Das chronische Handekzem (CHE) ist eine entzündliche Hauterkrankung mit erheblichem Einfluss auf Lebensqualität und Alltagsfunktion. Bei Erwachsenen ist die Krankheit meist mit beruflichen Expositionen assoziiert – etwa im Friseurhandwerk, in der Pflege oder in der Lebensmittelverarbeitung.
In den letzten Jahren zeigen jedoch epidemiologische Daten, dass auch Kinder zunehmend betroffen sind. Die Lebenszeitprävalenz liegt zwischen 6,5 % und 13,3 %, die Jahresprävalenz zwischen 5,2 % und 10,0 %. Damit ist das CHE im Kindesalter keine Rarität mehr, sondern ein relevantes dermatologisches Problem. Trotz dieser Häufigkeit gibt es bislang keine spezifischen Leitlinien für die pädiatrische Versorgung, weshalb Diagnostik und Therapie oft auf Erwachsenenempfehlungen basieren.
Systematische Auswertung weltweiter Fallberichte zu chronischem Handekzem bei Kindern
Das Fehlen belastbarer, speziell auf Kinder zugeschnittener Daten unterstreicht die Notwendigkeit einer systematischen Auswertung der bisherigen Literatur. Eine solche Arbeit wurde an der Queen’s University in Kanada durchgeführt und im 'Journal of Cutaneous Maedicine and Surgery' veröffentlicht.
Die Studie folgte den PRISMA-Vorgaben und konzentrierte sich ausschließlich auf Fallberichte und Fallserien zu Patienten unter 18 Jahren, bei denen das Handekzem länger als drei Monate bestand oder rezidivierend verlief. Beruflich bedingte Fälle wurden ausgeschlossen. Insgesamt umfasste die Analyse 47 Publikationen mit 62 Patienten.
Demografische und klinische Merkmale der untersuchten Patientengruppe
Das mittlere Alter betrug 10,9 Jahre (Spanne: 10 Monate bis 17 Jahre). 76 % der Betroffenen waren weiblich, 61 % hatten eine atopische Anamnese, meist atopische Dermatitis. In 87 % lag eine beidseitige Handbeteiligung vor, häufig mit palmarem Befall. 38 % der dokumentierten Fälle bestanden länger als ein Jahr.
Freizeitaktivitäten als Hauptquelle der Allergenexposition
65 % der pädiatrischen chronischen Handekzem-Fälle waren auf Freizeitaktivitäten zurückzuführen. Dazu zählten insbesondere kreative Tätigkeiten und Bastelaktivitäten im häuslichen Umfeld. Weitere relevante Expositionsquellen waren kosmetische Produkte (13 %), Pflanzenkontakte (11 %), medizinische und gesundheitliche Anwendungen (10 %) sowie Sportausrüstung (8 %).
Häufigste Auslöser und nachgewiesene Allergene
Insgesamt wurden 35 verschiedene Auslöser identifiziert. Der häufigste war selbstgemachter Slime (44 %), gefolgt von gekauftem Slime (13 %), Outdoor-Pflanzen (6 %) und UV-härtendem Methacrylat-Nagellack (6 %).
Patch-Tests wurden bei 87 % der Patienten durchgeführt; 96 % zeigten eine Reaktion auf mindestens ein Allergen. Am häufigsten traten Sensibilisierungen gegen die Konservierungsstoffe Methylchloroisothiazolinon/Methylisothiazolinon (MCI/MI) (33 %) auf, gefolgt von Sesquiterpenlacton-Mix (11 %) und Compositae-Mix (9 %) als typische Pflanzenallergen-Mischungen aus der Familie der Korbblütler.
Spezifische Auslöser im Detail:
- Slime-Dermatitis
- 28 Fälle (45 %) waren durch Slime verursacht, überwiegend bei Mädchen im Alter von 10–12 Jahren.
- 91 % der getesteten Kinder reagierten positiv im Patch-Test, meist auf MCI/MI. - Pflanzenexposition
- Sieben Fälle (11 %) standen im Zusammenhang mit Outdoor-Pflanzen, insbesondere Korbblütlern. - Nagelprodukte
- Fünf Fälle waren auf UV-härtenden Methacrylat-Lack oder Acrylatkleber zurückzuführen.
- Typische Befunde: periunguale Entzündung und Nagelveränderungen. - Sportausrüstung
- In fünf Fällen war die Exposition auf Gummibestandteile in Handschuhen zurückzuführen. - Medizinisch bedingte Exposition
- Sechs Fälle, unter anderem durch Antiseptika oder topische Arzneimittel.
Allergenkarenz als Schlüssel zum Behandlungserfolg
In über der Hälfte der dokumentierten Fälle führte die konsequente Allergenmeidung zur vollständigen Abheilung.
Unter den medikamentösen Therapien dominierten topische Kortikosteroide, die in 93 % der behandelten Fälle zur Anwendung kamen. Systemische oder weitere topische Behandlungen – darunter orale Kortikosteroide, Antibiotika oder Calcineurininhibitoren – wurden seltener dokumentiert und in unterschiedlicher Weise eingesetzt.
Fazit: Ursachen erkennen, gezielt nachfragen, sicher diagnostizieren
Diese Übersichtsarbeit zeigt, dass chronische Handekzeme bei Kindern oft durch Freizeitaktivitäten und spezifische Allergene wie MCI/MI ausgelöst werden. Eine gezielte Anamnese, die sowohl schulische als auch außerschulische Aktivitäten einbezieht, ist entscheidend für die Diagnosestellung. Patch-Tests spielen trotz Herausforderungen in der Pädiatrie eine zentrale Rolle bei der Diagnostik.








