Patientenaufklärung beeinflusst den Umgang mit asymptomatischer Bakteriurie

Die asymptomatische Bakteriurie wird bei älteren Patienten häufig fehlinterpretiert und unnötig behandelt. Gezielte Patientenaufklärung kann dazu beitragen, dass ältere Menschen bei asymptomatischer Bakteriurie seltener den Wunsch nach einer antibiotischen Behandlung äußern.

Urin

Die asymptomatische Bakteriurie (ASB) tritt bei älteren Menschen häufig auf. Ein positiver Urintest ohne klinische Symptome kann im Versorgungsalltag jedoch als Hinweis auf eine Harnwegsinfektion fehlinterpretiert werden. Leitlinien empfehlen in den meisten Fällen ausdrücklich keine antibiotische Therapie, da kein klinischer Nutzen belegt ist und gleichzeitig Risiken wie Nebenwirkungen und die Förderung antimikrobieller Resistenzen bestehen. Dennoch wird ASB im klinischen Alltag weiterhin häufig mit einer Harnwegsinfektion gleichgesetzt und antibiotisch behandelt, etwa im präoperativen Kontext.

Vor diesem Hintergrund kommt der gezielten Aufklärung von Patienten eine zunehmende Bedeutung zu.

Patientenaufklärung im Fokus einer randomisierten Studie zu ASB

Bislang war unklar, inwieweit verständliche, evidenzbasierte Patienteninformationen Fehlannahmen über asymptomatischen Bakteriurie korrigieren und Einstellungen zum Antibiotikaeinsatz beeinflussen können, insbesondere wenn ärztliche Empfehlungen dem Leitlinienwissen widersprechen. Vor diesem Hintergrund analysierte eine randomisierte kontrollierte Online-Studie aus den USA, ob ein patientenzentriertes Informationsblatt ältere Erwachsene dazu bewegen kann, bei asymptomatischer Bakteriurie auf eine antibiotische Behandlung zu verzichten. Die Ergebnisse wurden in 'Open Forum Infectious Diseases' veröffentlicht.

Online-Befragung mit 504 älteren Erwachsenen

An der randomisierten Online-Befragung nahmen 504 Erwachsene im Alter von mindestens 65 Jahren teil. Nach Lektüre eines hypothetischen präoperativen Szenarios mit positivem Urintest ohne Symptome wurden die Teilnehmer in einem 2×2-faktoriellen Design einer von vier Studienbedingungen zugeteilt. Die Bedingungen unterschieden sich darin, ob sie ein aufklärendes Informationsblatt zur asymptomatischen Bakteriurie erhielten und ob ein Chirurg die Einnahme von Antibiotika empfahl oder deren Verzicht nahelegte.

Primärer Endpunkt war die selbstberichtete Bereitschaft, bei ASB keine Antibiotika einzunehmen. Sekundäre Endpunkte umfassten Fehlannahmen zur Gleichsetzung von ASB und Harnwegsinfektion sowie Wissensfragen zu ASB, Harnwegsinfektionen und Antibiotika.

Unterschiede im Entscheidungsverhalten abhängig von Information und Empfehlung

Von den 504 Probanden schlossen 89 % die Befragung vollständig ab. Teilnehmer, die das Informationsblatt erhielten, zeigten eine signifikant höhere Bereitschaft, auf Antibiotika zu verzichten (p < 0,001). Zudem waren sie signifikant seltener der Ansicht, eine ASB entspreche einer Harnwegsinfektion (p < 0,001), und wiesen ein höheres Wissensniveau auf (p < 0,001). Demgegenüber führte die explizite Empfehlung eines Chirurgen zur Antibiotikaeinnahme zu einer geringeren Bereitschaft, auf Antibiotika zu verzichten (p = 0,013), sowie zu einer höheren Rate an Fehlannahmen bezüglich ASB und Harnwegsinfektion (p < 0,001).

Bedeutung evidenzbasierter Patienteninformation für klinische Entscheidungsprozesse

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass evidenzbasierte Patienteninformationen das Verständnis älterer Erwachsener für die asymptomatische Bakteriurie und den Einsatz von Antibiotika verbessern können. Für die klinische Praxis unterstreichen die Befunde die Bedeutung einer klaren, konsistenten und leitlinienorientierten Kommunikation durch alle beteiligten Gesundheitsberufe.

Autor:
Stand:
22.02.2026
Quelle:

Thorpe, A. et al. (2025): Impact of an Educational Leaflet About Asymptomatic Bacteriuria and Urinary Tract Infection on Antibiotic Preferences Among US Adults ≥65 Years: An Online Randomized Controlled Survey Experiment. Open Forum Infectious Diseases, DOI: 10.1093/ofid/ofaf690.

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