Warum gute Impfempfehlungen im Alltag oft nicht ankommen

Zwischen Impfempfehlung und Impfung liegen im Versorgungsalltag zahlreiche Hürden. Aktuelle Beispiele aus dem STIKO-Umfeld zeigen, warum Implementierung häufig Jahre

Impfstoff Apotheke

Umsetzung benötigt oft Jahrzehnte

Evidenzbasierte Maßnahmen erreichen den Versorgungsalltag häufig nur verzögert. Durchschnittlich vergehen laut internationalen Analysen bis zu 17 Jahre, bis medizinische Empfehlungen flächendeckend umgesetzt werden. Impfungen bilden hier keine Ausnahme.

„Eine gute Empfehlung allein garantiert noch keine gute Versorgung“, erklärte Prof. Dr. Birgitta Weltermann auf der Nationalen Impfkonferenz.

Co-Administration birgt großes Potenzial

Ein Beispiel für vermeidbare Hürden ist die gleichzeitige Gabe mehrerer Impfstoffe. Die STIKO bewertet Co-Administration grundsätzlich als sicher und sinnvoll. Dennoch wird sie im Praxisalltag häufig aus Unsicherheit oder tradierter Zurückhaltung vermieden.

„Viele Impflücken entstehen nicht aus Ablehnung, sondern aus versäumten Gelegenheiten“, so Weltermann. Explizitere Formulierungen in STIKO-Empfehlungen sollen hier künftig mehr Klarheit schaffen.

Impfstofflagerung als unterschätztes Risiko

Ein zweiter Schwerpunkt war die Lagerung von Impfstoffen. Diese müssen konstant bei 2–8 °C aufbewahrt werden. In Untersuchungen zeigte sich jedoch, dass rund drei Viertel der Praxis-Kühlschränke Probleme aufweisen, häufig durch zu niedrige Temperaturen.

Temperaturabweichungen gefährden nicht nur die Wirksamkeit der Impfstoffe, sondern auch das Vertrauen in Impfungen insgesamt.

Schulung verbessert messbar die Praxis

Weltermann verwies auf das Schulungsprogramm „Keep coool“, ein kostenfreies Online-Training zur Impfstofflagerung. Analysen von mehr als zwei Millionen Temperaturmessungen zeigen, dass Schulungen die Lagerungsqualität deutlich verbessern.

Empfohlen werden zudem klare Zuständigkeiten in der Praxis, regelmäßige Temperaturkontrollen und gezielte Schulung des MFA-Teams.

Was bedeutet das für den Praxisalltag?

Viele Impflücken lassen sich durch organisatorische Maßnahmen schließen. Dazu zählen strukturierte Abläufe, Schulungen und die Nutzung bestehender Möglichkeiten wie Co-Administration. Impfstoffmanagement werde damit Teil der Patientensicherheit.

Fazit

Impfempfehlungen scheitern im Alltag selten an fehlender Evidenz. Entscheidend ist, ob sie praktisch umsetzbar sind – und ob Praxen dabei systematisch unterstützt werden.

Autor:
Stand:
25.05.2026
Quelle:

Prof. Dr. Birgitta Weltermann, Implementierbarkeit und Implementierung: Zwei praxisrelevante Beispiele, 9. Nationale Impfkonferenz, Köln, 29. April 2026.

Hinweis: Dieser Beitrag wurde redaktionell verantwortet. KI-gestützte Werkzeuge wurden unterstützend eingesetzt. Die inhaltliche Prüfung erfolgte anhand der Originalquellen.
 

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