Der Echte Salbei (Salvia officinalis) gehört zur Familie der Lippenblütler. Er wächst als Halbstrauch 60 bis 80 cm hoch. Charakteristisch sind die unterseits weißfilzig behaarten, langgestielten Blätter und der stark aromatische Geruch. Die ätherischen Öle und Gerbstoffe der Salbeiblätter wirken antimikrobiell und entzündungshemmend.
Ausgewählt als Arzneipflanze des Jahres 2023 wurde der Echte Salbei aufgrund der vielfachen und langjährigen Nutzung sowie einem großen Potenzial für weitere Forschung, erklärt der interdisziplinäre Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde.
Langjährige Verwendung
Der lateinische Name 'salvia' wird auf das Adjektiv 'salvus' zurückgeführt, das für gesund, heil, unbeschädigt, unverletzt, unversehrt und wohlbehalten stehen kann.
Die Geschichte des Salbeis in medizinischer Verwendung reicht in Europa bis ins Altertum zurück. Zu dieser Zeit wurden jedoch andere Arten der umfangreichen Gattung mit etwa 1.000 Vertretern genutzt.
Der Echte Salbei wurde wahrscheinlich spätestens zu römischer Zeit verwendet. Die Pflanze tritt bereits im 1. Jahrhundert in der Arzneimittellehre von Dioskurides und der Naturkunde von Plinius auf, bezeichnete aber damals mehrere optisch ähnliche Arten. Insbesondere im Rahmen der Klostermedizin des frühen und hohen Mittelalters gewann der Echte Salbei an Bedeutung. Hildegard von Bingen widmete ihm in ihrer Naturkunde eines der umfangreichsten Kapitel. Die Pflanze galt im Spätmittelalter sogar als Allheilmittel.
Traditionelles pflanzliches Arzneimittel
Heute wird der Echte Salbei innerlich bei leichten dyspeptischen Beschwerden (Sodbrennen, Blähungen) und vermehrter Schweißsekretion sowie äußerlich zur symptomatischen Behandlung von Entzündungen im Mund- und Rachenbereich und zur Behandlung leichter Hautentzündungen angewendet.
Die Europäische Arzneimittelagentur bescheinigt Tee und Extrakten aus Salbeiblättern bei diesen Indikationen eine traditionelle Anwendung („traditional use“).
Erforschung neuer und alter Indikationen
Der Studienkreis weist auf klinische Studien hin, die die traditionelle Anwendung bei übermäßigem Schwitzen im Zusammenhang mit menopausalen Beschwerden und Hitzewallungen bei Männern nach antiandrogener Therapie belegten. Auch für die Kombination mit Echinacea (Sonnenhut) sei bei Halsentzündungen eine vergleichbare Wirkung zu chemischen Desinfektionsmittel mit Schmerzmitteln nachgewiesen worden.
Einige Studien hätten sogar eine stoffwechselfördernde Wirkung bei Patienten mit zu hohen Fett- bzw. Cholesterinwerten, auch bei Diabetes mellitus und Polyzystischem Ovarialsyndrom, gezeigt. Neuste Untersuchungen gäben Hinweise auf eine Hemmung der Acetylcholinesterase durch verschiedene Salbei-Arten, was im Rahmen der Alzheimer-Demenz interessant werden könne.
Forschung außerhalb Europas
Es ist laut dem Studienkreis durchaus wahrscheinlich, dass sich durch weitere klinische Studien über Salbeiblätter altbewährte sowie neue Anwendungsgebiete ergeben. Solche Forschung seien in Europa aufgrund fehlender Förderungen jedoch kaum umzusetzen und würden eher in China oder dem Iran durchgeführt.
Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde
Der interdisziplinäre Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde kürt die Arzneipflanze des Jahres seit 1999. Ziel ist es insbesondere, an die lange und gut dokumentierte Geschichte von Arzneipflanzen in Europa zu erinnern. Daraus könnten wichtige Hinweise für die medizinische und pharmazeutische Nutzung hervorgehen.









