Rückkehr der Masern: Impflücken als globale Herausforderung

Nach Jahren des Rückgangs nehmen Masernfälle in vielen Regionen wieder deutlich zu. Impflücken, pandemiebedingte Einbrüche der Routineimpfungen und Reiseverkehr erschweren das Ziel der weltweiten Maserneliminierung bis 2030.

Anstieg

In den vergangenen zwei Jahrzehnten galten Masern in vielen Ländern als weitgehend kontrolliert. Nationale Impfprogramme senkten die Inzidenz stark, einige Staaten erhielten den WHO-Status „masernfrei“. Dieses Bild hat sich jedoch gewandelt: Weltweit steigen die Fallzahlen so stark wie seit Jahren nicht mehr – vor allem aufgrund pandemiebedingter Impflücken.

Die WHO strebt die globale Maserneliminierung bis 2030 an. Dafür notwendig: ≥95 % Durchimpfungsrate mit zwei Dosen. 2024 erreichten diesen Wert in der EU-/EWR-Region nur vier Staaten.

Maserneliminierung in Europa gefährdet

Unzureichende Impfquoten führten zum Verlust des masernfreien Status in mehreren Ländern, etwa:

  • Großbritannien: 2024 fast 3.000 Fälle – höchste Zahlen seit 2012
  • Österreich: >150 Fälle im selben Zeitraum
  • Spanien: ca. 400 Erkrankungen, teils importiert

Auch Deutschland ist aktuell nicht masernfrei; seit 2024 steigen die Fallzahlen. Ohne gezielte Nachholimpfungen ist das Eliminationsziel kaum erreichbar.

Internationale Ausbrüche – etwa in Kanada, den USA, Mexiko, der Mongolei und Guatemala – zeigen zudem, wie schnell importierte Fälle bei bestehenden Impf¬lücken zu größeren Epidemien führen können.

Klinische Relevanz und Komplikationen

Masern sind hochkontagiös; Übertragung bereits vor Exanthembeginn über Tröpfchen.

Typischer Verlauf:

  • Prodromi: Fieber, Husten, Rhinitis, Konjunktivitis, Enanthem
  • Exanthem: makulopapulös, kraniokaudal, 8–12 Tage nach Symptombeginn

Schwerwiegende Komplikationen:

  • Pneumonien (häufigste Komplikation)
  • Enzephalitis (selten, potenziell letal)
  • SSPE: sehr selten, Jahre später, immer tödlich

Impfstrategien und Nachholimpfungen

Die MMR/MMRV-Impfung bietet langanhaltenden Schutz und gute Verträglichkeit. Priorität haben:

  • Nachholimpfungen bei Kindern, Jugendlichen, ungeimpften Erwachsenen
  • Überprüfung des Impfstatus bei Reisen inklusive ggf. früher Vervollständigung

Hohe Durchimpfungsraten sind entscheidend, um größere Ausbrüche zu verhindern.

Für die Praxis bedeutet dies:

  • konsequente Prüfung und Aktualisierung des Impfschutzes in allen Altersgruppen,
  • Nutzung jeder geeigneten Patientenkontakt-Situation für Impfaufklärung und Nachholimpfungen,
  • besondere Aufmerksamkeit für Reiseanamnese und geplante Aufenthalte in Regionen mit aktueller Transmission. 

Offen bleibt, in welchem Umfang zusätzliche Strategien – etwa niedrigschwellige Impfangebote, verstärkte Outreach-Programme oder zielgruppenspezifische Kommunikation – notwendig sind, um das WHO-Eliminationsziel bis 2030 noch zu erreichen. Die vorliegenden Daten sind ein wichtiger Schritt zur Quantifizierung der bestehenden Impflücken und zur Priorisierung von Interventionsstrategien zum Erreichen des Eliminationsziels der WHO.

Autor:
Stand:
16.03.2026
Quelle:

Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin (BCRT). Pressemeldung: „Masernfälle nehmen weltweit zu: BCRT fordert dazu auf, Impflücken zu schließen“, 10. Februar 2026.

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