Bei der Gesundheitsministerkonferenz (GMK) am 19. Juli 2021 lag der Fokus auf der Weiterentwicklung des Impfangebots sowie der Verteilung der verfügbaren COVID-19-mpfstoffe. War die Impfstoffvergabe lange von Kontingentierung geprägt, zeichnet sich derzeit das Gegenteil ab. So ist aufgrund des Rückgangs der Nachfrage bald ein Überschuss an Impfstoff zu erwarten. Bis zum Tag vor der Konferenz waren in Deutschland 59,9% der Bevölkerung mindestens einmalig geimpft und 46,6% hatten bereits den vollständigen Impfschutz erhalten. Für den Erfolg der Impfkampagne sollte allerdings eine möglichst hohe Impfquote erreicht werden.
Niederschwellige Impfangebote
Ab dem 16. August 2021 erhalten die Länder vom Bund Impfstoffmengen, die sie dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) zuvor gemeldet haben, eine Verteilung nach Bevölkerungsanteil findet in diesem Sinne dann nicht mehr statt. Weiterhin wird der Bund Impfstoffe für niedrigschwellige Impfangebote wie mobile Impfteams zur Verfügung stellen. Sind hierbei niedergelassene oder Betriebsärzte beteiligt, kann die Bestellung der Impfdosen auch über Apotheken und den Großhandel erfolgen.
Mehr Flexibilität bei der Abgabe
Durch die veröffentlichte Allgemeinverfügung zur Sicherstellung der flächendeckenden Verteilung von Impfstoffen gegen COVID-19 an Arztpraxen und Betriebsärzte wurde zudem die (Um-)Verteilung der Impfstoffdosen flexibilisiert. Die Allgemeinverfügung ermöglicht den rechtlich gesicherten Austausch von übrig gebliebenen Impfdosen zwischen Ärzten, Apothekern, Großhandel und Impfzentren.
Vage Zukunft der Impfzentren
Die Impfzentren werden vom Bund noch bis zum 30. September 2021 finanziert (Beschluss der Konferenz der Bundeskanzlerin mit den Regierungschefinnen und -chefs der Länder vom 19. März 2021). Da die Notwendigkeit einer Auffrischungsimpfung aufgrund einer nachlassenden Impfwirksamkeit und dem Auftreten neuer Virusvarianten immer wahrscheinlicher wird, wurde in der GMK vom 28.06.2021 eine Neuausrichtung der nationalen Impfstrategie angeregt. Nach Erreichen der Herdenimmunität sollen Auffrischungsimpfungen vorwiegen von Ärzten und Betriebsärzten durchgeführt werden. In der Übergangszeit ist geplant, den Schwerpunkt vorübergehend auf mobilen Impfteams zu legen, um die Anzahl der Impfzentren reduzieren zu können. Wurde die Erstimpfung in einem Impfzentrum durchgeführt, soll aber auch über den 30. September hinaus eine Zweitimpfung im Impfzentrum sichergestellt werden.
Schließung oder Stand-by
Der Umgang mit der Schließung der Zentren ist Sache der Länder. Einige, wie beispielsweise Hessen, haben bereits entschieden diese zu vollständig zu schließen. Die GMK regt bis zum Erreichen der Herdenimmunität beispielsweise auch das Versetzen der Impfzentren in einen Stand-by-Modus an, sodass sie im Zweifelsfall kurzfristig reaktiviert werden könnten. Denn gerade im Herbst und Winter sei mit einem Anstieg der Infektionszahlen zu rechnen.
Beliefern Apotheken ab Herbst auch Impfzentren?
Daher will der Bund bis Mitte August prüfen, inwieweit eine Versorgung der Impfzentren und mobilen Impfteams durch pharmazeutischen Großhandel und Apotheken ab spätestens 1. Oktober möglich wäre, um den Schutz der Bevölkerung auch nach dem 30. September gewährleisten zu können.
Ausbau der Impfkampagne
Um gezielt Menschen anzusprechen, die sich bisher nicht für eine Impfung entschieden haben, soll die Informationskampagne „Deutschland krempelt die Ärmel hoch“ weiter ausgebaut werden. Zudem soll hiermit die Bedeutung der Zweitimpfung verdeutlicht werden.
Spenden an Drittstaaten
Ziel ist es, den Verwurf von Impfstoff auf ein Minimum zu begrenzen. Eine übermäßige Lagerhaltung von COVID-19-Impfstoffen bei den Ländern und in Arztpraxen soll vermieden werden. Daher wird der Bund überschüssige Impfstoffe, deren Lagerung eine Weitergabe zulässt, Drittstaaten in Form von Spenden zur Verfügung stellen. Dies kann grundsätzlich nur direkt durch die Bundesregierung erfolgen. Aus diesem Grund muss das Abholen der Impfstoffe aus Verteilerzentren der Länder und bei Arztpraxen und Impfzentren logistisch geplant werden.










