Die Frage klingt banal, sorgt aber regelmäßig für Diskussionen im Büro, zu Hause oder in sozialen Medien: Sollte der Toilettendeckel vor dem Spülen geschlossen werden?
Ein neuer systematischer Review hat untersucht, welche Aerosole und Bioaerosole beim Toilettenspülen entstehen und welche Faktoren ihre Konzentration beeinflussen. Die Autoren werteten dafür 22 Studien mit unterschiedlichen Toilettentypen, Spülsystemen und Messverfahren aus.
Was sind Aerosole?
Als Aerosole bezeichnet man kleine feste oder flüssige Partikel, die in der Luft schweben können. Enthalten sie biologische Bestandteile wie Mikroorganismen oder anderes biologisches Material, werden sie als Bioaerosole bezeichnet.
Beim Toilettenspülen können durch die Bewegung des Wassers feine Tröpfchen und Partikel entstehen, die in die Raumluft gelangen. Der Review zeigt, dass solche Aerosole auch den Atembereich eines Erwachsenen erreichen können. In den ausgewerteten Studien wurden sie zudem noch mindestens 20 Sekunden nach dem Spülvorgang in der Luft nachgewiesen.
Nicht jede Toilette erzeugt gleich viele Aerosole
Die untersuchten Toiletten und Versuchsbedingungen unterschieden sich teilweise erheblich. Besonders zwei Faktoren zeigten einen Zusammenhang mit höheren Aerosol- und Bioaerosolkonzentrationen: die mikrobielle Ausgangsbelastung und die Menge des verwendeten Spülwassers.
In den statistischen Analysen war jeder zusätzliche Liter Spülwasser mit einem etwa 1,3-fachen Anstieg der gemessenen Aerosol- und Bioaerosolkonzentration verbunden. Auch eine höhere Ausgangskonzentration von Mikroorganismen ging mit höheren Konzentrationen in der Luft einher.
Weitere Einflussfaktoren wie Toilettendesign, Spüldruck und Spülsystem spielen ebenfalls eine Rolle. Ihre unabhängigen Effekte lassen sich aufgrund der unterschiedlichen Versuchsbedingungen und der begrenzten Datenlage jedoch weniger eindeutig bestimmen.
Und was ist mit dem Toilettendeckel?
Hier wird es interessant: In den ausgewerteten Studien waren die gemessenen Aerosol- und Bioaerosolkonzentrationen bei offenem beziehungsweise nicht vorhandenem Deckel rechnerisch etwa 23-mal höher als bei geschlossenem Deckel.
Allerdings war dieser Unterschied statistisch nicht signifikant. Zudem gab es deutlich weniger Messungen mit geschlossenem Deckel als mit offenem oder fehlendem Deckel. Die Autoren bewerten den Einfluss der Deckelposition deshalb insgesamt als nicht eindeutig.
Kurz gesagt: Der Review liefert keinen belastbaren Beleg dafür, dass ein geschlossener Toilettendeckel die Aerosolbelastung zuverlässig verhindert.
Bedeutet das ein Gesundheitsrisiko?
Auch hier ist Vorsicht vor vorschnellen Schlussfolgerungen angebracht.
Der Review zeigt, dass beim Toilettenspülen Aerosole und Bioaerosole entstehen können und dass diese unter bestimmten Bedingungen den Atembereich erreichen. Daraus lässt sich jedoch nicht automatisch ableiten, dass ein normaler Spülvorgang ein relevantes Gesundheitsrisiko darstellt.
Die untersuchten Studien verwendeten unterschiedliche Mikroorganismen, Ersatzpartikel, Toiletten und Messverfahren. Die Autoren betonen deshalb den weiteren Forschungsbedarf, insbesondere für eine realistische Einschätzung der tatsächlichen Infektionsrisiken.
Fun Fact
Die Toilettendeckel-Debatte ist also nicht völlig aus der Luft gegriffen: Beim Spülen können tatsächlich Aerosole entstehen. Überraschender ist aber, dass der Review nicht den Deckel als wichtigsten Einflussfaktor identifiziert. Entscheidend scheinen vielmehr die mikrobielle Ausgangsbelastung und die beim Spülen eingesetzte Wassermenge zu sein.












