Myasthenia gravis Kompakt

Myasthenia gravis ist eine seltene Autoimmunerkrankung, die zu belastungsabhängiger Muskelschwäche führt.

Myasthenia gravis-GLO

Definition

  • Erworbene Autoimmunerkrankung, bei der Autoantikörper Acetylcholinrezeptoren blockieren oder zerstören.
  • Führt zu einer gestörten neuromuskulären Signalübertragung und abnormer Ermüdbarkeit der Muskulatur.

Ursachen

  • Autoantikörper gegen AChR-, MuSK- oder LRP4-Rezeptoren.
  • Häufige Thymusveränderungen: 85 % Hyperplasie, 10–15 % Thymom.
  • Assoziation zu anderen Autoimmunerkrankungen.
  • Genetische Prädispositionen (MHC-Subtypen).
  • Auslöser: Infektionen, Medikamente, Operationen, Traumata.
  • Ca. 15 % sind seronegativ.

Epidemiologie

  • Inzidenz: 0,2–3,5 pro 100.000/Jahr.
  • Prävalenz: 10–36 pro 100.000.
  • Early onset (20–40 J.): Frauen häufiger.
  • Late onset: etwas mehr Männer.
  • 80 % entwickeln ein ausgeprägtes Fatigue-Syndrom.

Pathophysiologie

  • Autoantikörper blockieren postsynaptische Acetylcholinrezeptoren.
  • Erregungsübertragung vom Nerv zum Muskel wird vermindert.
  • Langfristig Verlust von Rezeptoren durch Komplementaktivierung.
  • Ergebnis: belastungsabhängige Muskelermüdung.

Symptome

  • Belastungsabhängige Muskelschwäche
  • Doppelbilder, Ptosis
  • Schluck- und Kaustörungen, veränderte Phonation
  • Schwäche der Extremitäten
  • Verschlechterung im Tagesverlauf
  • Häufige Generalisierung okulärer Symptome

Komplikationen

Myasthene Krise:

  • Lebensbedrohliche Exazerbation mit Atemmuskelschwäche.
  • Auslöser v. a. Infektionen und Medikamente.
  • Therapie: Cholinesterasehemmer, Glukokortikoide, Plasmapherese/Immunadsorption, hochdosierte Immunglobuline.
  • Intensivmedizinische Überwachung erforderlich.

Therapie

  • Cholinesterasehemmer: Pyridostigmin Mittel der Wahl.
  • Alternativen: Ambenonium, Neostigmin, Distigmin.
  • Immunsuppressiva: Glukokortikoide + Azathioprin.
  • Akuttherapie: Intravenöse Immunglobuline oder Plasmapherese.
  • Thymektomie: Bei Thymom immer; bei generalisierter MG möglich; nicht bei MuSK-AK.

Prognose

  • 80–90 % generalisieren in 2–3 Jahren.
  • 75 % erreichen unter Therapie minimale Manifestation oder Remission.
  • Letalität der myasthenen Krise: 2–3 %.
  • Reaktivierungen jederzeit möglich.
  • 80 % entwickeln ein Fatigue-Syndrom.

Hinweise / Prophylaxe

  • Keine Primärprophylaxe.
  • Ruhepausen empfohlen, leichter Sport meist unproblematisch.
  • Infekte und Elektrolytentgleisungen vermeiden.
  • Myasthenie-Pass empfohlen.
  • Schwangerschaft: Risiko neonataler Myasthenie (10–20 %).

Hier geht’s zum Langtext: Myasthenia gravis

Autor:
Stand:
26.01.2026
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