Schwangerschaft bei Lupus: Prädiktive Faktoren für Komplikationen

Frauen mit systemischem Lupus erythematodes haben ein erhöhtes Risiko für Komplikationen während der Schwangerschaft. Eine aktuelle Metaanalyse hat Risikofaktoren identifiziert, die bei SLE-Patientinnen einen negativen Schwangerschaftsausgang vorhersagen könnten.

Schwangere bei Ärztin

Der systemische Lupus erythematodes (SLE) ist eine chronische Autoimmunerkrankung, die vor allem Frauen im gebärfähigen Alter betrifft. Eine Schwangerschaft stellt für SLE-Patientinnen eine besondere Herausforderung dar, da sie mit einem erhöhten Risiko für Krankheitsschübe und Schwangerschaftskomplikationen verbunden ist. 

Systemischer Lupus erythematodes und Schwangerschaft

In der Vergangenheit wurde Frauen mit SLE häufig von einer Schwangerschaft abgeraten, da SLE mit einem signifikant erhöhten Risiko für schwere Schwangerschaftskomplikationen assoziiert ist. Zu den häufigsten Risiken gehören Präeklampsie, fetale Wachstumsretardierung, Frühgeburtlichkeit und ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten.

Verbesserungen in der pränatalen Betreuung sowie eine multidisziplinäre präkonzeptionelle Beratung haben in den letzten Jahrzehnten jedoch zu einer deutlichen Verbesserung der Schwangerschafts-Outcomes geführt. Individuelle Risikofaktoren können erkannt und ein auf die Bedürfnisse von Mutter und Fötus abgestimmter Therapieplan erstellt werden. 

Variierende Risikofaktoren in bisherigen Studien

Da frühere Studien erhebliche Unterschiede in den Ergebnissen bezüglich prädiktiver Faktoren zeigen, war das Ziel einer niederländischen Studie, solche Faktoren für unerwünschte Schwangerschaftsausgänge wie Fehlgeburten, Frühgeburten, Präeklampsie, Wachstumsretardierung, Krankheitsschübe sowie eine reduzierte Wahrscheinlichkeit von Lebendgeburten zu identifizieren.

Besonderes Augenmerk wurde auf Risikofaktoren gelegt, die bereits vor der Konzeption bekannt waren, um die präkonzeptionelle Beratung und das Krankheitsmanagement zu optimieren. Die durchgeführte Metaanalyse umfasste 72 Studien, die insgesamt 10.355 Schwangerschaften bei 8.065 Frauen mit SLE untersuchten.

Lebend- und Fehlgeburten

Die wichtigsten Risikofaktoren für eine verminderte Wahrscheinlichkeit einer Lebendgeburt waren eine anamnestisch bekannte Lupusnephritis und das Vorliegen eines sekundären Antiphospholipid-Syndroms. Frauen mit diesen Vorerkrankungen hatten ein signifikant erhöhtes Risiko für einen ungünstigen Schwangerschaftsverlauf. Darüber hinaus war eine aktive SLE-Erkrankung zum Zeitpunkt der Konzeption oder während der Schwangerschaft ebenfalls mit einem erhöhten Abortrisiko und einer verminderten Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Lebendgeburt assoziiert.

Das sekundäre Antiphospholipid-Syndrom stellte sich als besonders starker Risikofaktor für Fehlgeburten heraus. Frauen mit diesem Syndrom hatten ein fast dreifach erhöhtes Risiko für einen Abort nach der 20 Schwangerschaftswoche. Eine Lupusnephritis und die Antikörper Anticardiolipin und Lupusantikoagulans erhöhten das Risiko eines späteren Schwangerschaftsabbruchs ebenfalls, jedoch in geringerem Maße.

Frühgeburten und Wachstumsrestriktionen

Frühgeburten sind eine häufige Komplikation bei Frauen mit SLE. In der Metaanalyse konnte ein aktiver SLE vor oder während der Empfängnis als Risikofaktor identifiziert werden. Auch eine Lupusnephritis in der Vorgeschichte sowie chronischer Bluthochdruck erhöhten das Risiko einer Frühgeburt signifikant. Darüber hinaus hatten Frauen mit positiven Antiphospholipid-Antikörpern ein erhöhtes Risiko für eine Geburt vor der 37. Schwangerschaftswoche.

Eine fetale Wachstumsrestriktion wurde als ein geschätztes Geburtsgewicht unterhalb der 10. Perzentile definiert. Hierfür zeigte die Analyse, dass ein aktiver SLE vor oder während der Konzeption das Risiko für Wachstumsrestriktionen erhöhte. Andere prädiktive Faktoren wie Lupusnephritis oder das Vorhandensein von Anti-SSA (Sjögren's-Syndrome-related Antigen A)- oder Anti-SSB-Antikörpern waren nicht signifikant mit Wachstumsrestriktionen assoziiert.

Präeklampsie

Präeklampsie ist eine Schwangerschaftskomplikation, die mit Hypertension und einer Nierenfunktionsstörung einhergeht und sowohl für die Mutter als auch für das Kind schädlich sein kann. Frauen mit einer Vorgeschichte von Lupusnephritis, Bluthochdruck oder aktivem SLE vor oder während der Konzeption hatten ein signifikant höheres Risiko, während der Schwangerschaft eine Präeklampsie zu entwickeln. Frauen mit chronischem Hypertonus waren besonders betroffen, was die Bedeutung einer engmaschigen Blutdruckkontrolle während der Schwangerschaft unterstreicht.

Krankheitsschübe während der Schwangerschaft

Die Metaanalyse zeigt außerdem, dass Frauen mit chronischem Hypertonus und Antikardiolipin-Antikörpern ein erhöhtes Risiko für Krankheitsschübe während oder nach der Schwangerschaft hatten. Ein aktiver SLE vor oder während der Konzeption trug ebenfalls zu einem erhöhten Risiko bei. Diese Krankheitsschübe können sowohl für die Mutter als auch für den Fötus gefährlich sein und erfordern eine intensive medizinische Überwachung.

 Zusammenfassung der prädiktiven Faktoren

Zusammengefasst gehören zu den wichtigsten prädiktiven Faktoren:

  • Lupusnephritis: Erhöht das Risiko für Frühgeburten, Präeklampsie und Schwangerschaftsverluste.
  • Chronische Hypertonie: Ein signifikanter Risikofaktor für Präeklampsie, Frühgeburten und Krankheitsschübe.
  • Aktive SLE vor oder während der Konzeption: Erhöht das Risiko für Frühgeburten, Wachstumsrestriktionen und Krankheitsausbrüche.
  • Sekundäres Antiphospholipid-Syndrom: Erhöht das Risiko für Schwangerschaftsverluste und Frühgeburten.

Die Ergebnisse zeigen, dass verschiedenste Faktoren das Outcome einer Schwangerschaft bei Patientinnen mit SLE beeinflussen können. Um die Risiken zu reduzieren, sind eine umfassende präkonzeptionelle Beratung, eine engmaschige Überwachung während der Schwangerschaft sowie individuelle Behandlungspläne entscheidend.

Autor:
Stand:
21.10.2024
Quelle:

Wind et al. (2024): Pregnancy outcome predictors in systemic lupus erythematosus: a systematic review and meta-analysis. The Lancet RheumatologyDOI: 10.1016/S2665-9913(24)00160-7

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