Parasympathomimetika sind eine Gruppe von Wirkstoffen, die die Aktivität des parasympathischen Nervensystems stimulieren. Sie werden zur Behandlung verschiedener Erkrankungen wie Glaukom, Myasthenia gravis und Alzheimer eingesetzt und wirken durch direkte oder indirekte Aktivierung von Acetylcholin-Rezeptoren.
Parasympathomimetika werden in verschiedenen medizinischen Bereichen eingesetzt. Ihre Hauptanwendungen umfassen die Behandlung des Glaukoms, die Linderung der Symptome bei Myasthenia gravis und die Verbesserung kognitiver Funktionen bei Alzheimer-Demenz.
Wirkung
Direkte Parasympathomimetika
Direkte Parasympathomimetika binden direkt an die muskarinischen Acetylcholin-Rezeptoren (mAChR) und imitieren die Wirkung von Acetylcholin. Diese G-Protein-gekoppelten Rezeptoren sind in die Subtypen M1 bis M5 unterteilt, die unterschiedliche physiologische Effekte vermitteln.
M1-Rezeptoraktivierung:
Im Zentralnervensystem und Magen-Darm-Trakt, erhöhen intrazelluläres Calcium und aktivieren die Phospholipase C.
In exokrinen Drüsen und glatter Muskulatur, erhöhen intrazelluläres Calcium, was zu Muskelkontraktionen und Drüsensekretion führt.
Wirkstoffe: Pilocarpin, Carbachol
Indirekte Parasympathomimetika
Indirekte Parasympathomimetika erhöhen die Acetylcholin-Konzentration im synaptischen Spalt durch Hemmung der Acetylcholinesterase (AChE). Diese Hemmung kann reversibel oder irreversibel sein.
Reversible Acetylcholinesterase-Inhibitoren:
Binden temporär an AChE, verlangsamen die Hydrolyse von Acetylcholin.
Carbachol (subkutan): Vermehrte Schweiß-, Speichel- und Magensaftsekretion, Zunahme der Darmperistaltik, Bradykardie, Verschlechterung der Herzfunktion.
Pilocarpin (lokal, Auge): Mögliche systemische Wirkungen; können mit 0,5 – 1 mg Atropin intravenös beseitigt werden.
Indirekte Parasympathomimetika
Neostigmin: Ähnliche Nebenwirkungen wie Carbachol.
Physostigmin: Starke Hemmung der Herzfunktion und Erregung des Darmes.
Neostigmin (Quartäres Amin, nicht ZNS-gängig; Behandlung der Myasthenia gravis und zur Beendigung der Wirkung von nicht-depolarisierenden Muskelrelaxanzien)
Physostigmin (Tertiäres Amin, ZNS-gängig. Lokale Glaukom-Therapie, Therapie einiger zentraler Vergiftungen)
Aufgrund der möglichen Nebenwirkungen wie Bradykardie, Blutdruckabfall und Bronchokonstriktion ist eine engmaschige Überwachung der Patienten notwendig.
Lokale Anwendung
Pilocarpin und Carbachol (Auge): Bei der Behandlung von Glaukom kann es trotz lokaler Anwendung zu systemischen Wirkungen kommen. Eine mögliche systemische Reaktion kann durch die Gabe von Atropin intravenös (0,5 – 1 mg) neutralisiert werden.
Lüllmann, Heinz, Klaus Mohr, and Lutz Hein. Pharmakologie und Toxikologie: Arzneimittelwirkungen verstehen-Medikamente gezielt einsetzen. Georg Thieme Verlag
Abbildung
Anika Mifka adapted from "Alzheimer's Disease (AD) - Current Treatments" and "Anti-cholinesterases Mechanism of Action in Alzheimer's Disease (AD)" by BioRender.com