Ausweitung der FSME‑Risikogebiete: Neue Lage 2026
Das Robert Koch-Institut (RKI) hat für das Jahr 2026 zwei neue FSME‑Risikogebiete ausgewiesen: den Landkreis Nordsachsen (Sachsen) und den Stadtkreis Halle (Saale) (Sachsen-Anhalt). Damit steigt die Gesamtzahl der betroffenen Gebiete auf 185 und markiert eine fortgesetzte geografische Ausweitung der durch Zecken übertragenen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).
Bereits zuvor haben wir umfassend über FSME‑Impfung und Zeckenprävention in der Hausarztpraxis berichtet. Dieser frühere Beitrag stellt die grundlegenden Aspekte der Prävention vor – von der Expositionsvermeidung bis zur Impfempfehlung.
Der jetzige Artikel ergänzt diese Informationen, indem er die neuesten Daten zu den 2026 neu ausgewiesenen Risikogebieten, die saisonale Verschiebung der Zeckenaktivität und die aktuellen epidemiologischen Entwicklungen zusammenfasst.
Epidemiologische Entwicklung und aktuelle Fallzahlen
Die Ausweitung der Risikogebiete korreliert mit den aktuellen Erkrankungszahlen. Im Jahr 2025 wurden 693 FSME‑Fälle gemeldet – der dritthöchste Wert seit Beginn der Dokumentation.
FSME kann schwere neurologische Schäden verursachen und verläuft bei etwa 20 % der Patienten schwer. Rund 90 % der Erkrankten müssen stationär behandelt werden.
Diese Daten verdeutlichen die Notwendigkeit einer weiterhin konsequenten medizinischen Präventionsstrategie.
Ganzjährige Zeckenaktivität durch milde Winter
Zecken sind längst kein saisonales Frühjahrs- oder Sommerphänomen mehr. Bereits ab 5 bis 7 °C werden sie aktiv.
Aufgrund milder Winter – 2025 gehörte zu den wärmsten Jahren seit Beginn der Wetteraufzeichnungen – beginnt die FSME‑Saison zunehmend früher. Bereits im Januar 2026 wurden erste Erkrankungsfälle gemeldet.
Damit müssen Arztpraxen und öffentliche Gesundheitsdienste künftig deutlich ganzjähriger beraten, insbesondere in den neu betroffenen Regionen.
Impfquote weiterhin unzureichend
Trotz des steigenden Risikos sind die Impfquoten weiterhin niedrig:
- 30 % bei Kindern und Jugendlichen
- 19 % bei Erwachsenen (Stand 2024)
Das RKI empfiehlt, bei jedem Praxisbesuch den Impfstatus zu überprüfen und Impfserien zu vervollständigen – insbesondere bei Personen, die in Risikogebieten wohnen oder dorthin reisen.
Relevanz für die Versorgung
Die neuen Risikogebiete haben unmittelbare Bedeutung für die ärztliche und apothekerische Beratung:
- Regionale Risikoaufklärung: Besonders in Sachsen und Sachsen‑Anhalt steigt der Bedarf an Information.
- Erweiterte saisonale Prävention: Aufgrund der milden Winter verlängert sich das Fenster für Zeckenexposition.
- Dokumentations- und Impfkontrolle: Jede Konsultation sollte zur Impfstatusprüfung genutzt werden.
- Hinweis auf ergänzenden Basistext: Die allgemeinen Grundlagen zur FSME‑Prävention finden sich im bereits veröffentlichten Artikel FSME‑Impfung und Zeckenprävention in der Hausarztpraxis.









