Trotz politischer Maßnahmen zur Bekämpfung von Lieferengpässen bleibt die Lage in deutschen Apotheken angespannt. Laut aktuellen Daten des Apothekenkonjunkturindex (APOkix) des IFH KÖLN berichten 96 % der Apothekeninhaber weiterhin von kurzfristigen und unerwarteten Engpässen. Besonders betroffen sind Psychopharmaka, Antibiotika und Diabetesmedikamente. Die Apothekerschaft zeigt sich skeptisch, dass sich die Situation in den kommenden Monaten entspannen wird.
Lieferengpässe auf hohem Niveau
Das Arzneimittel-Lieferengpassbekämpfungs- und Versorgungsverbesserungsgesetz (ALBVVG), das im Juli 2023 verabschiedet wurde, sollte die Verfügbarkeit essenzieller Medikamente verbessern. Dennoch geben 92 % der Apotheken an, in den letzten drei Monaten stark von Lieferengpässen betroffen gewesen zu sein. Das bedeutet, dass die Quote nur leicht im Vergleich zum Vorjahr (97 %) zurückgegangen ist. Besonders häufig fehlen Psychopharmaka (90 %), Antibiotika für Erwachsene und Diabetesmedikamente (jeweils 89 %), gefolgt von Cholesterinsenkern (85 %) und Blutdruckmitteln (80 %).
In bestimmten Bereichen ist die Lage besonders kritisch: Bei Psychopharmaka, Antibiotika für Kinder und Diabetesmedikamenten waren zwischen 36 und 57 % der Apotheken in den letzten drei Monaten mit Engpässen konfrontiert, die sich kaum oder gar nicht durch alternative Medikamente ausgleichen ließen. Im Vorjahr lag diese Quote sogar zwischen 62 und 77 %. Ein Lichtblick zeigt sich bei nicht-verschreibungspflichtigen Arzneimitteln (OTC), wo der Anteil stark betroffener Apotheken von 57 auf 20 % gesunken ist.
Apotheken unter Druck
Die anhaltenden Engpässe führen zu einem erheblichen Mehraufwand in den Apotheken: Es berichten 99 % der befragten Apotheken von einem steigenden Arbeitsaufwand, 60 % müssen Unzufriedenheit bei den Kunden auffangen, und 40 % sehen sich mit Retaxationen konfrontiert, weil sie Medikamente ausgetauscht haben.
Es gibt Zweifel an der Wirksamkeit des ALBVVG bei den Apotheken. 96 % halten die im Gesetz vorgesehenen Maßnahmen für unzureichend, und 70 % glauben nicht, dass sie mittelfristig die Versorgungssituation verbessern werden. Rund 97 % der Befragten fordern zusätzliche politische Maßnahmen, um die Versorgung mit wichtigen Medikamenten sicherzustellen.
Geschäftserwartungen sinken
Die wirtschaftliche Lage der Apotheken bleibt herausfordernd. Während die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage im Januar 2025 um 7,1 Punkte auf 54,3 Punkte gestiegen ist, zeigen sich die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate weniger optimistisch: Die Bewertung der Geschäftsaussichten fiel von 73,2 auf 58,9 Punkte.
Politik muss handeln
Trotz einzelner Verbesserungen bleibt die Situation in den Apotheken also angespannt. Die Apothekerschaft fordert dringend weitere Maßnahmen, um die Verfügbarkeit von Arzneimitteln zu gewährleisten. Die Politik ist gefordert, über das ALBVVG hinausgehende Lösungen zu entwickeln, um eine nachhaltige Verbesserung der Arzneimittelversorgung sicherzustellen.
Über den APOkix
Der Apothekenkonjunkturindex APOkix des IFH KÖLN ist das Stimmungsbarometer im deutschen Apothekenmarkt. Monatliche Onlinebefragungen von Apothekeninhaber liefern Einblicke in aktuelle wirtschaftliche Entwicklungen und Marktthemen. Die aktuelle Umfrage zu Lieferengpässen wurde vom 13. bis 26. Januar 2025 mit 129 Apothekeninhabern durchgeführt. Die befragten Apotheker sind bundesweit ansässig und repräsentieren sowohl größere als auch kleinere Apotheken sowie Apotheken in städtischen und ländlichen Gebieten.










