Anaphylaxie über IgE-Antikörper ausgelöst
IgE-Antikörper spielen eine große Rolle bei Nahrungsmittelallergien und anderen Allergien. Die Bindung von Allergenen an IgE auf Mastzellen und Basophilen führt bei erneuter Exposition zur Freisetzung mediatorischer Substanzen, beispielsweise Histamin und damit zur akuten Reaktionskaskade. Dies kann bis zur Anaphylaxie führen, einer potenziell lebensbedrohlichen, systemischen Reaktion.
Anti-IgE monoklonale Antikörper teuer und wiederholte Anwendung notwendig
Bei der Behandlung der Anaphylaxie erhalten Patienten im akuten Fall Antihistaminika, Adrenalin und supportive Maßnahmen. Langfristige Strategien zur Vermeidung von Anaphylaxien beschränken sich derzeit primär auf Expositionsvermeidung und auf spezifische Immuntherapien. In den letzten Jahren wurden zudem Omalizumab und andere anti-IgE monoklonale Antikörper entwickelt, um diese Anaphylaxien zu verhindern und IgE-vermittelte Erkrankungen, wie beispielsweise allergisches Asthma, Lebensmittelallergien zu behandeln. Diese Antikörper erhält jedoch nur eine kleine Minderheit der Betroffenen. Nämlich die, die unter schwerwiegenden Symptomen leiden, da die Kosten hoch sind und wiederholte Applikationen des Antikörpers notwendig sind. Eine Impfung, die gezielt IgE reduziert und so die Sensibilisierung dauerhaft beeinflusst, existiert bisher nicht. Sie könnte eine prophylaktische Option darstellen, insbesondere für Patienten mit hohem Risiko für anaphylaktische Ereignisse.
Neuer Ansatz: Vakzin induziert die langfristige Produktion neutralisierender Antikörper gegen IgE
Die im Journal Allergy veröffentlichte Studie verfolgte das ambitionierte Ziel, ein Konjugat-Vakzin zu entwickeln, Kinoid, das spezifisch gegen das vollständige Cε3-4-Domänen-Fragment des humanen IgE gerichtet ist. Der Impfstoff soll die langfristige Produktion neutralisierender Antikörper induzieren, um Anaphylaxien und andere IgE-vermittelte Reaktionen zu verhindern. Bisher war unklar, ob ein solches Vakzin überhaupt eine ausreichende Immunantwort induzieren kann, ohne selbst klinisch relevante Nebenwirkungen zu verursachen.
Wirksamkeit des Kinoid-Vakzins im Mausmodell gezeigt
Erste Versuche des Kinoid-Vakzins führten die Forscher an einem Mausmodell durch, welches humanes IgE und FcεRI exprimiert. Durch das Impfen der humanisierten Mäuse mit dem Kinoid wurde eine potente Produktion von neutralisierenden Antikörpern erreicht. Selbst ein Jahr nach der Immunisierung waren bei den meisten Mäusen noch neutralisierende Antikörper vorhanden. Zudem erreichten sie eine Reduktion von frei zirkulierendem IgE und IgE auf den Mastzelloberflächen. Das Vakzin schien zudem tolerabel zu sein und zeigte in den Untersuchungen keine Hinweise auf klinisch relevante unerwünschte Immunreaktionen. Diese Befunde demonstrieren erstmals im präklinischen Rahmen, dass eine gezielte, konjugatvermittelte Anti-IgE-Impfung technisch umsetzbar und immunologisch wirksam zu sein scheint.
Schutz vor Anaphylaxie hielt bis zu einem Jahr an
Die Wissenschaftler zeigten zudem, dass die prophylaktische und therapeutische Impfung mit dem IgE-Kinoid bis zu einem Jahr vor IgE vermittelter systemischer Anaphylaxie schützen konnte. In in-vitro-Experimenten mit humanen Mastzellen zeigten sie zudem, dass die produzierten Antikörper das Binden von humanem IgE an FcεRI auf Mastzellen vollständig blockieren kann.
Next Step: Sicherheit und Immunogenität müssen in klinischen Studien überprüft werden
Die Entwicklung des Konjugatvakzins gegen humanes IgE könnte einen Meilenstein in der Prävention von IgE-vermittelten Allergien und Anaphylaxien darstellen. Die Studie liefert erste überzeugende Hinweise auf Wirksamkeit und Tolerabilität im präklinischen Setting. Der nächste Schritt ist jetzt die Überprüfung in klinischen Studien. Für die klinische Praxis birgt dieser Ansatz erhebliches Potenzial – vor allem für Patienten mit hohem Risiko für anaphylaktische Reaktionen und multiplen Sensibilisierungen.









