Riesenzellarteriitis Kompakt

Die Riesenzellarteriitis (RZA), auch Arteriitis temporalis genannt, ist die häufigste systemische Vaskulitis bei Menschen über 50.

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Die granulomatöse Entzündung großer Arterien, besonders der A. temporalis, kann unbehandelt zur Erblindung führen. Frühzeitig erkannt, ist die Erkrankung gut behandelbar – insbesondere durch Glukokortikoide und IL-6-Inhibition.

Häufigkeit und Ursachen

RZA betrifft fast ausschließlich Menschen über 50, Frauen häufiger als Männer (Verhältnis bis 6:1). In Deutschland liegt die Inzidenz bei rund 44 Fällen pro Million. Die genauen Ursachen sind unklar, wahrscheinlich spielen genetische und Umweltfaktoren eine Rolle. Hinweise auf familiäre Häufung und HLA-Assoziationen unterstützen diese Annahme.

Pathogenese

Eine fehlgesteuerte T-Zell-Antwort führt zur Entzündung großer Gefäße. TH1- und TH17-Zellen setzen proinflammatorische Zytokine frei, was zur Gefäßwandverdickung und Lumeneinengung führt. Ischämische Komplikationen wie Sehverlust können die Folge sein.

Symptome

Typisch sind:

  • Kopfschmerzen,
  • Kiefer-Claudicatio,
  • Sehstörungen,
  • verdickte/druckschmerzhafte A. temporalis und
  • Polymyalgia rheumatica.

Häufig kommen Allgemeinsymptome wie Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust und weitere unspezifische Beschwerden hinzu.

Diagnostik

  • Klinik: Untersuchung der A. temporalis, Blutdruckvergleich beider Arme, Auskultation großer Gefäße
  • Labor: Erhöhte BSG und CRP fast immer nachweisbar
  • Bildgebung: Sonographie mit Halo-Zeichen, MRT oder PET-CT bei atypischem Verlauf
  • Biopsie: Bei unklarer Bildgebung weiterhin diagnostischer Goldstandard

Therapie

Sofortiger Beginn mit Glukokortikoiden ist essenziell:

  • Prednison 40–60 mg p.o./Tag (ohne Visusgefährdung)
  • Hochdosis i.v. bei drohendem Sehverlust
  • Langsames Ausschleichen über ≥12 Monate

Zur Rezidivprophylaxe:

Begleitend: Kardiovaskuläres Risikomanagement, Patientenschulung, Verlaufskontrollen.

Prognose

Mit schneller Therapie ist die Prognose gut. Ohne Behandlung droht bei 15-20 % Visusverlust. Die Mortalität ist meist nicht erhöht, außer bei Aortenbeteiligung. Tocilizumab kann die Langzeitkontrolle verbessern und Glukokortikoidnebenwirkungen verringern. Eine vollständige Heilung ist selten, eine stabile Remission jedoch erreichbar.

Besonderheiten

  • Okkulter Verlauf: Seltene Verläufe ohne typische Symptome – Risiko für späte ischämische Komplikationen.
  • Asymptomatische Großgefäßmanifestation: Aortenbefall häufig, oft klinisch stumm – erfordert gezielte Bildgebung.

Hier geht's zum Langtext Riesenzellarteriitis

Autor:
Stand:
21.08.2025
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