Arthrose gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen des Bewegungsapparates. Besonders häufig betroffen sind große Gelenke wie Knie und Hüfte. Die Erkrankung geht mit Schmerzen, eingeschränkter Beweglichkeit und funktionellen Einschränkungen einher und kann die Gehfähigkeit deutlich beeinträchtigen.
Da derzeit keine kurative Therapie verfügbar ist, spielen nichtoperative Maßnahmen eine zentrale Rolle in der Behandlung. Dazu zählen Bewegungstherapie, Gewichtsreduktion, Schmerztherapie sowie verschiedene Strategien der Selbstbehandlung.
Eine häufig genannte Empfehlung betrifft das Schuhwerk. Schuhe bilden die Verbindung zwischen Fuß und Untergrund und können beeinflussen, wie Kräfte beim Gehen über die untere Extremität auf Knie- und Hüftgelenk übertragen werden. High Heels beispielsweise verstärken die Gelenkbelastung. Laut einer Studie erhöhen Schuhe mit sechs Zentimeter hohen Absätzen die Belastung des Knies im Vergleich zum Barfußlaufen um durchschnittlich 23 %.
Biomechanische Studien stellen Nutzen stützender Schuhe bei Arthrose infrage
Viele Menschen und auch Ärzte sind der Meinung, dass Schuhe mit stabilen und stützenden Eigenschaften besonders gut für Menschen mit Arthrose geeignet sind. Biomechanische Studien zeigen jedoch ein differenzierteres Bild. Schuhe mit solchen stützenden Eigenschaften können die Kniebelastung im Vergleich zu Schuhen ohne diese Merkmale um bis zu 15 % erhöhen. Auch Einlegesohlen mit Fußgewölbestütze steigern die Kniebelastung um bis zu 6 %, wenn sie in Schuhen verwendet werden.
Welche Schuhmerkmale für Patienten mit Arthrose tatsächlich günstig sind, ist bislang jedoch nur begrenzt durch randomisierte Studien untersucht.
Frühere Untersuchung zeigte Vorteile stabiler Schuhe bei Kniearthrose
Vor diesem Hintergrund untersuchte eine Forschungsgruppe der University of Melbourne in Australien in einer randomisierten Studie, ob stabile stützende Schuhe Schmerzen bei Hüftgelenksarthrose stärker reduzieren als flache flexible Modelle. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal 'Annals of Internal Medicine' veröffentlicht.
Die gleiche Forschungsgruppe hatte zuvor bereits eine randomisierte Studie zu verschiedenen Schuhkonzepten bei Kniegelenksarthrose durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass stabile stützende Schuhe die Schmerzen beim Gehen stärker reduzierten als flache flexible Schuhe. An diese Ergebnisse knüpft die aktuelle Untersuchung an und prüft, ob sich ein ähnlicher Effekt auch bei Patienten mit Hüftarthrose beobachten lässt.
Zwei Schuhkonzepte bei Hüftarthrose im Vergleich
Die aktuelle Untersuchung wurde als pragmatische randomisierte Vergleichsstudie mit zwei Gruppen durchgeführt. Eingeschlossen waren 120 Erwachsene mit Hüftgelenksarthrose und belastungsabhängigen Schmerzen. Die Gruppen wurden randomisiert einer von zwei Gruppen zugeteilt:
- stabile, stützende Schuhe, zum Beispiel Laufschuhe
- flache, flexible Schuhe wie etwa Ballerinas
Die verwendeten Modelle mussten jeweils vorab definierte Kriterien erfüllen. Innerhalb der zugewiesenen Kategorie konnten die Teilnehmer ein Modell auswählen. Die ausgewählten Schuhe mussten über sechs Monate hinweg mindestens sechs Stunden täglich getragen werden.
Der primäre Endpunkt war die Veränderung der durchschnittlichen Hüftschmerzen beim Gehen innerhalb der vergangenen Woche nach sechs Monaten. Die Schmerzen wurden auf einer numerischen Ratingskala von 0 bis 10 Punkten erhoben. Sekundäre Endpunkte umfassten unter anderem Schmerzen, Symptome, Funktion im Alltag, Funktion bei Sport- und Freizeitaktivitäten, Lebensqualität, körperliche Aktivität, globale Verbesserung sowie unerwünschte Ereignisse.
Schuhtyp macht bei Hüftschmerzen keinen Unterschied
Von den 120 randomisierten Teilnehmern lieferten 116 (97 %) Daten zum primären Endpunkt nach sechs Monaten
Zwischen den beiden Schuhgruppen zeigte sich kein Unterschied in der Veränderung der Hüftschmerzen beim Gehen. Die mittlere Differenz betrug -0,5 Punkte auf der Schmerzskala (95 %-Konfidenzintervall [KI] -1,3 bis 0,2; p = 0,163). Auch bei den meisten sekundären Endpunkten ergaben sich keine Unterschiede zwischen den beiden Schuhkonzepten.
Symptome und Lebensqualität variieren je nach Schuhmodell
Bei einigen sekundären Endpunkten zeigten sich Unterschiede zwischen den Gruppen.
Teilnehmer mit flachen flexiblen Schuhen wiesen stärkere Verbesserungen in einzelnen Subskalen des Hip Disability and Osteoarthritis Outcome Score auf:
- Symptomskala: mittlere Differenz 6,6 Punkte (95 %-KI 1,4–11,7)
- Lebensqualität: mittlere Differenz 7,8 Punkte (95 %-KI 1,1–14,4)
Teilnehmer mit stabilen stützenden Schuhen berichteten dagegen stärkere Verbesserungen bei Schmerzen im kontralateralen Fuß oder Sprunggelenk (mittlere Differenz 0,8 Punkte; 95 %-KI 0,0–1,5).
Weniger unerwünschte Ereignisse mit stabilen Schuhen
Unerwünschte Ereignisse traten häufiger in der Gruppe mit flachen flexiblen Schuhen auf, darunter Schmerzen im Fuß oder Sprunggelenk.
- stabile stützende Schuhe: 7 Ereignisse (12 %)
- flache flexible Schuhe: 18 Ereignisse (31 %)
Das relative Risiko betrug 0,39 (95 %-KI 0,18–0,86).
Fazit: Stabiler Schuh hilft beim Knie, nicht bei der Hüfte
Die randomisierte Studie zeigt, dass stabile stützende Schuhe bei Hüftgelenksarthrose keinen zusätzlichen Nutzen gegenüber flachen flexiblen Modellen zur Reduktion von Schmerzen beim Gehen boten. Damit unterscheiden sich die Ergebnisse von früheren Untersuchungen bei Kniegelenksarthrose, in denen stabile Schuhe die Schmerzen stärker reduzierten.
Warum sich die Ergebnisse zwischen Knie- und Hüftarthrose unterscheiden, ist derzeit unklar. Die Autoren weisen darauf hin, dass die mechanischen Belastungen im Kniegelenk beim Gehen höher sein können als im Hüftgelenk. Stabile, stützende Schuhe könnten daher ein größeres Potenzial haben, die Kräfte im Kniegelenk und damit verbundene Schmerzen zu reduzieren.
Unabhängig davon gilt für ältere Menschen – und auch für Patienten mit Knie- oder Hüftarthrose – schlecht sitzende Schuhe sowie Modelle mit hohen oder schmalen Absätzen möglichst zu vermeiden, da diese das Sturzrisiko erhöhen können.












