Nintedanib
Nintedanib ist ein Tyrosinkinase-Inhibitor, der die Fibroblastenwachstumsfaktor-Rezeptoren, Vascular endothelial growth factor-Rezeptoren und Platelet-derived growth factor-Rezeptoren hemmt. Es wird zur Behandlung der idiopathischen Lungenfibrose (IPF) und des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) eingesetzt.
Nintedanib: Übersicht

Anwendung
Nintedanib (Ofev) wird angewendet bei Erwachsenen zur Behandlung:
- der idiopathischen Lungenfibrose (IPF)
- anderer chronischer progredient fibrosierender interstitieller Lungenerkrankungen (ILDs)
- einer interstitiellen Lungenerkrankung bei systemischer Sklerose (SSc-ILD)
Darüber hinaus wird Nintedanib (Vargatef) in Kombination mit Docetaxel zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit lokal fortgeschrittenem, metastasiertem oder lokal rezidiviertem nicht-kleinzelligen
Lungenkarzinom (NSCLC) mit Adenokarzinom-Histologie nach Erstlinienchemotherapie angewendet.
Wirkmechanismus
Nintedanib ist ein Tyrosinkinase-Inhibitor, der die Aktivität von verschiedenen Rezeptoren hemmt, die an der Entstehung und Progression von Krebs beteiligt sind. Es hemmt insbesondere die Rezeptoren von VEGF, FGF und PDGF, welche eine wichtige Rolle bei der Bildung von Blutgefäßen spielen und somit das Wachstum von Tumoren unterstützen. Durch die Hemmung dieser Rezeptoren kann Nintedanib das Wachstum von Tumorzellen und Tumorgefäßen reduzieren.
Dosierung
IPF, ILDs, SSc-ILD
- Die empfohlene Dosis beträgt 150 mg Nintedanib zweimal täglich.
- Die Einnahme sollte im Abstand von ca. 12 Stunden erfolgen.
- Eine Dosis von 100 mg zweimal täglich wird nur bei Patienten empfohlen, die die höhere Dosis nicht tolerieren.
- Bei versäumter Einnahme sollte die nächste Einnahme zum geplanten Zeitpunkt mit der empfohlenen Dosis fortgesetzt werden.
- Die empfohlene maximale Tagesdosis von 300 mg sollte nicht überschritten werden.
- Nebenwirkungen können durch Dosisreduktion oder Therapieunterbrechung behandelt werden.
- Eine Therapie mit reduzierter Dosis oder voller Dosis kann nach Abklingen der Nebenwirkungen wieder aufgenommen werden.
- Bei schweren anhaltenden Nebenwirkungen wie Diarrhoe, Übelkeit und/oder Erbrechen sollte die Therapie abgebrochen werden.
- Bei Unterbrechungen aufgrund von Leberwert-Erhöhungen kann die Behandlung nach Rückgang der Werte mit einer reduzierten Dosis wiederaufgenommen und anschließend auf die volle Dosis erhöht werden.
NSCLC
- Die empfohlene Dosis beträgt 200 mg Nintedanib zweimal täglich an den Tagen 2 bis 21 eines 21-tägigen Standardbehandlungszyklus mit Docetaxel.
- Nintedanib darf nicht am selben Tag der Anwendung der Chemotherapie mit Docetaxel (= Tag 1) eingenommen werden.
- Die maximale Tagesdosis von 400 mg sollte nicht überschritten werden, und es sollte vermieden werden, versäumte Dosen auszugleichen.
- Wenn eine Einnahme vergessen wird, sollte die Einnahme zum nächsten geplanten Zeitpunkt fortgesetzt werden.
Nebenwirkungen
Bei der Anwendung von Nintedanib wurden in klinischen Studien und nach Markteinführung häufig Nebenwirkungen wie Durchfall, Übelkeit und Erbrechen, Bauchschmerzen, Appetitverlust, Gewichtsverlust sowie eine Erhöhung der Leberenzyme berichtet.
Wechselwirkungen
Bei der Anwendung von Nintedanib sind folgende Wechselwirkungen möglich:
- P-gp-Inhibitoren wie Ketoconazol können die Plasmaspiegel von Nintedanib erhöhen. In einer Studie wurde eine Erhöhung auf das 1,61-Fache bezüglich der AUC und auf das 1,83-Fache bezüglich Cmax beobachtet.
- P-gp-Induktoren wie Rifampicin können die Plasmaspiegel von Nintedanib reduzieren. In einer Studie wurden die Plasmaspiegel von Nintedanib auf 50,3% bezogen auf die AUC und auf 60,3% bezogen auf Cmax reduziert.
- Cytochrom (CYP)-Enzyme: Nintedanib wird nur minimal über CYP-Stoffwechselwege biotransformiert und zeigte in präklinischen Studien keine Inhibition oder Induktion von CYP-Enzymen.
- Die Verabreichung von Nintedanib zusammen mit oralen hormonellen Kontrazeptiva oder Bosentan zeigte in Studien keinen signifikanten Einfluss auf die Pharmakokinetik dieser Medikamente.
Schwangerschaft
Es existieren bislang keine dokumentierten Erfahrungen bezüglich der Anwendung von Nintedanib bei schwangeren Frauen. In präklinischen, tierexperimentellen Untersuchungen wurde eine Reproduktionstoxizität von Nintedanib festgestellt. In Anbetracht der Möglichkeit, dass Nintedanib auch beim Menschen fetotoxisch wirken kann, ist eine Anwendung während der Schwangerschaft kontraindiziert. Vor Initiierung einer Therapie ist ein Schwangerschaftstest durchzuführen, welcher im Verlauf der Behandlung nach Bedarf wiederholt werden sollte.
Stillzeit
Es liegen keine Daten vor, die Aufschluss darüber geben, ob Nintedanib und seine Metabolite in die menschliche Muttermilch übergehen. Präklinische Daten weisen darauf hin, dass geringe Mengen von Nintedanib und seinen Metaboliten (≤ 0,5% der verabreichten Dosis) in die Milch säugender Ratten übertragen wurden. Daher kann ein Risiko für Neugeborene oder Säuglinge nicht ausgeschlossen werden. Während der Behandlung sollte deshalb das Stillen unterbrochen werden.
Verkehrstüchtigkeit
Nintedanib kann die Verkehrstüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen geringfügig beeinträchtigen. Patienten sollten darauf hingewiesen werden, während der Behandlung vorsichtig zu sein, wenn sie ein Fahrzeug fahren oder Maschinen bedienen müssen.
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