Gut durchdachte und evidenzbasierte Empfehlungen zur Ernährung können nicht nur das Risiko für diabetische Komplikationen reduzieren, sondern auch die Lebensqualität von Menschen mit (Prä-) Diabetes verbessern.
Die Studiengruppe für Diabetes und Ernährung (DNSG) der Europäischen Gesellschaft für Diabetesforschung (EASD) hat eine aktualisierte Version der Empfehlungen zum Ernährungsmanagement bei Diabetes veröffentlicht [1]. Diese Empfehlungen sollen dem Gesundheitspersonal als Leitlinien dienen, um Patienten mit Diabetes bestmöglich beraten zu können, sodass diese langfristig davon profitieren.
Die Leitlinien basieren auf Ergebnissen neuer systematischer Reviews und Meta-Analysen. Dabei zeigen die Leitlinien eine Reihe von Lebensmitteln und Ernährungsmustern auf, die für das Diabetesmanagement geeignet sind, wobei die wichtigsten Empfehlungen für Menschen mit Diabetes weitestgehend mit denen für die Allgemeinbevölkerung übereinstimmen.
Bei der Typ-2-Diabetes-Prävention beginnen
Menschen mit Übergewicht oder Fettleibigkeit sind einem höheren Risiko für Typ-2-Diabetes ausgesetzt. Daher sollte diese Risikogruppe laut Leitlinien eine Gewichtsreduktion von mindestens 5% durch intensive Lebensstilanpassungen anstreben. Empfohlen wird die Kombination aus verstärkter, regelmäßiger körperlicher Aktivität und einer energiereduzierten Ernährung. Studienergebnissen zufolge kann eine vermehrte körperliche Bewegung zusammen mit einer Ernährung niedrig an gesättigten Fettsäuren und reich an Ballaststoffen, Vollkorn, Gemüse, Früchten und Hülsenfrüchten das Risiko für Typ-2-Diabetes um bis zu 53% reduzieren.
Gewichtsmanagement als Teil der Typ-2-Diabetes-Therapie
Eine Gewichtsreduktion kann bei Menschen mit Typ-2-Diabetes die glykämischen Werte verbessern und kardiometabolische Risikofaktoren wie Blutdruck, Lipidprofil oder Inflammation positiv beeinflussen. Ein deutlicher Gewichtsverlust kann außerdem zu einer Remission des Typ-2-Diabetes führen. Studien haben gezeigt, dass eine Abnahme von mehr als 15 kg Körpergewicht innerhalb von sechs Jahren nach Diagnose bei über 80% der Menschen mit Typ-2-Diabetes eine Rückkehr zum nicht-diabetischen Zustand bewirken kann.
Laut Leitlinien können verschiedene Ernährungsweisen für die Gewichtsreduktion gewählt werden, solange sie den allgemeinen Empfehlungen entsprechen. Die EASD spricht sich unter anderem für energiereduzierte Mahlzeitersatzprogramme aus, die auch begleitend (1-2 Mahlzeiten pro Tag oder 3-6 Mahlzeiten pro Woche) umgesetzt werden können. Um eine Gewichtsreduktion von 10-15% oder mehr zu erreichen und eine Remission des Typ-2-Diabetes einzuleiten, wird ein vollständiger energiereduzierter Mahlzeitersatz (z. B. 3.500 kJ bzw. 840 kcal pro Tag über 12-20 Wochen) empfohlen.
Von einer extrem kohlenhydratreichen oder einer sehr kohlenhydratarmen, ketogenen Ernährung wird abgeraten. Letztere ist mit Risiken wie Hypoglykämien, Ketoazidose und Vitamin- und Mineralstoffmangel verbunden.
Ideale Ernährung bei Diabetes
Bei der Wahl der Ernährung sollte laut Empfehlungen darauf geachtet werden, dass die Nahrungsmittel minimal verarbeitet und ballaststoffreich sind (mindestens 35 g pro Tag). Der Konsum von freiem oder zugesetztem Zucker sollte minimal sein und unter 10% der Gesamtenergiezufuhr liegen. Fette sollten hauptsächlich pflanzlicher Herkunft sein und einen hohen Anteil an ein- und mehrfach ungesättigten Fettsäuren enthalten (Aufnahme von gesättigten und trans-Fettsäuren sollte unter 10% und 1% der Energiezufuhr liegen). Bei normalgewichtigen Menschen unter 65 Jahren mit gesunder Nierenfunktion sollte die Proteinaufnahme 10-20%, bei über 65-Jährigen 15-20% der gesamten Energiezufuhr ausmachen. Menschen mit Typ-2-Diabetes und Übergewicht oder Fettleibigkeit können die Proteinzufuhr im Sinne einer Gewichtsreduktion kurzfristig auf 23-32% erhöhen.
Empfohlen wird der Konsum von minimal verarbeiteten pflanzlichen Lebensmitteln wie ganzes Vollkorn, Gemüse, ganze Früchte, Hülsenfrüchte, Samen und Nüsse sowie ungehärtete, nicht-tropische pflanzliche Öle. Gleichzeitig sollte der Konsum von stark verarbeiteten Lebensmitteln (u. a. Fertigprodukte, raffiniertes Getreide, prozessierte Fleischprodukte), rotem Fleisch und gesüßten Getränken weitestgehend reduziert werden.
Auch die mediterrane, nordische oder vegetarische Ernährungsweise eignen sich beim Diabetesmanagement.
Empfehlungen nicht isoliert betrachten
Für Menschen mit Diabetes bedeutet eine Ernährungsumstellung eine große Verantwortung und der langfristige Erfolg hängt letztendlich von ihrer Adhärenz zur Ernährung ab. Daher ist es nicht nur wichtig, dass medizinische Fachkräfte diese Leitlinien in praktische und anwendbare Empfehlungen umsetzen, sondern auch, dass eine Ernährungsweise gewählt wird, die bestmöglich mit den Werten, Präferenzen und Behandlungszielen der Patienten übereinstimmt. Dafür müssen soziale, kulturelle und persönliche Aspekte berücksichtigt werden.








