DDG Derma 2025: Geschmacks- und Geruchsstörungen bei Psoriasis und Neurodermitis

Veränderungen des Geschmacks- und Geruchssinns bei Psoriasis und Neurodermitis beeinflussen Lebensqualität und Ernährung. Eine aktuelle Studie untersucht erstmals den Einfluss systemischer Therapien auf diese Wahrnehmungsveränderungen.

geruchssinn

Psoriasis und atopische Dermatitis (AD) zählen zu den häufigsten chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen in Deutschland. Neben den dermatologischen Manifestationen sind zunehmend auch systemische Auswirkungen dieser Erkrankungen im Fokus der Forschung – besonders in Bezug auf Lebensqualität, psychische Gesundheit und Ernährung.

Ein bislang wenig beachteter, aber relevanter Aspekt betrifft Veränderungen des Geruchs- und Geschmackssinns. Diese Sinnesstörungen können die Lebensqualität erheblich mindern und die Ernährung beeinflussen, etwa durch Appetitminderung, verändertes Essverhalten oder Mangelernährung. Für entzündliche Erkrankungen wie COVID-19 oder rheumatoide Arthritis sind derartige Symptome bereits bekannt. Doch wie verhält es sich bei Psoriasis und AD?

Sinnesstörungen bei Psoriasis und Neurodermitis – eine Forschungslücke

Trotz der bekannten systemischen Entzündungsprozesse bei Psoriasis und atopischer Dermatitis war bislang unklar, inwiefern diese Erkrankungen auch den Geruchs- und Geschmackssinn beeinflussen. Ebenso ungeklärt war der potenzielle Einfluss einer systemischen Therapie auf diese Symptome. Forscher der Universität Erlangen sind dieser Frage nachgegangen. Sie untersuchten objektiv erfassbare Veränderungen der Geschmacks- und Geruchswahrnehmung vor und nach Einleitung einer Systemtherapie und verglichen Patientengruppen mit gesunden Probanden.

Sinnesvergleich bei AD, Psoriasis und Gesunden

In die Untersuchung eingeschlossen wurden 24 Patienten mit AD, 33 mit Psoriasis sowie 25 gesunde Kontrollpersonen. Der Geschmackssinn wurde standardisiert nach DIN ISO 3972:2011 getestet, der Geruchssinn mithilfe des validierten „Sniffin’ Sticks“-Tests. Zur Erfassung der Krankheitsaktivität kamen etablierte Skalen zum Einsatz: EASI (AD), PASI, DLQI und BSA (Psoriasis). Die Tests erfolgten jeweils vor und nach Beginn einer systemischen Therapie.

Geschmackswahrnehmung bei AD eingeschränkt

Im Vergleich zur gesunden Kontrollgruppe zeigten sich bei AD-Patienten signifikante Beeinträchtigungen des Geschmackssinns: Die Diskriminationsschwellen für süß, sauer, salzig und bitter waren erhöht. Ebenso war die Fähigkeit zur Erkennung der Geschmacksqualitäten sauer, salzig, bitter und umami eingeschränkt. Im direkten Vergleich mit Psoriasis-Patienten zeigte sich bei AD ein deutlich ausgeprägtes Defizit beim Erkennen der Geschmacksrichtung bitter.

Psoriatiker können besser riechen als AD-Patienten

Auch der Geruchssinn war bei AD-Patienten eingeschränkt: Im Durchschnitt lagen sie im hyposmischen Bereich. Die Psoriatiker wiesen hingegen signifikant bessere Ergebnisse im Geruchstest auf – ein möglicher Hinweis auf unterschiedliche pathogenetische Mechanismen beider Erkrankungen in Bezug auf sensorische Funktionen.

Systemtherapie: Trend zu verbessertem Geruchs- und Geschmackssinn 

Nach Einleitung einer systemischen Therapie verbesserte sich die Geschmackswahrnehmung tendenziell parallel zur Reduktion der Krankheitsaktivität. Dieser Zusammenhang zeigte sich vor allem bei Patienten mit AD. Dennoch konnte ein statistisch signifikanter Einfluss der Therapie nicht nachgewiesen werden, da sich die Psoriasis-Gruppe in der Verlaufsbetrachtung nicht signifikant von der Kontrollgruppe unterschied. 

Künftig auch sensorische Beeinträchtigung berücksichtigen

Nach Ansicht der Erlanger Forscher machen diese Ergebnisse deutlich, dass sensorische Störungen bei chronisch-entzündlichen Dermatosen ernst genommen und gezielt erfragt werden sollten. Auch wenn kein direkter kausaler Zusammenhang zur Therapie eindeutig belegt ist, können betroffene Patienten von einem umfassenden Management profitieren, das auch sensorische Funktionen berücksichtigt.

Für die zukünftige Forschung gilt es, pathophysiologische Mechanismen dieser Störungen besser zu verstehen. Offen bleibt, ob die sensorischen Beeinträchtigungen primär durch die Entzündung, sekundär durch systemische Faktoren oder als Nebenwirkung topischer bzw. systemischer Therapien bedingt sind. Weitere Studien mit größeren Fallzahlen und längerer Beobachtungsdauer sind notwendig, um dieses bislang wenig beleuchtete Symptomfeld besser zu charakterisieren und therapeutisch zu adressieren.

Autor:
Stand:
12.05.2025
Quelle:

Sticherling M et al. (2025): Veränderungen von Geschmacks- und Geruchssinn bei Psoriasis und Neurodermitis, Jahrestagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft 2025, POSTER ID P332.

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