Hantavirus-Fälle in Bayern nehmen deutlich zu – Prävention besonders wichtig

In Bayern sind Hantavirus-Infektionen aktuell stark angestiegen. Besonders betroffen sind Regionen mit hoher Rötelmauspopulation. Hygienemaßnahmen bieten den besten Schutz.

Rötelmaus Hantavirus

Dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) wurden im laufenden Jahr bereits 27 Hantavirus-Fälle gemeldet – deutlich mehr als in den Vergleichszeiträumen der drei Vorjahre. Besonders betroffen sind Regionen wie der Bayerische Wald, aber auch Gebiete um Würzburg, Aschaffenburg und die Schwäbische Alb.

Die Häufigkeit der Erkrankungen schwankt stark von Jahr zu Jahr und hängt maßgeblich von der Populationsdichte der Rötelmaus ab, die als Hauptreservoir des in Bayern zirkulierenden Puumala-Orthohantavirus gilt.

Übertragung und Symptomatik: Was medizinisches Personal wissen muss

Die Übertragung erfolgt in der Regel durch das Einatmen kontaminierter Stäube, die mit Ausscheidungen infizierter Nagetiere belastet sind – insbesondere Urin, Kot und Speichel. Das Virus kann in der Umwelt über Wochen infektiös bleiben. Ein direkter Tierkontakt ist nicht erforderlich. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung wird nicht beobachtet.

Die Symptome reichen von asymptomatischen oder milden Verläufen bis hin zu hämorrhagischem Fieber mit renalem Syndrom (HFRS). Typisch sind Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, gefolgt von Nierenfunktionsstörungen bis zum akuten Nierenversagen. Eine spezifische antivirale Therapie existiert nicht.

Empfehlungen des RKI: Effektive Präventionsmaßnahmen im Alltag

Das Robert Koch-Institut (RKI) betont, dass insbesondere in bekannten Endemiegebieten und bei Tätigkeiten mit möglichem Kontakt zu Nagetieren konsequente Vorsichtsmaßnahmen erforderlich sind. Dazu gehören:

  • Vermeidung von Nagerkontakt: Nahrungsmittel in verschließbaren Behältern lagern, Essensreste nicht auf dem Kompost entsorgen, Zugänge zu Gebäuden sichern und Nistplätze wie Müll- oder Laubhaufen beseitigen.
  • Reinigungsarbeiten sicher gestalten: Räume vor dem Säubern gut lüften, bei sichtbarem Mäusebefall Gummihandschuhe und FFP3-Masken tragen, kontaminierte Flächen und evtl. vorhandene tote Tiere mit Reinigungsmittel besprühen, um Staubaufwirbelung zu vermeiden.
  • Hygienemaßnahmen nach Kontakt: Nach der Reinigung gründliches Duschen inklusive Haarwäsche sowie Wäschewechsel empfohlen.
  • Bekämpfung von Mäusen: Schlagfallen oder zugelassene Rodentizide fachgerecht und kindersicher einsetzen. Bei starkem Befall sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.
  • Sachgerechte Entsorgung: Tote Tiere und kontaminierte Materialien sind unter geeigneten Desinfektionsmaßnahmen sachgerecht zu entsorgen (siehe Infoblatt des LGL).

Hohes Risiko bei bestimmten Tätigkeiten und in der warmen Jahreszeit

Das Risiko für eine Hantavirus-Infektion ist zwischen April und September besonders hoch. Gefährdet sind Personen mit regelmäßigem Aufenthalt in Scheunen, Ställen, Schuppen oder bei Outdoor-Aktivitäten in betroffenen Regionen. Auch Forst- und Bauarbeiter, Jäger sowie Gartenbesitzer zählen zur Risikogruppe.

Angesichts des aktuellen Anstiegs sollten medizinische Fachkräfte bei entsprechenden Symptomen in der Anamnese auch eine mögliche Exposition gegenüber Nagetieren oder deren Ausscheidungen in Betracht ziehen. Eine frühzeitige Verdachtsdiagnose kann entscheidend für das Management potenziell schwerer Krankheitsverläufe sein. Weiterführende Fachinformationen zur Prävention und Diagnostik stellen das RKI sowie das LGL zur Verfügung.
 

PDF öffnenFalldefinitionen des RKI 2025: Hantavirus-Erkrankung (Hantavirus)

PDF öffnenRobert Koch-Institut (RKI) 2019: „Informationen zur Vermeidung von Hantavirus-Infektionen“

PDF öffnenInfoblatt des LGL: „Sichere Entsorgung von toten Spitzmäusen, Mäusen & anderen Kleinsäugern“

Autor:
Stand:
17.04.2025
Quelle:

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL); Pressemitteilung vom 16.04.2025: "Anstieg von Hantavirus-Erkrankungen in Bayern: Kontakt zu Mäusen und ihren Ausscheidungen vermeiden"

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