Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) sind ein wertvolles Instrument zur Blutzuckerspiegelüberwachung und bieten Echtzeitdaten zur Unterstützung des Diabetesmanagements. Ursprünglich für den ambulanten Einsatz zugelassen, wurde CGM während der COVID-19-Pandemie auch in Krankenhäusern eingesetzt, um das Infektionsrisiko durch weniger Patientenkontakte zu minimieren. Der zunehmende Einsatz im klinischen Umfeld erfordert Leitlinien, die eine sichere und effektive Integration in den Krankenhausalltag ermöglichen.
Im Rahmen eines Konsensus-Reports geben Experten aus den USA, Canada und Europa einen aktuellen Überblick über die Anwendung von CGM-Systemen im stationären Bereich. Hierfür wurde die Datenbank MEDLINE nach Studien zu diesem Thema durchsucht, die in englischer Sprache verfasst und zwischen 2012 und 2023 veröffentlicht wurden.
Vorteile des CGM im stationären Bereich
Die kontinuierliche Überwachung des Glukosespiegels durch CGM-Systeme bietet mehrere Vorteile für stationäre Patienten, insbesondere für jene mit Diabetes oder hohem Risiko für Dysglykämien. CGM ermöglicht eine engmaschige Glukosekontrolle und kann so das Risiko schwerwiegender Komplikationen wie Hypo- und Hyperglykämie verringern, beispielsweise auch während Operationen. Studien zeigen außerdem, dass der Einsatz von CGM zu weniger Blutzuckermessungen per Fingerstich und damit zu einer angenehmeren Erfahrung für die Patienten sowie einer reduzierten Arbeitsbelastung des Pflegepersonals führen kann.
Derzeit sind CGM-Systeme jedoch primär zur selbstständigen Kontrolle der Blutglukosespiegel zugelassen. Zwar gab es wären der COVID-19-Pandemie Ausnahmeregelungen, diese sind jedoch mittlerweile ausgelaufen. Zu beachten ist dennoch, dass immer mehr stationär behandelte Patienten ihre eigenen CGM-Systeme mitbringen, was die Auseinandersetzung mit dieser Technik in Krankenhäusern unausweichlich macht.
Aktuelle Empfehlungen für die Anwendung von CGM im Krankenhaus
Die aktuellen Praxisleitlinien empfehlen den Einsatz von CGM in der klinischen Praxis vornehmlich in Nicht-Intensivpflegebereichen. Die American Diabetes Association betont, dass CGM-Systeme zur kontinuierlichen Überwachung bei stationären Patienten mit Diabetes und insulinpflichtigen Personen sinnvoll eingesetzt werden können. Dennoch sollten Fingerstichmessungen weiterhin für kritische Dosierungsentscheidungen sowie die Identifikation und das Management von Hypoglykämien verwendet werden.
Die Richtlinie POCT05, 2. Auflage, des amerikanischen Clinical and Laboratory Standards Institute (CLSI) konzentriert sich auf die technische Leistung von CGM-Systemen im klinischen Umfeld. Sie legt ein besonderes Augenmerk auf die Notwendigkeit von Genauigkeit, Reproduzierbarkeit und laufender klinischer Bewertung der CGM-Systeme. Hierzu werden umfangreichere Studien in verschiedenen Bevölkerungsgruppen und Umgebungen gefordert.
Technische Anforderungen und Herausforderungen
Die Integration von CGM in den klinischen Alltag erfordert Anpassungen, insbesondere durch die Schulung des Personals und die Anpassung der Arbeitsabläufe. Klinische Studien weisen darauf hin, dass eine genaue und konsistente Überwachung von CGM-Sensoren sowie deren regelmäßige Kalibrierung essenziell sind, um akkurate Messergebnisse sicherzustellen. Eine besondere Herausforderung ist zudem die Sicherstellung der Datenübertragung und -sicherheit, vor allem bei Patienten mit kritischen Glukosewerten.
Ein weiterer zu beachtender Aspekt ist die Beeinträchtigung der Messungen durch Arzneimittel. Bislang bekannte Interferenzen betreffen Paracetamol, Hydroxyharnstoff, Mannitol, Tetracyclin, Salicylsäure und Ascorbinsäure. Allerdings gibt es derzeit nur wenige Studien zu diesem Thema, sodass auch hier weiterer Forschungsbedarf besteht.
Sicherheit und Qualitätssicherung
Für die sichere Nutzung von CGM im Krankenhaus sollten standardisierte Protokolle vorhanden sein, die den richtigen Umgang mit Alarmen und Abweichungen, aber auch mit patienten- sowie krankenhauseigenen Systemen regeln. Eine engmaschige Überwachung durch geschulte Fachkräfte stellt sicher, dass Fehler bei der Messung und Datenübertragung minimiert werden. Weiterhin ist eine regelmäßige Kalibrierung der CGM-Systeme notwendig, um eine zuverlässige Datengenauigkeit sicherzustellen.
Großes Potenzial, aber weiterer Forschungsbedarf
Die Anwendung von CGM-Systemen in Krankenhäusern bietet das Potenzial, das Glukosemanagement von Patienten zu verbessern und die Arbeitsbelastung des Pflegepersonals zu reduzieren. Für eine flächendeckende Integration sind jedoch standardisierte Leitlinien und Schulungen des Klinikpersonals notwendig.
Auch wenn die Datenlage zur Nutzung von CGM-Systemen in Krankenhäusern stetig zunimmt, besteht insgesamt noch viel Forschungsbedarf. Zukünftige Studien sollten die Langzeitwirksamkeit von CGM in verschiedenen klinischen Settings und seine potenzielle Rolle in der Intensivpflege weiter untersuchen.









