Glaukom (Grüner Star) Kompakt

Das Glaukom ist nach der altersbedingten Makuladegeneration die zweithäufigste Ursache für Erblindung in Deutschland.

Glaukom-GLO

Definition

  • Pathophysiologisch heterogenes Krankheitsbild.
  • Verlauf kann akut oder chronisch sein.
  • Chronisch progredient: charakteristische Optikusneuropathie, irreversible Sehnervenfaserverluste, Exkavation des Sehnervenkopfes.
  • Subtypen:
    • Primäres chronisches Offenwinkelglaukom (POWG),
    • Normaldruckglaukom,
    • Okuläre Hypertension (> 21 mmHg, aber ohne Sehnerv- oder Gesichtsfeldschaden),
    • Sekundäres Glaukom (Folge von Vorerkrankung, Eingriff, Trauma, Arzneimittel),
    • Kongenitales Glaukom (selten, entwicklungsbedingt).

Epidemiologie

  • Zweithäufigste Ursache für Erblindung in Deutschland.
  • Ca. 800.000 Betroffene, davon ca. 80.000 mit hohem Erblindungsrisiko.
  • Inzidenz: 0,5–1,5 % Neuerkrankungen (40–80 Jahre) innerhalb von 5 Jahren.
  • Prävalenz Europa: 2,93 % (40–80 Jahre), überwiegend Offenwinkelglaukom.
  • Altersabhängigkeit: 75–89 Jahre → 3,8 % mit Sehnervschaden, 7,6 % diagnostiziertes Glaukom.
  • Deutschland: ca. 10 % der > 40-Jährigen mit Risiko für erhöhten Augeninnendruck.

Ursachen

  • Akut: Flache Vorderkammer und Mydriasis führen zu einem mechanischen Winkelblock.
  • Chronisch: Ätiologie unbekannt.

Risikofaktoren

  • Alter > 40 J.
  • Männer (1,3-fach erhöhtes Risiko)
  • Familiäre Belastung (2–3-fach erhöhtes Risiko)
  • Erhöhter Augeninnendruck ≥ 24 mmHg
  • Myopie ab –4 dpt (2–3-fach Risiko)
  • Ethnizität: dunkle Hautfarbe, lateinamerikanische Herkunft
  • Pseudoexfoliation (4–6-fach Risiko)
  • Steroidtherapie (langfristig)
  • Papillenanomalien (CDR ≥ 0,6 oder Seitendifferenz ≥ 0,2–0,3)

Prävention / Screening

  • Ab 40 J. empfohlen (Papilleninspektion + Augeninnendruckmessung).
  • Intervalle abhängig von Alter & Risikofaktoren:
    • Ohne Risikofaktoren: ab 40 J. alle 5 J.; ab 60 J. alle 2–3 J.
    • Mit Risikofaktor: ab 40 J. alle 2–3 J.; ab 60 J. jährlich.
    • Mit ≥ 2 Risikofaktoren: jährlich (unabhängig vom Alter).
    • Sonderfälle (Pseudoexfoliation, okuläre Hypertension > 25 mmHg): jährlich.

Pathogenese

  • Offenwinkelglaukom (90 %): Ursache unbekannt.
  • Sekundär: Verlegung des Trabekelwerks (z. B. durch Entzündungszellen, Pseudoexfoliat).
  • Winkelblockglaukom: mechanische Verlegung durch Irisbasis, oft verstärkt durch Mydriasis → akuter Notfall.
  • Kongenital: persistierendes embryonales Gewebe oder unvollständige Trabekelanlage.

Symptome

  • Akut: starke Augen- und Kopfschmerzen, trigeminale Ausstrahlung, Visusverlust, rotes Auge, harter Bulbus, entrundete mittelweite Pupille.
  • Chronisch: asymptomatisch im Frühstadium, später Gesichtsfeldausfälle; unspezifisch Kopfschmerzen, Brennen, Rötung.
  • Kongenital: Buphthalmus, Hornhauttrübung, Photophobie, Tränensekretion.

Diagnostik

  • Anamnese (Risikofaktoren, Komorbiditäten, Medikation)
  • Augenuntersuchung: Sehschärfe, Spaltlampe, Papillen- und Nervenfaserbeurteilung
  • Perimetrie (schwellenbestimmend), ggf. auch kinetisch
  • Tonometrie zu verschiedenen Tageszeiten
  • Gonioskopie
  • Zusatzverfahren: Papillenfotografie, RNFL-Fotografie, Pachymetrie, Muster-ERG/VEP

Therapie

  • Akutes Glaukom: Notfall → initial medikamentös (Parasympathomimetika, Carboanhydrasehemmer, Mannit), anschließend operativ (z.B. Iridektomie).
  • Chronisches Glaukom: Ziel = Verhinderung von Sehnervschaden.
    • Augeninnendrucksenkung (20 % Reduktion, Ziel ≤ 20 mmHg, individuell anpassen)
    • Risikofaktor-Management (z.B. Blutdruckkontrolle)
    • Medikamente (lokal):
         - Betablocker (verringern die Produktion von Kammerwasser)
         - Carboanhydrasehemmer (verringern die Produktion von Kammerwasser)
         - Parasympathomimetika (erhöhen den Abfluss des Kammerwassers)
         - Prostaglandine/Prostanoide (erhöhen den Abfluss des Kammerwassers)
         - Sympathomimetika (reduzieren sowohl die Produktion von Kammerwasser und erhöhen zugleich den Abfluss)
    • Bei Therapieversagen: Laser (z.B. Trabekuloplastik) oder Operation (Trabekulektomie, Trabekulotomie, Ziliarkörperablation).

Prognose

  • 5 % der Patienten mit > 21 mmHg entwickeln innerhalb von 5 Jahren ein manifestes Glaukom (ohne Therapie bis 9,5 %).
  • Risikofaktoren für Progression: hohes Alter, IOD > 26 mmHg, große CDR, hohe PSD, zentrale Hornhautdicke < 556 μm.
  • Augeninnendruckspitzen und -schwankungen beschleunigen die Gesichtsfeldeinengung.
  • Mit effektiver Therapie: Erhalt des Sehvermögens bis zu 38 Jahre möglich.
  • Erblindungsrisiko trotz Therapie: 5 % (selten höher).

Prophylaxe

  • Keine primäre Prophylaxe bekannt.
  • Wichtig: frühe Diagnostik und Therapie, um Progression und Erblindung zu verhindern.

Hier geht’s zum Langtext: Glaukom (Grüner Star)

Autor:
Stand:
02.09.2025
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