Die Gonorrhoe zählt weltweit zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen. Laut WHO infizieren sich jährlich etwa 82 Millionen Menschen – mit steigender Tendenz. Die zunehmende Antibiotikaresistenz von Neisseria gonorrhoeae erschwert die Behandlung erheblich: In mehreren Regionen wurden bereits multiresistente Stämme nachgewiesen. Die derzeit empfohlene duale Standardtherapie mit Ceftriaxon plus Azithromycin steht daher zunehmend unter Druck.
Bedarf an neuen Antibiotika steigt
Vor diesem Hintergrund rückt die Entwicklung neuer Wirkstoffe in den Fokus. Gepotidacin, ein Triazaacenaphthylen-Derivat, wirkt durch Hemmung der bakteriellen DNA-Replikation. In früheren Studien zeigte es bakterizide Aktivität gegen gramnegative Erreger, darunter auch gegen ansonsten resistente Gonokokken. Auch bei unkomplizierten Harnwegsinfektionen hat es sich bereits als wirksam und gut verträglich erwiesen. In der Phase-III-Studie EAGLE-1 wurde nun untersucht, ob orales Gepotidacin bei unkomplizierter urogenitaler Gonorrhoe der etablierten Therapie nicht unterlegen ist – sowohl hinsichtlich Wirksamkeit als auch Verträglichkeit.
Gepotidacin versus Ceftriaxon plus Azithromycin
In die multizentrische, sponsorverblindete, offene Phase-III-Studie wurden 628 Patienten mit Verdacht auf unkomplizierte urogenitale Gonorrhoe eingeschlossen. Die randomisierte Zuteilung erfolgte 1:1 zu einer Einmaltherapie mit Ceftriaxon (500 mg i.m.) plus Azithromycin (1 g p.o.) oder zu einer oralen Therapie mit zwei Dosen Gepotidacin (jeweils 3000 mg oral im Abstand von 10–12 h).
Primärer Endpunkt war der mikrobiologische Behandlungserfolg, definiert als kulturbestätigte bakterielle Eradikation von N. gonorrhoeae im Urogenitaltrakt zwischen Tag 4 und 8. Die Nichtunterlegenheitsmarge lag bei –10 %.
Vergleichbare Eradikationsraten und gute Verträglichkeit
Bei der mikrobiologischen Auswertung konnte bei den mit Gepotidacin-behandelten Patienten eine Erfolgsrate von 92,6 % (95 %-KI: 88,0–95,8 %) erzielt werden, unter Ceftriaxon plus Azithromycin waren es 91,2 % (95 %-KI: 86,4–94,7 %). Die adjustierte Differenz betrug -0,1 % (95 %-KI: -5,6 bis 5,5), womit die Nichtunterlegenheit formal belegt wurde.
Bei keinem Teilnehmer konnten nah der Behandlung persistierende urogenitale Gonokokken nachgewiesen werden. Unerwünschte Ereignisse traten in der Gepotidacin-Gruppe häufiger auf, hauptsächlich gastrointestinale Beschwerden. Diese waren jedoch überwiegend leicht bis mäßig ausgeprägt. Schwerwiegende therapieassoziierte Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet.
Mit Gepotidacin steht erstmals ein orales Antibiotikum mit neuartigem Wirkmechanismus zur Verfügung, das eine vergleichbare Wirksamkeit zur aktuellen Standardtherapie bei unkomplizierter urogenitaler Gonorrhoe zeigt. Die Autoren sind der Ansicht, dass dies besonders vor allem relevant sei im Hinblick auf zunehmende Resistenzen und als Therapieoption für Patienten mit Kontraindikationen gegenüber Cephalosporinen.
Gepotidacin als Baustein künftiger Behandlungsstrategien
Die Ergebnisse der EAGLE-1-Studie markieren einen wichtigen Schritt in der Suche nach neuen Behandlungsoptionen bei Gonorrhoe, so die Autoren. Gepotidacin stellt eine vielversprechende orale Alternative dar, insbesondere in einem resistenzgeprägten Umfeld. Künftige Studien sollten klären, inwieweit der Wirkstoff auch bei extragenitalen Infektionen und in Hochrisikogruppen eingesetzt werden kann.









