ARNIs in der Therapie der Herzinsuffizienz
Die fixe Wirkstoffkombination Angiotensin Rezeptor-Neprilysin Inhibitor (ARNI) mit ihrem ersten Vertreter Sacubitril/Valsartan nimmt bei der Behandlung der Herzinsuffizienz einen immer höheren Stellenwert ein. Basis für diesen Trend sind Studien, in denen ARNI gegenüber ACE-Inhibitoren die kardiovaskuläre Mortalität und die Gesamtsterblichkeit von Patienten mit Herzinsuffizienz verringerte. Man führt das darauf zurück, dass ARNIs die funktionelle Kapazität bessern sowie das kardiale Remodeling umkehren können, und auf diese Weise ventrikuläre Arrhythmien und sogar Fälle von plötzlichem Herztod verhindern können.
Reduktion von HbA1c unter ARNI-Therapie
In Studien zeigte sich auch, dass eine Behandlung mit ARNI bei Patienten mit Herzinsuffizienz und Diabetes im Vergleich zu ACE-Inhibitoren und Angiotensin-Rezeptoren-Blocker [ARBs]) mit einer stärkeren Absenkung des (HbA1c und einem geringeren Bedarf an neuen Insulintherapien verbunden war. Ob diese Effekte mit der Verbesserung der Herzinsuffizienz zu tun haben oder inwieweit ARNIs in der Lage sind, den Glucose-Metabolismus selbst positiv zu beeinflussen, war bislang unklar. Wissenschaftler um Dr. Yusuke Kashiwagi von der Jikei University School of Medicine, Tokio, Japan, gingen dieser Frage nach und veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachjournal European Society of Cardiology ESC Heart Failure [1].
Retrospektive Analyse von Patientenakten
Das Team um Kashiwagi führte hierzu eine retrospektive Analyse der Daten aus Krankenakten von Patienten mit stabiler Herzinsuffizienz und Diabetes durch, die regelmäßig in der Ambulanz der Jikei University School of Medicine behandelt wurden. Alle Patienten hatten zu Beginn ihrer Herzinsuffizienztherapie ACE-Inhibitoren oder ARBs erhalten. Ein Teil der Patienten wurde aus unterschiedlichen Gründen später im Verlauf der Therapie auf ARNIs umgestellt (ARNI-Gruppe), während der andere Teil weiterhin die ursprüngliche Medikation einnahm (Kontrollgruppe).
In der Analyse wurden die Baseline-Insulinwerte zwischen den Gruppen verglichen sowie die Veränderung der Werte drei Monate nach der Umstellung auf ARNI bzw. der Fortführung der ursprünglichen Medikation in der Kontrollgruppe ermittelt. Die Insulinresistenz wurde mithilfe des Homoeostasis Model Assessment of Insulin Resistance (HOMA-IR) geschätzt.
Unter ARNI signifikante Reduktion der Insulinresistenz
Insgesamt wurden die Daten aus 34 Patientenakten (ARNI-Gruppe n=17; Kontrollgruppe n=17) ausgewertet. Initial waren die Insulinwerte und die Insulinresistenz in der ARNI-Gruppe signifikant höher als in der Kontrollgruppe (Nüchterninsulin 9,7 [95%-KI 7,4 bis 11,6] vs. 7,8 [95%-KI 5,2 bis 9,2] μU/ml; p = 0,033) (HOMA-IR 3,10 [95%-KI 1,95 bis 4,19] vs. 2,02 (95%-KI 1,56 bis 2,42], p=0,014).
Drei Monate später waren sowohl die Insulinwerte als auch die Insulinresistenz in der ARNI-Gruppe gegenüber Baseline signifikant gesunken (Insulin nach 3 Monaten 7,3 [95%-KI 4,6 bis 9,4] μU/ml; Δ zu Baseline 2,4; p< 0,001; HOMA-IR nach 3 Monaten 1,96 (95%KI 1,23 bis 3,09); p< 0.001]. Nach der Umstellung auf ARNI kam auch zu einer signifikanten Reduktion des Serumharnsäurespiegels (von 6,28 ± 0,35 zu 5,80 ± 0,30 mg/dl; p= 0,008). In der Kontrollgruppe wurden im gleichen Zeitraum keine signifikante Veränderung der Parameter beobachtet.
Direkter Einfluss von ARNI auf Glucosemetabolismus
Die Umstellung der Patienten von ACE-Inhibitoren auf ARBs zur Therapie der Herzinsuffizienz ging mit einer signifikanten Verbesserung der Parameter für eine Insulinresistenz innerhalb von drei Monaten einher. Die zusätzliche Analyse der Daten mit einem Strukturgleichungsmodell (structural equation model [SEM]) zeigte auf, dass die Verbesserungen wirklich auf die Medikation mit ARNI zurückzuführen sind. Die retrospektive Studie war mit nur 34 Patienten eines einzigen Zentrums sehr klein. Viele Umstände der Therapie, wie beispielsweise die Gründe für die Umstellung auf ARNIs, waren von vielen Faktoren abhängig, z.B. dem Willen von Arzt und Patient, was möglicherweise die Ergebnisse beeinflusst haben kann.








