Kombucha ist ein beliebter fermentierter Tee, der aufgrund seiner vermeintlichen gesundheitlichen Vorteile derzeit erhebliche Aufmerksamkeit erregt. Frühere Ergebnisse aus Tiermodellen führten zu der Hypothese, dass Kombucha den Blutzuckerspiegel bei Menschen mit Diabetes mellitus senken könnte. Studien an Menschen gibt es bisher kaum. Eine Untersuchung an gesunden Erwachsenen konnte eine Reduktion des Plasmaglukose- und Insulinspiegels nach dem Verzehr von Kombucha zusammen mit einer kohlenhydratreichen Mahlzeit im Vergleich zu Placebo zeigen. Das Ziel einer kürzlich veröffentlichten Pilotstudie war es nun, Kombucha auf seine antihyperglykämischen Aktivitäten bei Erwachsenen mit Diabetes mellitus Typ 2 zu bewerten.
Studiendesign: Kombucha gegen Placebo
Die Studie wurde als prospektive randomisierte doppelblinde Crossover-Studie (NCT04107207) in einem städtischen Krankenhaussystem durchgeführt. Die Teilnehmer (n=12) wurden angewiesen, entweder ein Kombucha-Produkt oder ein Placebo-Kontrollmittel (jeweils 240 ml) über vier Wochen zu konsumieren. Nach einer achtwöchigen Auswaschphase nahmen die Teilnehmer das jeweils andere Produkt zu sich. Die Nüchternblutzuckerwerte wurden zu Beginn und nach einer und vier Wochen während jeder Behandlungsperiode selbst bestimmt.
Des Weiteren wurden verschiedene Gesundheitsaspekte, wie z. B. der Insulinbedarf oder die Darmgesundheit durch einen Fragebogen gemessen. Zudem wurde die Zusammensetzung der Kombucha-Mikrobiota analysiert.
Kombucha senkt den Blutzuckerspiegel
Aufgrund unvollständiger Datensätze wurden nur sieben von zwölf Teilnehmern in die Auswertung der Blutglukosespiegel eingeschlossen. Kombucha senkte den durchschnittlichen Nüchternblutzuckerspiegel nach vier Wochen im Vergleich zum Ausgangswert signifikant (164 vs. 116 mg/dl; p=0,035). In der Placebogruppe konnte hingegen keine relevante Reduktion im Vergleich zum Ausgangswert beobachtet werden (162 vs. 141 mg/dl; p=0,078). Insgesamt unterschieden sich die Nüchternblutzuckerwerte zwischen der Kombucha- und Placebo-Einnahme nach vier Wochen jedoch nicht signifikant (p=0,265).
Sekundäre Outcomes
Da die Mehrheit der Befragten angab, dass ihre Symptome zu allen analysierten Zeitpunkten in beiden Behandlungsarmen durchschnittlich oder besser waren und nicht alle Probanden zu jedem Zeitpunkt alle Symptome bewerteten, wurden keine weiteren Analysen hierzu durchgeführt.
Die untersuchte Kombucha-Mikrobiota bestand hauptsächlich aus Milchsäurebakterien, Essigsäurebakterien und Hefen.
Bedeutung der Ergebnisse für Kombucha in der Diabetes-Behandlung
Die Pilotstudie liefert interessante Hinweise auf die potenzielle antihyperglykämische Aktivität von Kombucha bei Menschen mit Typ-2-Diabetes. Das Getränk könnte eine kostengünstige und leicht zugängliche Behandlungsunterstützung für Patienten darstellen.
Bei der Interpretation der Ergebnisse müssen jedoch einige Limitationen beachtet werden. So war die Stichprobengröße der Pilotstudie mit nur zwölf Teilnehmern sehr klein, sodass keine Aussage über deren Generalisierbarkeit getroffen werden kann. Darüber hinaus waren die Datensätze von fünf Teilnehmern unvollständig, was die Tiefe und Breite der Analyse weiter einschränkt.
Die Ergebnisse der Studie sollten folglich mit Vorsicht betrachtet werden und es besteht ein deutlicher Bedarf an weiteren, umfangreicheren Studien, um die beobachteten Effekte zu bestätigen. Für Ärzte und Gesundheitsdienstleister kann die Kenntnis über die Studienlage zu Kombucha jedoch für die Beratung von Bedeutung sein. Aufgrund der wachsenden Popularität des Getränks, könnten sich Fragen dazu im Praxisalltag häufen.









