Long-Covid, auch bekannt als Post-Covid-Zustand (PCC), stellt für viele Covid-Patienten ein anhaltendes Problem dar. Insbesondere neurologische Symptome wie chronische Fatigue und kognitive Dysfunktion beeinträchtigen Betroffene oft monatelang. Aktuelle Studien zeigen, dass bis zu 20% der Genesenen neurologische oder kognitive Beschwerden entwickeln, die ihre Lebensqualität stark mindern. Trotz der hohen Inzidenz dieser Symptome gibt es bislang keine evidenzbasierten Therapieoptionen. Eine Studie untersuchte kürzlich ob Lithium als wirksame Behandlungsstrategie zur Linderung dieser Langzeitfolgen in Betracht kommt. Die Ergebnisse wurden in der medizinischen Open-Access-Zeitschrift 'JAMA Network Open' veröffentlicht.
Lithiumaspartat als potenzielle Therapieoption bei Long-Covid-Symptomen
Lithium, insbesondere in Form von Lithiumaspartat, wird bereits zur Behandlung verschiedener neurologischer und psychischer Erkrankungen genutzt und wurde aufgrund seiner neuroprotektiven und stimmungsstabilisierenden Eigenschaften als möglicher Therapieansatz bei Long-Covid in Erwägung gezogen. Bisher war jedoch unklar, ob Lithiumaspartat bei PCC-bedingter Fatigue und kognitiver Dysfunktion effektiv ist. Die vorliegende Studie untersuchte die Wirksamkeit von Lithiumaspartat in niedrigen Dosen (10-15 mg/Tag) und eröffnete eine mögliche Perspektive für zukünftige Untersuchungen höherer Dosierungen.
Studienaufbau und Methodik: Doppelblind-Randomisierung und Dosisfindung
In einer randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Studie erhielten 52 Patienten, die an Long-Covid-Symptomen wie Fatigue und kognitiver Dysfunktion litten, für drei Wochen entweder 10–15 mg Lithiumaspartat oder ein Placebo. Nach dieser initialen Behandlungsphase folgte eine zweiwöchige offene Phase, in der die Lithiumaspartat-Behandlung für alle Teilnehmenden fortgesetzt wurde.
Im Anschluss daran wurde eine offene Dosisfindungsstudie durchgeführt, in der Lithiumaspartat auf bis zu 45 mg pro Tag erhöht wurde. Ziel war es, die Wirksamkeit und potenzielle Nebenwirkungen höherer Dosen zu evaluieren, da Hinweise aus der Literatur nahelegen, dass eine erhöhte Dosierung möglicherweise zu besseren Ergebnissen führen könnte.
Keine signifikante Wirksamkeit bei niedriger Dosierung
Die Ergebnisse der doppelblinden Phase ergaben, dass Lithiumaspartat in der Dosierung von 10–15 mg/Tag keine signifikante Verbesserung der Symptome bewirkte. Der primäre Endpunkt, eine Veränderung der aufsummierten Punkte der Fatigue Severity Scale-7 (FSS-7) und der Brain Fog Severity Scale (BFSS), unterschied sich nicht signifikant zwischen der Lithium- und der Placebogruppe. Die Differenz betrug lediglich -3,6 Punkte, was statistisch nicht aussagekräftig war.
Hinweise auf eine mögliche Wirksamkeit bei höheren Dosierungen
In der Dosisfindungsphase, in der einige Patienten bis zu 45 mg Lithiumaspartat pro Tag erhielten, zeigte sich bei drei Patienten eine numerisch größere Reduktion der Fatigue- und kognitiven Dysfunktionswerte als bei der niedrigeren Dosierung. Besonders bei zwei Patienten mit Serum-Lithiumspiegeln von 0,18 und 0,49 mEq/L wurden stärkere Symptomverbesserungen festgestellt, im Vergleich zu einem dritten Patienten mit einem niedrigeren Serumspiegel von 0,10 mEq/L. Diese Ergebnisse sind jedoch aufgrund der geringen Patientenzahl der Dosisfindungsstudie nicht repräsentativ und zeigen nur einen möglichen Ansatz für zukünftige Untersuchungen.
Ausblick und zukünftige Forschungsnotwendigkeiten
Die Studie liefert wichtige Erkenntnisse zur fehlenden Wirksamkeit von niedrig dosiertem Lithiumaspartat bei der Behandlung neurologischer Long-Covid-Symptome wie Fatigue und kognitiver Dysfunktion. Die Beobachtungen aus der Dosisfindungsphase lassen aber vermuten, dass höhere Lithium-Dosen potenziell symptomlindernd wirken könnten, insbesondere bei individuell angepassten Serumspiegeln. Weitere Studien mit höheren Dosierungen und einer größeren Teilnehmerzahl sind erforderlich, um die therapeutische Potenz von Lithiumaspartat in der Long-Covid-Behandlung abschließend zu bewerten. Solche Erkenntnisse könnten langfristig zu besseren Behandlungsmöglichkeiten für Millionen von Long-Covid-Betroffenen führen, die derzeit nur begrenzte Therapieoptionen haben.










