Verrucomicrobiae (OR=1,31)
- Ordnung Verrucomicrobiales (OR=1,31)
- Ordnung Bacillales (OR=1,17)
- Familie Alcaligenaceae (OR=1,43)
- Familie Verrucomicrobiaceae (OR=1,31)
- Gattung Akkermansia (OR=1,31)
- Art Sutterella wadsworthensis (OR=1,55).
Die Gattungen Dialister (OR=0,68), Howardella (OR=0,84) und Oscillospira (OR=0,75) waren hingegen mit einem verringerten Morbus-Bechterew-Risiko verbunden.
Limitationen der Mikrobiom-Studie
Die Studie sollte allerdings mit Vorsicht interpretiert werden. Zum einen basieren die Ergebnisse überwiegend auf europäischen Teilnehmern, was ihre Übertragbarkeit auf andere ethnische Gruppen einschränkt. Zum anderen wurden wichtige Gene wie HLA-B27, die mit Morbus Bechterew assoziiert sind, nicht berücksichtigt. Weiterhin fehlen Daten zur Bewertung nicht-linearer Zusammenhänge der bakteriellen Merkmale sowie zur Durchführung von stratifizierten Analysen (z. B. nach Alter oder Geschlecht).
Möglicher kausaler Zusammenhang
Die Mendelsche Randomisierungsanalyse, basierend auf den größten genomweiten Studien zum Darmmikrobiom, untersuchte die Zusammenhänge zwischen verschiedenen Ebenen des Mikrobioms und dem Risiko für Morbus Bechterew. Dabei identifizierten die chinesischen Wissenschaftler zwölf bakterielle Merkmale, die potenziell mit der Erkrankungswahrscheinlichkeit verbunden sind. Die kausale Rolle des Darmmikrobioms bleibt jedoch aufgrund der Limitationen unklar. Die spezifischen Mechanismen, durch die diese Bakterien die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung beeinflussen, sind bislang nicht vollständig geklärt.









