Neue Erkenntnisse zum Dialyse-assoziierten Pruritus

Mithilfe eines neu entwickelten Scores, dem PBUT-Score, bestätigten Wissenschaftler den Zusammenhang zwischen Juckreiz und urämischen Proteinen bei Patienten, die sich einer Hämodialyse unterzogen. Dies kann neue Behandlungsoptionen eröffnen.

Dialyse

Pruritus: eine häufige Komplikation bei der Hämodialyse

40-50% aller Patienten, die sich aufgrund einer chronischen Nierenerkrankung einer Hämodialyse unterziehen, leiden nach eigenen Angaben unter moderatem bis extremem Juckreiz. Die Lebensqualität sinkt und die Sterblichkeit steigt mit zunehmendem Schweregrad. Jüngste Fortschritte bei der Hämodialysebehandlung haben die Entfernung von Molekülen mit kleinem und mittlerem Molekulargewicht verbessert.

Allerdings bleibt die Entfernung proteingebundener urämischer Toxine (protein-bound uremic toxins [PBUTs]), die sich bei einer Nierenerkrankung im Endstadium anreichern, schwierig. Wissenschaftler vermuteten, dass Pruritus bei Patienten, die sich einer Hämodialyse unterziehen, mit den Serumspiegeln von PBUTs in Verbindung steht.

Proteingebundene urämische Toxine – der neue PBUT-Score

Dr. Suguru Yamamoto von der Division of Clinical Nephrology and Rheumatology an der Niigata University Graduate School of Medical and Dental Sciences in Niigata, Japan, und Kollegen führten eine multizentrische Querschnittsstudie bei Patienten durch, die sich einer Hämodialyse unterzogen. Der Schweregrad des Pruritus wurde anhand der 5D-Juckreizskala und der Medikamenteneinnahme beurteilt.

Die Serumspiegel von PBUTs, einschließlich Indoxylsulfat, p-Kresylsulfat, Indolessigsäure, Phenylsulfat und Hippursäure, wurden mittels Massenspektrometrie gemessen. Aus diesen Werten bildeten die Wissenschaftler mithilfe einer Hauptkomponentenanalyse den sogenannten PBUT-Score. Außerdem untersuchten sie mit univariaten und multiplen Regressionsanalysen, ob es unabhängige Prädiktoren für das Auftreten von Pruritus gab. Die Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Clinical Kidney Journal veröffentlicht [1].

Zusammenhang zwischen Juckreiz und PBUT bestätigt

In die Studie gingen Daten von 135 Patienten im mittleren Alter von 64,9 Jahren ein, die im Median 89 Monate Dialysebehandlung erhalten hatten. 75% der Probanden waren Männer. Hauptursachen für die chronische Nierenerkrankung waren Diabetes (33%), chronische Glomerulonephritis (55%) und Nephrosklerose (6%).

38% der Studienpatienten litten nach eigenen Angaben unter leichtem bis schwerem Pruritus. Dabei verteilten sich die Angaben mit 62,2%, 21,5%, 13,3%, 1,5% und 0,7% auf die Schweregrade 5 (kein Juckreiz), 6–10, 11–15, 16–20 und 21–25 Punkte.

Bei Dialysepatienten mit Pruritus war der PBUT-Score höher als bei Patienten ohne Pruritus (0,201 vs. –0,120; P = 0,046). Die Wissenschaftler errechneten einen Korrelationskoeffizienten von 0,498 und eine Odds Ratio von 1,65 (P = 0,027).

Neue Therapiestrategien denkbar

Patienten, die sich einer Hämodialyse unterzogen, litten häufig unter urämischem Pruritus. Dieser stand in Zusammenhang mit dem neu entwickelten PBUT-Score. Die Autoren der Publikation halten weitere Studien für erforderlich, um den Einfluss von PBUTs auf den urämischen Pruritus zu klären und Therapiestrategien für Hämodialysepatienten zu entwickeln.

Autor:
Stand:
28.05.2024
Quelle:

Yamamoto et al. (2024): Pruritus and protein-bound uremic toxins in patients undergoing hemodialysis: a cross-sectional study. Clinical Kidney Journal, DOI: 10.1093/ckj/sfae007

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