Adipositas mit verminderter weiblicher Fertilität assoziiert

Adipositas kann metabolische und endokrine Prozesse beeinflussen, die auch für die reproduktive Gesundheit relevant sind. Eine systematische Übersichtsarbeit untersuchte nun, wie BMI und zentrale Adipositas mit weiblicher Infertilität zusammenhängen.

Schwangere übergewichtig

Adipositas und Infertilität zählen weltweit zu den zunehmend auftretenden Gesundheitsproblemen. Der Zusammenhang zwischen Körpergewicht und weiblicher Fertilität wird seit Jahren erforscht. Im Vergleich zu normalgewichtigen Frauen benötigen Frauen mit erhöhtem Body-Mass-Index (BMI) häufiger mehr Zeit bis zum Eintritt einer Schwangerschaft. Zudem gibt es Hinweise auf Zyklusstörungen, niedrigere Konzeptionsraten und ungünstigere Ergebnisse bei assistierten reproduktionsmedizinischen Verfahren.

Zusammenhang von Körpergewicht und Infertilität untersucht

Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit untersuchte den Zusammenhang zwischen allgemeiner und zentraler Adipositas und weiblicher Infertilität. Eingeschlossen wurden prospektive und retrospektive Kohortenstudien sowie Querschnittstudien mit erwachsenen Frauen im reproduktiven Alter.

Als Expositionsparameter berücksichtigten die Autoren den BMI, den Taillenumfang und das Taillen-Hüft-Verhältnis. Als Endpunkte wurden Infertilität, meist orientiert an der WHO-Definition, sowie die Zeit bis zum Eintritt einer Schwangerschaft ausgewertet. Aufgrund der Heterogenität der Studien erfolgte keine Metaanalyse, sondern eine qualitative Synthese. Insgesamt gingen 14 Studien mit 2.409.497 Frauen in die Auswertung ein.

Höherer BMI mit geringerer Fertilität assoziiert

Die meisten der eingeschlossenen Studien zeigten einen Zusammenhang zwischen einem erhöhten BMI und eingeschränkter Fertilität. In den Kohortenstudien war ein höherer BMI vor der Empfängnis wiederholt mit einer längeren Zeit bis zur Schwangerschaft verbunden. Frauen mit Adipositas wiesen im Vergleich zu Frauen mit normalem BMI häufiger Hinweise auf Fertilitätsprobleme auf und erreichten seltener innerhalb kurzer Zeit eine Schwangerschaft.

Dieser Effekt zeigte sich nicht in allen Studien gleich stark, war insgesamt aber konsistent. Besonders deutlich war die Abnahme der Fertilität bei höheren Adipositasgraden. In mehreren Kohorten war bereits Übergewicht mit ungünstigeren Fertilitätsparametern verbunden. Bei Adipositas fiel der Zusammenhang noch ausgeprägter aus. Einzelne Analysen beschrieben zudem einen nicht linearen Verlauf. Die günstigsten Werte für eine kürzere Zeit bis zur Schwangerschaft lagen im Normalgewichtsbereich.

Auch die Querschnittstudien stützten diesen Befund. In mehreren Untersuchungen berichteten Frauen mit Adipositas häufiger über erfolglose Versuche, über mindestens zwölf Monate hinweg schwanger zu werden. Eine Studie fand zwar einen höheren Anteil übergewichtiger oder adipöser Frauen in der infertilen Gruppe; dieser Zusammenhang war jedoch nicht statistisch signifikant.

Taillenumfang als relevanter Marker

Neben dem BMI erwies sich vor allem der Taillenumfang als relevanter Parameter. Mehrere Querschnittstudien zeigten, dass ein größerer Taillenumfang mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für Infertilität einherging. Das Risiko nahm mit steigendem Taillenumfang zu, in einzelnen Analysen auch unabhängig vom BMI. Insbesondere Frauen mit ausgeprägter zentraler Adipositas wiesen ungünstigere Fertilitätsparameter auf als Frauen mit einem niedrigeren Taillenumfang.

Der Taillenumfang kann Hinweise auf eine zentrale Fettverteilung geben und könnte somit zusätzliche Informationen zur BMI-Klassifikation liefern. Für das Taillen-Hüft-Verhältnis war die Datenlage weniger eindeutig. Dieser Parameter wurde seltener untersucht und die Ergebnisse waren nicht konsistent.

Mögliche metabolische und endokrine Mechanismen

Die biologischen Mechanismen sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird ein Zusammenspiel metabolischer, endokriner und entzündlicher Prozesse diskutiert. Adipositas kann unter anderem mit Insulinresistenz, Hyperandrogenämie, Störungen der Hypothalamus-Hypophysen-Ovar-Achse und ovulatorischen Dysfunktionen einhergehen. Zudem werden Effekte auf die Qualität der Oozyten, die mitochondriale Funktion und die frühe Embryonalentwicklung diskutiert.

Gewichtsmanagement in der präkonzeptionellen Beratung

Die Übersichtsarbeit stützt die Annahme, dass Übergewicht und insbesondere Adipositas mit einer verminderten weiblichen Fruchtbarkeit assoziiert sind. Das Körpergewicht sollte jedoch nicht als alleiniger Prädiktor betrachtet werden. Infertilität ist multifaktoriell bedingt und kann unter anderem durch männliche Faktoren, das Alter, Zyklusstörungen, endokrine Erkrankungen oder gynäkologische Ursachen beeinflusst werden.

Eine präkonzeptionelle Beratung zum Gewichtsmanagement kann daher Bestandteil der reproduktionsmedizinischen Versorgung sein. Es sind jedoch weitere prospektive Studien notwendig, um kausale Zusammenhänge, Schwellenwerte und die Rolle metabolischer Begleiterkrankungen genauer zu bestimmen.

Autor:
Stand:
16.06.2026
Quelle:

Efstratiou et al. (2026): The effect of obesity on fertility: A systematic review. Medicina de Familia. SEMERGEN, DOI: 10.1016/j.semerg.2025.102670.

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