Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand zu aluminiumhaltigen Adjuvanzien in Therapieallergenen aufgearbeitet. Anlass war das anhaltende Interesse von Fachkreisen und Öffentlichkeit an möglichen Risiken dieser seit Jahrzehnten eingesetzten Wirkverstärker. Das Institut kann jedoch Entwarnung geben: Weder klinische Studien noch Pharmakovigilanzdaten liefern Hinweise auf eine Gefährdung von Kindern oder Erwachsenen durch die subkutane Allergen-Immuntherapie (AIT) mit aluminiumhaltigen Zusätzen.
Etablierter Wirkverstärker
Aluminiumhydroxid ist seit vielen Jahren ein Standardadjuvans in der subkutanen AIT. Die Allergene sind dabei an schwerlösliche Aluminiumverbindungen gebunden, die als Depot wirken und die Immunantwort verstärken. Der Mechanismus trägt wesentlich zur Wirksamkeit der Therapie bei. Die Bildung protektiver Immunglobulin-G-Antikörper wird gefördert, während allergievermittelnde IgE-Reaktionen reduziert werden. Langzeitbeobachtungen zeigen, dass AIT die Sensibilisierung gegenüber neuen Allergenen sogar verringern kann.
Exposition bleibt im unkritischen Bereich
Der Aluminiumgehalt in Therapieallergenen ist streng reguliert und beträgt maximal 1,25 mg pro Dosis. Tatsächlich liegen die applizierten Mengen meist darunter. Wichtig ist jedoch nicht nur die absolute Menge, sondern auch die Bioverfügbarkeit. Aluminium liegt in schwerlöslicher Form vor und wird nach subkutaner Injektion nur langsam freigesetzt. Ein Großteil wird zeitverzögert resorbiert und über die Niere ausgeschieden.
Modellsimulationen zeigen, dass selbst bei einer fünfjährigen Therapie der Anstieg der Aluminiumkonzentrationen in Blut und Geweben moderat bleibt und im Vergleich zur täglichen Aufnahme über die Nahrung als tolerabel einzustufen ist. Der Beitrag zur lebenslangen Akkumulation ist demnach vernachlässigbar.
Zusätzliche Sicherheit durch neues Modell
Im Rahmen eines Forschungsprojekts entwickelte das PEI ein Physiologie-basiertes toxikokinetisches Modell, das die Aluminiumverteilung im Körper nach AIT simuliert. Die Ergebnisse der Stimulierung bestätigen die klinische Erfahrung:
- die Aluminiumaufnahme erfolgt über Monate langsam aus dem Gewebe
- Konzentrationen in Plasma und Knochen steigen nur moderat und vorübergehend an
- kritische Schwellenwerte werden nicht erreicht
Auch für das Gehirn zeigen die Simulationen lediglich minimale Konzentrationsanstiege. Ein Zusammenhang zwischen Aluminiumexposition und neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer-Krankheit ist zudem weiterhin nicht belegt.
Kein Sicherheitssignal in fast 40 Jahren
Die Auswertung der Spontanmeldungen in Deutschland von 1986 bis 2025 liefert außerdem ein konsistentes Bild. Schwerwiegende systemische Nebenwirkungen mit Bezug zu Aluminium wurden nicht beobachtet. Meldungen betreffen überwiegend lokale Reaktionen wie Granulome an der Injektionsstelle, die insgesamt selten sind. Hinweise auf aluminiumtypische Toxizitäten, etwa neurologische Effekte, Anämien oder Knochenschäden, fehlen vollständig.
Sensibilisierungspotenzial bleibt gering
Ein häufig diskutierter Punkt ist die Frage, ob Aluminium selbst Allergien auslösen kann. Die Datenlage spricht dagegen: Kontaktallergien sind selten, und auch im Rahmen der AIT werden nur vereinzelt Sensibilisierungen beschrieben. Zu beachten ist, dass Aluminium in der Therapie nicht als Auslöser, sondern als Modulator der Immunantwort wirkt. Tierexperimentelle Befunde, die eine allergiefördernde Wirkung nahelegen, sind wegen unrealistischer Expositionsbedingungen nur eingeschränkt übertragbar.
Zwei Szenarien erfordern Aufmerksamkeit
Trotz insgesamt positiver Bewertung weist das PEI auf zwei Situationen hin, in denen eine individuelle Risikoabwägung sinnvoll ist. Zum einen handelt es sich dabei um die gleichzeitige Behandlung mit mehreren aluminiumhaltigen Allergenpräparaten und zum anderen um das Szenario einer sehr langfristigen oder lebenslangen Therapie bei speziellen Insektengiftallergien. In diesen Fällen könnten Modellrechnungen zufolge vor allem im Knochen höhere Aluminiumakkumulationen auftreten.
Nutzen überwiegt klar
Die aktuelle Bewertung bestätigt insgesamt das günstige Nutzen-Risiko-Verhältnis aluminiumhaltiger Therapieallergene. Weder klinische Daten noch Langzeitbeobachtungen oder Modellierungen zeigen Hinweise auf relevante gesundheitliche Risiken. Die systemische Aluminiumexposition bleibt niedrig und ist im Vergleich zu alltäglichen Quellen gering. Vor dem Hintergrund der nachgewiesenen Wirksamkeit der AIT und ihrer krankheitsmodifizierenden Effekte bleibt Aluminium als Adjuvans daher ein wichtiger Bestandteil der Therapie.












