Mit der wachsenden Popularität von Tätowierungen rücken auch die dermatologischen Nebenwirkungen zunehmend in den Fokus. Während allergische und entzündliche Reaktionen bekannt und dokumentiert sind, bleibt das Wissen über tätowierungsassoziierte Neoplasien limitiert.
Derzeit wird das Risiko für Tattoo-bedingte Tumore mit 0,6 % angegeben. Eine umfassende Literaturrecherche durch Leijs et al. identifizierte 95 Fälle von Hautkrebs bei Tätowierungen, davon nur 16 Keratoakanthome (KA), fast ausschließlich in roter Tinte. Über KAs in schwarzen oder grauen Tätowierungen ist bisher wenig bekannt.
Neoplasie auch bei schwarzem Tattoo
Licht ins Dunkel könnte hier zwei Fallberichte bringen: Niederländische Dermatologen haben Keratokanthome (KA) beobachtet, die nach Tätowierung mit schwarzer Farbe aufgetreten sind:
Fall 1 – Frau, Mitte 40:
Die Patientin stellte sich mit zwei hyperkeratotischen Läsionen in einer frischen schwarz-grauen Tätowierung am linken Unterarm sowie einer simultan gewachsenen Papel außerhalb des tätowierten Bereichs vor. In der Anamnese fanden sich ein früheres KA sowie eine chronische UV-Exposition durch regelmäßige Solariumnutzung. Die Läsionen traten binnen weniger Tage nach der Tätowierung auf.
Fall 2 – Mann, Anfang 40:
Der Patient zeigte eine hyperkeratotische Läsion in einer neuen schwarzen Tätowierung am rechten Unterschenkel. Eine familiäre Vorbelastung mit malignen Melanomen lag vor, jedoch keine bekannte UV-Vorgeschichte. Auch hier trat die Läsion unmittelbar nach dem Tätowierungsprozess auf.
Keratoakanthom histologisch bestätigt
In beiden Fällen erfolgte eine Stanzbiopsie der Läsionen. Die histopathologischen Befunde wiesen auf eine gut differenzierte Plattenepithelproliferation mit hyperkeratotischen Anteilen hin – konsistent mit einem KA. Obwohl das Plattenepithelkarzinom (SCC) in der Differenzialdiagnose berücksichtigt wurde, sprachen der histologische Aspekt sowie der klinische Verlauf für ein KA.
Spontanremission der AK
Beide Patienten lehnten eine chirurgische Entfernung ab, da die Läsionen die Integrität der Tätowierungen gefährdet hätten. Stattdessen wurde eine konservative Beobachtungsstrategie gewählt – mit Erfolg: Alle Läsionen bildeten sich innerhalb von vier Monaten vollständig zurück.
Der beobachtete Verlauf bestätigt die in der Literatur diskutierte Fähigkeit des KA zur spontanen Regression. Zudem unterstreichen die Fälle die Schwierigkeit, KAs histologisch sicher von SCCs zu differenzieren – eine Unterscheidung mit erheblicher therapeutischer Relevanz. Bemerkenswert ist zudem die simultane Entwicklung eines KAs außerhalb des tätowierten Bereichs bei einer Patientin, was auf systemische oder konstitutionelle Faktoren hinweist.
Potenzielle Risikofaktoren für AK nach Tattoo
Die Pathogenese von KAs bei Tätowierungen wird als multifaktoriell angesehen. So kommen etwa mechanisches Trauma, Pigmenttoxizität, UV-Exposition sowie individuelle genetische Prädispositionen als mögliche Auslöser infrage. Die hier beschriebenen Fälle passen in dieses Modell: Beide Patienten hatten Risikofaktoren wie wiederholte UV-Exposition oder familiäre Hautkrebsbelastung. Die Rolle schwarzer Pigmente ist bislang weniger untersucht – auch weil deren chemische Zusammensetzung seltener analysiert wurde als die von roten Tinten. Dennoch zeigen neue Daten, dass auch schwarze Farben gesundheitsschädliche Substanzen enthalten können.
Hyperkeratose im frischen Tattoo – an AK denken
Die vorgestellten Fälle unterstreichen die Notwendigkeit, pigmentassoziierte Neoplasien auch bei Tätowierungen mit schwarzer Tinte zu berücksichtigen. Daher sollte bei Hyperkeratosen in oder nahe frisch tätowierter Haut differenzialdiagnostisch auch an KA gedacht werden. Die Differenzierung zwischen KA und SCC bleibt essenziell – ebenso wie die Aufklärung von Patienten über potenzielle Risiken im Rahmen von Tattoos. Weitere systematische Untersuchungen zur Pathogenese von KAs im Zusammenhang mit Tattoo-Farbstoffen sind dringend erforderlich, so die niederländischen Autoren in ihrem Fazit.








