Eine gesunde Lebensführung reduziert nach Auswertungen der Nurses Health Study I und II das Risiko, eine rheumatoide Arthritis zu entwickeln, erklärte Professor Dr. Gernot Kayßer, Leiter des Arbeitsbereichs Rheumatologie der Universitätskliniken Halle, anlässlich des Internistenkongresses 2023 in Wiesbaden [1, 2]. Das umfasst fünf Komponenten: Rauchen, Alkoholkonsum, Body Mass Index (BMI), körperliche Aktivität und Ernährung. Als günstig erwiesen sich hinsichtlich der Ernährung Nüsse, Obst, Gemüse, ungesättigte Fettsäuren, ein moderater Alkoholkonsum und Vollkornprodukte [3]. Dagegen waren rotes Fleisch, Softdrinks, Kochsalz und gesättigte Fette mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer rheumatoide Arthritis assoziiert. Empfohlen wird daher eine an die mediterrane Küche angelehnte Ernährung, sagte Kayßer – für Gesunde ebenso wie für Patienten mit rheumatoide Arthritis.
Evidenz für Mittelmeerkost
Eine Assoziation von Ernährungsstilen mit dem Risiko für eine rheumatoide Arthritis heißt per se noch nicht, dass die entsprechende Ernährung auch bei bestehender rheumatoide Arthritis wirksam ist. Die Evidenz für einen Effekt der mediterranen Ernährung auf Symptome einer rheumatoiden Arthritis ist überschaubar. Im Vergleich mit einer Kontrolldiät ging eine mediterrane Diät über zwölf Wochen bei 26 Patienten mit gut kontrollierter, aber aktiver rheumatoide Arthritis unter stabiler Medikation mit einer Reduktion des Disease Activity Scores (DAS28) um 0,56 Punkte einher, bei 25 Kontrollen veränderte sich der DAS28 nicht [4]. Für Patienten mit rheumatoide Arthritis relevant ist auch die belegte Reduktion des kardiovaskulären Risikos durch eine Mittelmeerkost mit besonders viel Olivenöl und Nüssen [5].
Aktuelle Empfehlung der DGRh
Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) hat kürzlich neue Empfehlungen zu Ernährungsmodifikationen bei rheumatischen Erkrankungen veröffentlicht [6]. Aufgrund der bislang vorliegenden Studien kann eine vollwertige, gemüse- und obstreiche (ballaststoffreiche) sowie fleischarme Ernährung Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen als supportive, die Selbstwirksamkeit fördernde Maßnahme empfohlen werden. Hervorgehoben werden dabei vor allem die allgemein gesundheitsförderlichen Effekte. Eine anti-inflammatorische Diät kann aktuell nicht explizit empfohlen werden. Eine kleine Studie mit einer solchen Diät (ADIRA) hatte keinen signifikanten Effekt auf das Ansprechen nach Kriterien der Europäischen Rheumagesellschaft EULAR gezeigt [7]. „Das ist auch keine vollwertige Kost“, betonte Kayßer. Sie enthielt seiner Ansicht nach unter anderem zu wenig Proteine, Zink und Vitamin C.
Heilfasten – nicht für alle geeignet!
Auch das klassische Heilfasten über fünf bis zehn Tage wurde als mögliche Maßnahme in die DGRh-Empfehlungen aufgenommen. Klare Kontraindikationen sind aber Untergewicht und Essstörungen, betonte Kayßer. Auch bei einem akuten Krankheitsschub, einer floriden Gicht oder einem Typ-2-Diabetes ist Heilfasten nicht indiziert. Eine Metaanalyse legt nahe, dass das kurzzeitige Heilfasten mit anschließender vegetarischer Ernährung zu einer Abnahme von Gelenkschmerzen führen kann [8]. Heilfasten wird aber oft überbewertet, betonte Kayßer. Vor allem müsse man den Patienten klar machen, dass sie durch diese Maßnahme langfristig kein Gewicht verlieren. Bei zu langem Heilfasten droht zudem ein Verlust an Muskelmasse, der vermieden werden sollte.
Bei Übergewicht ist die Gewichtsreduktion relevant
Übergewicht geht mit einem höheren Risiko für die Entwicklung einer rheumatoide Arthritis einher. Bei etablierter rheumatoider Arthritis adipöser Patenten zeigte sich nach einer bariatrischen Operation nicht nur ein deutlicher Gewichtsverlust, sondern auch eine deutliche Reduktion der Krankheitsaktivität bis hin zur Remission [9]. Auch bei Gewichtsabnahme durch eine Kalorienrestriktion verringerte sich die Krankheitsaktivität der rheumatoiden Arthritis und bei Psoriasis-Arthritis zeigte sich zusätzlich ein verbesserter Hautbefund, ergänzte Kayßer [10, 11].
Motivation oft nicht gegeben
Die mediterrane Kost nannte auch Privatdozent Dr. med. Christof Iking-Konert, Leiter der Abteilung für Rheumatologie im Stadtspital Zürich, empfehlenswert [1]. Seiner Erfahrung nach erreiche man aber viele Menschen mit Ernährungsempfehlungen nicht. Die meisten Patienten wollen keine dauerhafte Ernährungsumstellung. Letztlich bedeutet die mediterrane Ernährung, hauptsächlich aus frischen Zutaten selbst zu kochen, erläuterte er. Das tun heute nach dem Ernährungsreport 2022 mehr als die Hälfte der Deutschen nicht mehr täglich und manche auch überhaupt nicht mehr [12].
Ernüchternde EULAR-Empfehlungen
Die EULAR empfiehlt allgemein eine gesunde, ausgewogene Ernährung als integralen Bestandteil eines verbesserten Lebensstils bei Menschen mit rheumatologischen Erkrankungen, ohne dass es dafür belastbare Evidenz gibt [13]. Hoch ist dagegen die Evidenz für die Empfehlung, Patienten darüber zu informieren, dass es unwahrscheinlich ist, dass der Konsum bestimmter Nahrungsmittel einen deutlich positiven Effekt auf rheumatologische Erkrankung hat.








