Ein-Stunden-Glukosetoleranztest: Präzisere Diabetesprognose nach Schwangerschaft

Frauen mit Gestationsdiabetes haben ein erhöhtes Risiko, später an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Eine neue Studie untersucht die Vorhersagekraft eines verkürzten Ein-Stunden-Glukosetoleranztests im Vergleich zum herkömmlichen Zwei-Stunden-Test.

oGTT

Frauen mit Gestationsdiabetes haben ein sieben- bis zehnfach erhöhtes Risiko, später an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Daher wird eine postpartale Überprüfung der Glukosetoleranz empfohlen. Der Goldstandard war bislang ein Zwei-Stunden-Oraler-Glukosetoleranztest (oGTT), der jedoch oft nicht wahrgenommen wird – nur etwa 50 % der betroffenen Frauen kehren nach der Geburt zur Testung zurück.

Ein verkürzter Ein-Stunden-oGTT könnte die Compliance verbessern und zugleich eine präzisere Risikoeinschätzung ermöglichen. Eine aktuelle Studie im Fachjournal 'Diabetes Care' untersuchte die prädiktive Genauigkeit des Ein-Stunden-oGTT im Vergleich zum Zwei-Stunden-Test zur Identifikation von Frauen mit erhöhtem Diabetesrisiko.

Vergleich von Ein- und Zwei-Stunden-OGTT

An der prospektiven Kohortenstudie nahmen 369 Frauen mit unterschiedlicher Glukosetoleranz während der Schwangerschaft teil. Alle Teilnehmerinnen unterzogen sich postpartalen Glukosetoleranztests nach drei Monaten, einem Jahr, drei Jahren und fünf Jahren. Primäres Ziel der Studie war die Vorhersage von Prädiabetes und Diabetes innerhalb von fünf Jahren.

Bei der Analyse der 3-Monats-Werte wurden die Ein-Stunden- und Zwei-Stunden-Glukosewerte hinsichtlich ihrer prädiktiven Aussagekraft verglichen.

Ein-Stunden-Test ist sensitiver als Zwei-Stunden-Test

Die Auswertung zeigte, dass der Ein-Stunden-oGTT der beste Indikator für die spätere Entwicklung von Diabetes war:

  • 60 von 70 Frauen, die beim Zwei-Stunden-oGTT als dysglykämisch eingestuft wurden, wurden auch durch den Ein-Stunden-Test identifiziert.
  • Zusätzlich erkannte der Ein-Stunden-oGTT 96 weitere Frauen, die später eine Dysglykämie entwickelten.
  • Die kumulative Diabetesinzidenz innerhalb von fünf Jahren nahm mit steigenden Ein-Stunden-Glukosewerten signifikant zu (p < 0,0001).

Die Regressionsanalyse bestätigte die überlegene Vorhersagekraft der Ein-Stunden-Glukosewerte mit einem Change in Concordance Index (CCI) von 16,1 %, gefolgt von den Zwei-Stunden-Werten mit 14,9 %.

Besonders bei Frauen mit vorausgegangenem Gestationsdiabetes war die Ein-Stunden-Glukose der beste Vorhersagewert (CCI: 13,0 % vs. 12,8 % für den Zwei-Stunden-Wert).

Mögliche klinische Konsequenzen

Angesichts der geringen Compliance beim postpartalen oGTT könnte die Verkürzung des Tests auf eine Stunde die Teilnahmequote deutlich verbessern. Der Ein-Stunden-Test bietet mehrere Vorteile:

  • Höhere Sensitivität zur Identifikation von Frauen mit einem erhöhten Risiko für eine zukünftige Dysglykämie.
  • Größerer Komfort für Patientinnen, da die Wartezeit um eine Stunde reduziert wird.
  • Geringere Hürden für die Testdurchführung, insbesondere in der postpartalen Phase, in der viele Frauen wenig Zeit für medizinische Untersuchungen haben.

Studienleiter Prof. Ravi Retnakaran vom Lunenfeld-Tanenbaum Research Institute betont: „Viele Frauen nehmen den Zwei-Stunden-Test nicht wahr, da er logistisch schwer zu integrieren ist. Der Ein-Stunden-Test kann eine praktikable Lösung sein, um mehr Frauen zu erreichen und frühzeitig intervenieren zu können.“

Autor:
Stand:
18.03.2025
Quelle:

Retnakaran, R. et al. (2025): One-hour oral glucose tolerance test for the postpartum reclassification of women with hyperglycemia in pregnancy. Diabetes Care, DOI: 10.2337/dc24-1848.

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