Buprenorphin
Buprenorphin ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Opioide, der zur Substitutionstherapie bei Opioidabhängigkeit sowie zur Schmerzlinderung bei starken Schmerzen und Tumorschmerzen indiziert ist. Buprenorphin ist in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich.
Buprenorphin: Übersicht

Anwendung
Das Opioid Buprenorphin wird in folgenden Indikationsgebieten eingesetzt:
- Mäßig starke bis starke Tumorschmerzen und starke Schmerzen bei ungenügender Wirksamkeit nicht-opioider Schmerzmittel (nicht geeignet zur Behandlung akuter Schmerzen)
- Substitutionstherapie bei Opioidabhängigkeit im Rahmen medizinischer, sozialer und psychotherapeutischer Maßnahmen
Anwendungsart
Buprenorphin ist in unterschiedlichen Darreichungsformen erhältlich, um die effektivste Wirkung für die jeweilige Indikation zu erzielen:
- Transdermales Pflaster (35, 52,5 oder 70 µg/h für 4 Tage)
- Transdermales Pflaster (5, 10, 15 oder 20 µg/h für 7 Tage)
- Sublingualtablette (0,4, 2 oder 8 mg)
- Depot-Injektionslösung (8, 16, 24, 32, 64, 96, 128 oder 160 mg)
Für die transdermale Applikation von Buprenorphin gilt:
- Das Pflaster darf nicht geteilt oder in Teile geschnitten werden.
- Das Pflaster darf nicht verwendet werden, wenn die Versiegelung des Beutels beschädigt ist.
- Das transdermale Pflaster soll auf nicht gereizte, gereinigte, relativ unbehaarte, flache Hautpartien und nicht auf Hautstellen mit größeren Narben aufgebracht werden.
- Vorzugsweise erfolgt die Applikation am Oberkörper (auf der oberen Rückenpartie beziehungsweise unterhalb des Schlüsselbeins auf der Brust).
- Eventuell vorhandene Haare sollen nicht rasiert, sondern mit einer Schere entfernt werden.
- Falls die Applikationsstelle gereinigt werden muss, soll dies mit Wasser geschehen (dabei dürfen weder Seife noch andere Reinigungsmittel benutzt werden).
- Die Anwendung von Dermatika, die das Kleben auf der ausgewählten Hautstelle beeinträchtigen könnten, ist zu vermeiden.
- Die Haut muss vor der Applikation vollkommen trocken sein.
- Das Pflaster soll unmittelbar nach Entnahme aus dem Beutel appliziert werden.
- Nach Entfernung der Schutzfolie wird das transdermale Pflaster mit der flachen Hand ca. 30 Sekunden fest auf die gewählte Hautstelle gepresst.
- Das Pflaster wird durch Baden, Duschen oder Schwimmen nicht beeinflusst und soll kontinuierlich bis zu 4 bzw. 7 Tage getragen werden.
- Nachdem das vorangegangene transdermale Pflaster entfernt wurde, ist ein neues Pflaster an einer anderen Stelle anzubringen.
- Bevor auf dieselbe Hautstelle wieder ein neues transdermales Pflaster appliziert wird, sollte mindestens 1 Woche vergangen sein.
- Im unwahrscheinlichen Fall, dass sich das transdermale Pflaster vor dem nächsten Wechsel löst, darf dasselbe transdermale Pflaster nicht nochmals benutzt werden (es ist umgehend ein neues Pflaster aufzukleben).
Für die sublinguale Applikation von Buprenorphin gilt:
- Der Arzt muss den Patienten darüber informieren, dass die sublinguale Anwendung die einzige wirksame und sichere Art der Anwendung darstellt.
- Die Tablette wird bis zur Auflösung unter der Zunge gehalten (dies geschieht üblicherweise innerhalb von 5 bis 10 Minuten).
- Gegebenenfalls sollte zuvor die Mundschleimhaut angefeuchtet werden, um die Auflösung der Sublingualtablette zu erleichtern.
Für die Depot-Injektionslösung von Buprenorphin gilt:
- Die Depot-Injektionslösung ist nur zur subkutanen Anwendung bestimmt.
- Es sollte langsam und vollständig in das subkutane Gewebe verschiedener Bereiche (Gesäß, Oberschenkel, Bauch oder Oberarm) injiziert werden, sofern ausreichend subkutanes Gewebe vorhanden ist.
- Jeder Bereich kann mehrere Injektionsstellen aufweisen.
- Sowohl bei wöchentlichen als auch bei monatlichen Injektionen sollte eine Rotation der Injektionsstellen erfolgen.
- Es sollten mindestens 8 Wochen vor einer erneuten Injektion einer wöchentlichen Dosis in eine der zuvor verwendeten Injektionsstellen vergehen.
- Es liegen keine klinischen Daten vor, die für eine erneute Injektion der monatlichen Dosis in dieselbe Injektionsstelle sprechen (wahrscheinlich besteht kein Grund für Sicherheitsbedenken).
- Die Entscheidung, eine erneute Injektion an derselben Stelle vorzunehmen, sollte auch auf dem klinischen Urteil der behandelnden Ärzte basieren.
- Die Dosis sollte als Einzelinjektion und nicht geteilt angewendet werden.
- Die Dosis darf nicht intravaskulär (intravenös), intramuskulär oder intradermal (in die Haut) angewendet werden.
Wirkmechanismus
Buprenorphin ist der Wirkstoffklasse der Opioide zugehörig, unterscheidet sich aber im pharmakologischen Profil von anderen Opioiden. Als partieller Agonist am µ-Opioidrezeptor wirkt Buprenorphin unter anderem analgetisch, wobei die maximale analgetische Wirksamkeit von beispielsweise Morphin aufgrund des Partialagonismus auch bei weiterer Dosissteigerung nicht erreicht wird (Ceiling-Effekt).
µ-Opioidrezeptoren sind G-Protein-gekoppelte Rezeptoren (GPCR) vom Typ Gi/o, die nach Aktivierung durch (partielle) Agonisten eine Hemmung der zyklischen Adenylatzyklase bewirken, wodurch die Konzentration an zyklischem Adenosinmonophosphat (cAMP) abnimmt.
Folglich wird die nozizeptive Signalweiterleitung über diese Mechanismen inhibiert:
- Präsynaptisch: Hemmung der Transmitterfreisetzung (z.B. Glutamat) durch Reduktion der Öffnungswahrscheinlichkeit von Calciumkanälen
- Postsynaptisch: Hyperpolarisation der Neurone durch Erhöhung der Öffnungswahrscheinlichkeit von Kaliumkanälen (K+-Ausstrom)
Die Wirksamkeit in der Substitutionstherapie beruht auf der langsamen und reversiblen Bindung von Buprenorphin an µ-Opioidrezeptoren im Zentralnervensystem (ZNS), wodurch das Verlangen von Patienten mit Opioid-Abhängigkeit nach (illegalen) Opioiden über einen längeren Zeitraum auf ein Minimum beschränkt werden kann.
Buprenorphin bindet darüber hinaus als Antagonist an κ-Opioidrezeptoren.

Pharmakokinetik
Das pharmakokinetische Profil von Buprenorphin ist abhängig von der Darreichungsform.
Bei oraler Anwendung unterliegt Buprenorphin einem ausgeprägten First-Pass-Metabolismus, sodass die orale Applikation für diesen Wirkstoff ungeeignet ist.
Im Folgenden beziehen sich die pharmakokinetischen Daten, sofern nicht explizit auf andere Darreichungsformen verwiesen wird, auf die sublinguale Applikation.
Resorption
- Die Plasmaspitzenkonzentration wird 90 Minuten nach der sublingualen Applikation erreicht.
- Das Verhältnis von Dosis zu maximaler Plasmakonzentration ist im Dosisbereich zwischen 2 mg und 24 mg Buprenorphin (Sublingualtabletten) dosisabhängig, aber nicht dosisproportional.
- Das Verhältnis von Dosis zum Ausmaß der Bioverfügbarkeit (AUC) ist im Dosisbereich zwischen 2 mg und 16 mg Buprenorphin (Sublingualtabletten) dosisproportional, im Dosisbereich zwischen 16 und 24 mg dosisabhängig, aber nicht dosisproportional.
- Die relative Bioverfügbarkeit von Buprenorphin-Sublingualtabletten im Vergleich zu Buprenorphin-Lösung beträgt nach einer an 24 Probanden durchgeführten Bioverfügbarkeitsstudie etwa 70 %.
Verteilung
- Auf die Resorption von Buprenorphin folgt eine rasche Verteilungsphase.
- Die Halbwertszeit beträgt 2-5 Stunden.
- Das scheinbare Verteilungsvolumen von Buprenorphin nach wöchentlicher Depot-Injektion beträgt ca. 1900 L.
- Buprenorphin liegt nach wöchentlicher Depot-Injektion zu ca. 96% proteingebunden vor, primär an Alpha- und Betaglobulin.
Metabolismus
- Buprenorphin wird durch 14-N-Dealkylierung (primär CYP3A4) zu N-Dealkylbuprenorphin (Norbuprenorphin) sowie durch Glukuronidierung des Stammmoleküls und des dealkylierten Metaboliten metabolisiert.
- Norbuprenorphin ist ein μ-Opioidrezeptoragonist mit einer schwachen intrinsischen Aktivität.
Elimination
- Die Elimination von Buprenorphin verläuft mit einer langen terminalen Eliminationsphase von 20-25 Stunden bi- oder tri-exponentiell.
- Dies ist zum einen auf die Rückresorption von Buprenorphin nach der Hydrolyse des konjugierten Derivats im Darm und zum anderen auf den ausgeprägten lipophilen Charakter des Moleküls zurückzuführen.
- Buprenorphin wird nach biliärer Exkretion der glukuronidierten Metaboliten hauptsächlich (zu etwa 80%) über die Fäzes ausgeschieden, wobei der Rest renal eliminiert wird.
Dosierung
Vor Beginn sollte eine gemeinsame Festlegung von Behandlungszielen, -dauer und einem Plan für das Behandlungsende vereinbart werden.
Allgemeine Dosierungsrichtlinien
- Regelmäßige Überprüfung der Notwendigkeit der Behandlung, Möglichkeit des Absetzens oder Anpassung der Dosierung.
- Anpassung der Dosierung an die individuelle Schmerzstärke, Leidensdruck und Reaktion.
- Niedrigste, ausreichend schmerzlindernde Dosierung anstreben.
Anfangsdosis (Transdermale Pflaster, 4-Tage-Anwendung)
- Patienten ohne Vorbehandlung: 35 µg/h (niedrigste Stärke).
- Vorbehandlung mit Analgetika (WHO-Stufe I/II): 35 µg/h.
- Vorbehandlung mit starken Opioiden (WHO-Stufe III): Pflasterstärke entsprechend der vorherigen Analgetika-Anwendung wählen.
Dosistitration und Erhaltungsdosis
- Wechsel des Pflasters spätestens nach 96 Stunden.
- Bei unzureichender Wirkung Dosis erhöhen (max. zwei Pflaster gleichzeitig).
Zusätzliche Analgetikagabe
- Bei Schmerzspitzen: Alle 24 Stunden 0,2-0,4 mg Buprenorphin sublingual.
Anwendungsdauer
- Anwendung so kurz wie möglich.
- Bei längerfristiger Therapie regelmäßig überprüfen.
Substitutionstherapie bei Opioidabhängigkeit (sublinguale Applikation)
- Allgemeine Dosierungsrichtlinien: Anpassung der Dosis an Entzugssymptome.
- Niedrigst mögliche Erhaltungsdosis.
- Anfangsdosis: 2-4 mg täglich.
- Dosisanpassung und Erhaltungsdosis: Langsame Erhöhung der Dosis, max. 24 mg/Tag.
- Alternierende Gabe (2- oder 3-Tages-Intervall): Nach stabiler Erhaltungsdosis doppelte oder dreifache Tagesdosis.
Weitere Hinweise
- Zeichen einer Überdosierung: Konzentrationsschwäche, Schläfrigkeit, Schwindel.
- Buprenorphin-Entzug: Entzugssymptome bei zu niedriger Dosis.
- Dosisreduktion: Langsame Reduzierung der Dosis nach Stabilisation.
- Umstellung auf Depot-Injektion: Direkt auf Depot-Injektion umstellen, beginnend am Tag nach der letzten sublingualen Dosis.
Nebenwirkungen
µ-Opioidrezeptoren befinden sich nicht nur im ZNS, sondern auch in der Peripherie, weshalb die Nebenwirkungen der Opioide in der Regel vom pharmakologischen Wirkmechanismus abzuleiten sind.
Die häufigsten Nebenwirkungen unter einer Therapie mit Buprenorphin umfassen:
- Übelkeit und Erbrechen
- Obstipation
- Schwindel und Kopfschmerzen
- Schlaflosigkeit
- Schwitzen
- Asthenie
- Entzugssyndrom
- Angstgefühl
- Juckreiz
- Arzneimittelabhängigkeit
Wie auch bei anderen Opioiden sind Atemdepressionen möglich, die potenziell schwerwiegend sein können (insbesondere bei gleichzeitiger Anwendung von Benzodiazepinen).
Das Auftreten von Obstipationen sollte ebenfalls nicht vernachlässigt werden, denn Opioid-induzierte Obstipationen können in einem Laxanzienabusus münden (Circulus vitiosus Laxanzien).
Wechselwirkungen
Bei der gleichzeitigen Anwendung von Buprenorphin mit folgenden Substanzen ist Vorsicht geboten:
- Alkohol: Alkohol verstärkt die sedative Wirkung von Buprenorphin.
- Benzodiazepine: Benzodiazepine können eine zentral ausgelöste Atemdepression verstärken und zu Lebensgefahr führen.
- Weitere zentral dämpfende Wirkstoffe wie andere Opioide (Analgetika und Antitussiva), bestimmte Antidepressiva, sedative H1-Rezeptorantagonisten, Barbiturate, Anxiolytika, Neuroleptika, Clonidin und verwandte Substanzen: Die Kombination mit Buprenorphin verstärkt die zentral dämpfende Wirkung.
- Serotonerge Arzneimittel wie MAO-Hemmer, selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) oder trizyklische Antidepressiva: Die Kombination mit Buprenorphin erhöht das Risiko eines Serotoninsyndroms, das potenziell lebensbedrohlich sein kann.
- MAO-Hemmer: Ausgehend von der Erfahrung mit Morphin ist eine Wirkungssteigerung von Buprenorphin möglich.
- CYP3A4-Inhibitoren bzw. -Induktoren: CYP3A4-Inhibitoren können die Wirksamkeit von Buprenorphin verstärken, wohingegen CYP3A4-Induktoren die Wirksamkeit von Buprenorphin verringern können.
- Gabapentinoide: Kombination mit Gabapentin oder Pregabalin kann schwere Nebenwirkungen wie Atemdepression, Sedierung oder Tod verursachen.
- Anticholinergika: Verstärkt anticholinerge Nebenwirkungen wie Verwirrtheit, Mundtrockenheit oder Harnverhalt.
Kontraindikationen
Buprenorphin ist kontraindiziert bei:
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder sonstige Bestandteile des Arzneimittels
- Schwerer respiratorische Insuffizienz
- Schwerer Leberinsuffizienz
- Akutem Alkoholismus oder Delirium tremens
- Schweren Kopfverletzungen und erhöhtem Hirndruck wegen der atemdepressiven Wirkung von Opioiden und der Gefahr einer weiteren Erhöhung des zerebrospinalen Drucks
- Behandlung mit MAO-Hemmern
Schwangerschaft
Es liegen keine hinreichenden Daten für eine Verwendung von Buprenorphin bei Schwangeren vor. Tierexperimentelle Studien haben eine Reproduktionstoxizität gezeigt, wobei das potenzielle Risiko für den Menschen unbekannt ist.
Eine längerfristige Anwendung während der Schwangerschaft kann zur Gewöhnung und Abhängigkeit auch beim Kind sowie nach der Geburt zu Entzugserscheinungen beim Neugeborenen führen.
Gegen Ende der Schwangerschaft können hohe Dosen auch nach kurzer Anwendungsdauer eine Atemdepression beim Neugeborenen hervorrufen (diese Effekte wurden im Rahmen von Untersuchungen zur Substitutionstherapie bei Schwangeren beobachtet).
Buprenorphin zur Substitution darf während der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn es nach sorgfältiger Nutzen/Risiko-Analyse unbedingt erforderlich erscheint. Dabei muss eine engmaschige Überwachung der Schwangeren und des Fetus durch den Arzt erfolgen.
Stillzeit
Buprenorphin und seine Metabolite werden in die Muttermilch ausgeschieden. Zudem haben Studien an Ratten gezeigt, dass Buprenorphin die Laktation hemmen kann. Die Anwendung während der Stillzeit ist zu vermeiden.
Verkehrstüchtigkeit
Da die Anwendung von Buprenorphin Müdigkeit, Benommenheit, Schwindel und Entzugssymptome hervorrufen kann, sollten die Patienten kein Fahrzeug führen oder Maschinen bedienen, solange sie sich nicht auf eine Dosis stabilisiert haben. Nach Erreichen einer stabilen Dosis kann der Arzt darüber entscheiden, ob der Patient ein Fahrzeug führen oder eine Maschine bedienen kann.
Anwendungshinweise
Atemdepression
- Es wurden einige Todesfälle infolge einer Atemdepression beschrieben, insbesondere bei kombinierter Anwendung mit Benzodiazepinen oder wenn Buprenorphin nicht gemäß der Fach-/Gebrauchsinformation angewendet wurde.
- Sollte im Einzelfall im Rahmen der ärztlichen Therapiefreiheit eine Benzodiazepinbehandlung für indiziert gehalten werden, muss eine individuelle Dosiseinstellung vorgenommen und der Patient sorgfältig überwacht werden.
- Das Risiko des Arzneimittelmissbrauchs ist in Betracht zu ziehen.
Schlafbezogene Atmungsstörungen
- Opioide können schlafbezogene Atmungsstörungen einschließlich zentraler Schlafapnoe und schlafbezogener Hypoxämie verursachen.
- Die Anwendung von Opioiden geht mit einer dosisabhängigen Erhöhung des Risikos für eine zentrale Schlafapnoe einher.
- Bei Patienten mit zentraler Schlafapnoe sollte eine Verringerung der Opioidgesamtdosis in Betracht gezogen werden.
Hepatitis und hepatische Ereignisse
- Unter Buprenorphin wurden Lebernekrosen und Hepatitiden mit Ikterus beschrieben (die Ursache konnte nicht eindeutig festgestellt werden).
- Bei Verdacht auf ein hepatisches Ereignis und ungeklärter Ursache ist eine weitergehende Untersuchung erforderlich.
- Besteht der Verdacht, dass Buprenorphin die Ursache für die Lebernekrose oder den Ikterus darstellt, muss das Präparat entsprechend dem klinischen Zustand des Patienten so schnell wie möglich abgesetzt werden.
- Wird die Therapie fortgesetzt, ist die Leberfunktion zu überwachen.
- Schwerwiegende Fälle von akuten Leberschäden wurden auch im Zusammenhang mit nicht bestimmungsgemäßem Gebrauch berichtet, insbesondere wenn Buprenorphin i.v. injiziert wurde (sie wurden hauptsächlich bei den hohen Dosierungen beobachtet und können durch virale Infektionen, insbesondere chronische Hepatitis C, Alkoholmissbrauch, Anorexie und den gleichzeitigen Gebrauch anderer potenziell hepatotoxischer Substanzen begünstigt werden).
Entzugssymptome
- Vor Beginn der Behandlung mit Buprenorphin sollte das partiell agonistische Wirkungsprofil von Buprenorphin bekannt sein.
- Buprenorphin bindet an μ- und κ-Opioidrezeptoren und kann Opioid-Entzugssymptome hervorrufen, wenn es einem Suchtpatienten weniger als 4 Stunden nach der letzten Anwendung des Opioids verabreicht wird.
Zentral dämpfende Wirkung
- Während der Behandlung mit Buprenorphin dürfen keine alkoholischen Getränke oder alkoholhaltigen Arzneimittel eingenommen werde.
- Die gleichzeitige Anwendung von zentral dämpfenden Arzneimitteln wie anderen Opioiden (Analgetika und Antitussiva), bestimmten Antidepressiva, sedativen H1-Rezeptorantagonisten, Barbituraten, Anxiolytika, Neuroleptika, Clonidin und verwandten Substanzen erfordert ärztliche Überwachung.
Serotoninsyndrom
- Die gleichzeitige Anwendung von Buprenorphin mit anderen serotonergen Arzneimitteln wie MAO-Hemmern, SSRI, SNRI oder trizyklischen Antidepressiva kann zu einem Serotoninsyndrom führen.
- Wenn eine gleichzeitige Behandlung mit anderen serotonergen Arzneimitteln klinisch angezeigt ist, wird eine sorgfältige Beobachtung des Patienten empfohlen, insbesondere bei Behandlungsbeginn und Dosiserhöhungen.
- Die Symptome des Serotoninsyndroms umfassen unter anderem Veränderungen des Gemütszustandes, autonome Instabilität, neuromuskuläre Auffälligkeiten und/oder gastrointestinale Symptome.
- Wenn ein Serotoninsyndrom vermutet wird, sind je nach der Schwere der Symptome eine Dosisverringerung oder das Absetzen der Behandlung in Erwägung zu ziehen.
Klasseneffekte der Opioide
- Opioide können orthostatische Hypotonie verursachen.
- Opioide können zu einem erhöhten Liquordruck führen, der Krampfanfälle verursachen kann (daher sollten Opioide bei Patienten mit Kopfverletzungen, intrakraniellen Läsionen, anderen Zuständen mit möglicher Erhöhung des Liquordrucks oder Krampfanfällen in der Vorgeschichte mit Vorsicht angewendet werden).
- Vorsicht ist geboten, wenn Opioide bei Patienten mit Hypotonie, Prostatahypertrophie oder Urethralstenose angewendet werden.
- Eine durch Opioide verursachte Miosis, Veränderungen des Bewusstseinszustands oder Veränderungen der Schmerzwahrnehmung als Symptom einer Krankheit können die Patientenbeurteilung beeinträchtigen und die Diagnose oder den klinischen Verlauf einer Begleiterkrankung verschleiern.
- Opioide sollten bei Patienten mit Myxödem, Hypothyreose oder Nebenniereninsuffizienz (z.B. Morbus Addison) mit Vorsicht angewendet werden.
- Es hat sich gezeigt, dass Opioide den Druck im Gallengang erhöhen und bei Patienten mit Dysfunktion der Gallenwege mit Vorsicht angewendet werden sollten.
Kardiale Risiken
- Eine besonders sorgfältige ärztliche Überwachung ist erforderlich bei Patienten mit bekannter oder vermuteter EKG-Veränderung (Verlängerung des QT-Intervalls) oder Elektrolyt-Ungleichgewicht, insbesondere Kaliummangel (Hypokaliämie), klinisch signifikanter Verlangsamung der Herzfrequenz (Bradykardie) und Behandlung mit bestimmten Arzneimitteln gegen Herzrhythmusstörungen (Antiarrhythmika der Klasse I und III).
- Klinische Studien haben Hinweise erbracht, dass unter reinen μ-Opioidrezeptoragonisten sehr häufig eine Verlängerung des QT-Intervalls auftritt und folglich ein Risiko des Auftretens von polymorpher ventrikulärer Tachykardie (Torsade de Pointes) besteht.
- Bei der Behandlung mit Buprenorphin, einem partiellen μ-Opioidrezeptoragonisten, trat in klinischen Studien häufig eine Verlängerung des QT-Intervalls auf, deren Kausalität nicht eindeutig geklärt werden konnte.
- Bei Patienten, bei denen die potenziellen Vorteile einer Buprenorphinbehandlung das Tachykardierisiko übersteigen, sollte vor Therapieeinleitung und nach zwei Behandlungswochen ein EKG abgeleitet werden, um die Wirkung von Buprenorphin auf das QT-Intervall nachzuweisen und zu quantifizieren.
- Entsprechend ist auch vor und nach einer Erhöhung der Dosis die Durchführung eines EKGs angeraten.
Wechselwirkungen mit Gabapentioden
- Die gleichzeitige Einnahme von Gabapentinoiden wie Gabapentin oder Pregabalin kann schwerwiegende Nebenwirkungen verursachen, darunter Atemdepression, niedrigen Blutdruck, starke Sedierung, Koma oder sogar Tod. Daher ist bei der Kombination dieser Medikamente äußerste Vorsicht geboten.
Kombination mit Anticholinergika
- Die gleichzeitige Anwendung von Arzneimitteln mit anticholinerger Wirkung, wie trizyklischen Antidepressiva, Antihistaminika, Antipsychotika, Muskelrelaxantien oder Antiparkinson-Medikamenten, kann die anticholinergen Nebenwirkungen verstärken. Dies kann zu Verwirrtheit, Mundtrockenheit, Verstopfung, Harnverhalt sowie kognitiven Beeinträchtigungen und Halluzinationen führen.
Toleranz und Opioidgebrauchsstörung (Missbrauch und Abhängigkeit)
- Wiederholte Anwendung von Buprenorphin kann zu Toleranz, physischer und psychischer Abhängigkeit sowie einer Opioidgebrauchsstörung führen. Das Risiko steigt mit höherer Dosierung und längerer Behandlungsdauer.
- Unsachgemäße Anwendung kann zu Überdosierung, schwerwiegenden Nebenwirkungen oder sogar zum Tod führen.
- Besonders gefährdet sind Patienten mit persönlicher oder familiärer Vorgeschichte einer Substanzgebrauchsstörung (einschließlich Alkoholmissbrauch), Patienten mit psychischen Erkrankungen (z. B. Depressionen, Angst- oder Persönlichkeitsstörungen), Raucher.
- Vor Beginn und während der Therapie sollten Patienten über Risiken, Anzeichen und Symptome einer Opioidgebrauchsstörung informiert werden
- Vereinbarung von Behandlungszielen und einem Plan für das Therapieende.
- Patienten sollen bei Anzeichen einer Opioidgebrauchsstörung ihren Arzt informieren.
- Gleichzeitige Anwendung von Opioiden und Psychopharmaka (z. B. Benzodiazepinen) überprüfen.
- Bei Anzeichen einer Opioidgebrauchsstörung kann die Hinzuziehung eines Suchtspezialisten sinnvoll sein.
Alternativen
In Abhängigkeit vom Indikationsgebiet und patientenindividuellen Faktoren bieten sich unterschiedliche Wirkstoffe als Alternativen an.
Schmerzbehandlung:
- Andere Opioid-Analgetika wie Morphin, Tramadol oder Oxycodon
- Nicht-Opioid-Analgetika wie NSAR, Paracetamol oder Metamizol
- Co-Analgetika wie bestimmte Antidepressiva (Amitriptylin) oder Antikonvulsiva (Gabapentin, Pregabalin)
- Lokalanästhetika wie Lidocain
- Capsaicin
- Cannabinoide
- Ziconotid
Substitutionstherapie bei Opioidabhängigkeit:
- Methadon oder Levomethadon
- Codein oder Dihydrocodein
- Diamorphin
Weitere Informationen sind der jeweiligen Fachinformation zu entnehmen.
Wirkstoff-Informationen
- Glenmark: Fachinformation
- Neuraxpharm: Fachinformation
- Reckitt Benckiser: Fachinformation SUBUTEX®
- EMA: Buvidal
- Freissmuth et al., Pharmakologie und Toxikologie, 2020, Springer
- Mutschler et al., Mutschler Arzneimittelwirkungen, 2019, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart
- Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV)
- Umsetzung des Durchführungsbeschlusses der Europäischen Kommission zum PSUR Single Assessment betreffend die Zulassungen für Humanarzneimittel mit dem Wirkstoff Buprenorphin (alle Darreichungsformen außer Implantat) vom 26.07.2024, abgerufen am 28.01.2025
Abbildung:
Anika Mifka adapted from Mutschler Arzneimittelwirkungen, 11. Auflage (S. 273); Marcianò et al. (2023): The Pharmacological Treatment of Chronic Pain: From Guidelines to Daily Clinical Practice. Pharmaceutics, DOI: https://doi.org/10.3390/pharmaceutics15041165; https://www.swisseduc.ch/chemie/molekularium/proteine_op/mu_opioid/b/index.html
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Buprenorphin Aristo 7 Tage 40 Mikrogramm/Stunde transdermales Pflaster
Aristo Pharma GmbH
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Buprenorphin Aristo® 35 Mikrogramm/Stunde transdermales Pflaster, 4 Tage
Aristo Pharma GmbH
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Buprenorphin Aristo® 52,5 Mikrogramm/Stunde transdermales Pflaster, 4 Tage
Aristo Pharma GmbH
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Buprenorphin Aristo® 70 Mikrogramm/Stunde transdermales Pflaster, 4 Tage
Aristo Pharma GmbH
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Buprenorphin AWD® Matrix 35 Mikrogramm/h Transdermales Pflaster, (3 Tage)
Teva GmbH
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Buprenorphin AWD® Matrix 52,5 Mikrogramm/h Transdermales Pflaster, (3 Tage)
Teva GmbH
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Buprenorphin AWD® Matrix 70 Mikrogramm/h Transdermales Pflaster, (3 Tage)
Teva GmbH
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Buprenorphin axunio 5 Mikrogramm/Stunde Transdermales Pflaster; 7 Tage
axunio Pharma GmbH
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Buprenorphin axunio 10 Mikrogramm/Stunde Transdermales Pflaster; 7 Tage
axunio Pharma GmbH
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Buprenorphin axunio 20 Mikrogramm/Stunde Transdermales Pflaster; 7 Tage
axunio Pharma GmbH
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Buprenorphin axunio 35 Mikrogramm/Stunde Transdermales Pflaster; 4 Tage
axunio Pharma GmbH
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Buprenorphin axunio 52,5 Mikrogramm/Stunde Transdermales Pflaster; 4 Tage
axunio Pharma GmbH
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Buprenorphin axunio 70 Mikrogramm/Stunde Transdermales Pflaster; 4 Tage
axunio Pharma GmbH
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Buprenorphin beta 35 Mikrogramm/Stunde transdermales Pflaster, 4 Tage
betapharm Arzneimittel GmbH
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Buprenorphin beta 52,5 Mikrogramm/Stunde transdermales Pflaster, 4 Tage
betapharm Arzneimittel GmbH
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Buprenorphin beta 70 Mikrogramm/Stunde transdermales Pflaster, 4 Tage
betapharm Arzneimittel GmbH
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Buprenorphin dura 2 mg Sublingualtabletten
Viatris Healthcare GmbH
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Buprenorphin dura 8 mg Sublingualtabletten
Viatris Healthcare GmbH
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Buprenorphin Ethypharm 0,4 mg Sublingualtabletten
Ethypharm GmbH
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Buprenorphin Ethypharm 2 mg Sublingualtabletten
Ethypharm GmbH
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Buprenorphin Ethypharm 8 mg Sublingualtabletten
Ethypharm GmbH
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Buprenorphin Glenmark 7 Tage 5 Mikrogramm/Stunde transdermales Pflaster
Glenmark Arzneimittel GmbH
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Buprenorphin Glenmark 7 Tage 10 Mikrogramm/Stunde transdermales Pflaster
Glenmark Arzneimittel GmbH
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Buprenorphin Glenmark 7 Tage 20 Mikrogramm/Stunde transdermales Pflaster
Glenmark Arzneimittel GmbH
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Buprenorphin Glenmark 35 Mikrogramm/Stunde transdermales Pflaster, 4 Tage
Glenmark Arzneimittel GmbH
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Buprenorphin Glenmark 52,5 Mikrogramm/Stunde transdermales Pflaster, 4 Tage
Glenmark Arzneimittel GmbH
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Buprenorphin Glenmark 70 Mikrogramm/Stunde transdermales Pflaster, 4 Tage
Glenmark Arzneimittel GmbH
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Buprenorphin-HEXAL® sublingual 0,2 mg Sublingualtabletten
Hexal AG
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Buprenorphin-HEXAL® sublingual 0,4 mg Sublingualtabletten
Hexal AG
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Buprenorphin Libra-Pharm 3 Tage 35 Mikrogramm/Stunde transdermales Pflaster
Libra-Pharm GmbH
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Buprenorphin Libra-Pharm 3 Tage 52,5 Mikrogramm/Stunde transdermales Pflaster
Libra-Pharm GmbH
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Buprenorphin Libra-Pharm 3 Tage 70 Mikrogramm/Stunde transdermales Pflaster
Libra-Pharm GmbH
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Buprenorphin Libra-Pharm® 4 Tage 35 Mikrogramm/Stunde, transdermales Pflaster
Libra-Pharm GmbH
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Buprenorphin Libra-Pharm® 4 Tage 52,5 Mikrogramm/Stunde, transdermales Pflaster
Libra-Pharm GmbH
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Buprenorphin Libra-Pharm® 4 Tage 70 Mikrogramm/Stunde, transdermales Pflaster
Libra-Pharm GmbH
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Buprenorphin Libra-Pharm® 7 Tage 5 Mikrogramm/Stunde transdermales Pflaster
Libra-Pharm GmbH
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Buprenorphin Libra-Pharm® 7 Tage 10 Mikrogramm/Stunde transdermales Pflaster
Libra-Pharm GmbH
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Buprenorphin Libra-Pharm® 7 Tage 20 Mikrogramm/Stunde transdermales Pflaster
Libra-Pharm GmbH
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Buprenorphin Mylan 7 Tage 5 Mikrogramm/Stunde Allomedic transdermales Pflaster
Allomedic GmbH
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Buprenorphin Mylan 7 Tage 10 Mikrogramm/Stunde Allomedic transdermales Pflaster
Allomedic GmbH
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Buprenorphin Mylan 7 Tage 20 Mikrogramm/Stunde Allomedic transdermales Pflaster
Allomedic GmbH
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Buprenorphin-neuraxpharm 0,4 mg Sublingualtabletten
neuraxpharm Arzneimittel GmbH
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Buprenorphin-neuraxpharm 2 mg Sublingualtabletten
neuraxpharm Arzneimittel GmbH
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Buprenorphin-neuraxpharm 8 mg Sublingualtabletten
neuraxpharm Arzneimittel GmbH
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Buprenorphin PUREN 0,4 mg Sublingualtabletten
PUREN Pharma GmbH & Co. KG
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Buprenorphin PUREN 2 mg Sublingualtabletten
PUREN Pharma GmbH & Co. KG
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Buprenorphin PUREN 8 mg Sublingualtabletten
PUREN Pharma GmbH & Co. KG
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Buprenorphin-ratiopharm® 35 Mikrogramm/h Transdermales Pflaster, (3 Tage)
ratiopharm GmbH
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Buprenorphin-ratiopharm® 52,5 Mikrogramm/h Transdermales Pflaster, (3 Tage)
ratiopharm GmbH
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Buprenorphin-ratiopharm® 70 Mikrogramm/h Transdermales Pflaster, (3 Tage)
ratiopharm GmbH










