DDG 2025: Nachhaltige Effekte von Gewichtsreduktion

Lebensstilinterventionen zeigen rasch Wirkung auf Stoffwechselparameter wie Leberfett und Insulinsensitivität. Für eine dauerhafte Wirkung sind jedoch individuelle Strategien erforderlich, die Ernährung, Bewegung und organspezifische Therapieziele zusammenführen.

Gewicht

Eine initiale Gewichtsabnahme verbessert zahlreiche metabolische Parameter, doch der langfristige Erhalt dieser Effekte bleibt eine Herausforderung. Auf dem diesjährigen DDG-Kongress zeigte Prof. Knut Mai, welche Strategien den dauerhaften Nutzen von Lebensstilinterventionen stärken und welche Rolle Bewegung, Ernährung und personalisierte Betreuung dabei spielen.

Frühzeitige metabolische Effekte durch Gewichtsreduktion

Bereits eine moderate Gewichtsabnahme von etwa 5 % führt zu einer verbesserten Insulinsensitivität im Fettgewebe, in der Leber und in der Muskulatur. Auch die β-Zellfunktion profitiert davon. Ab einer Gewichtsreduktion von etwa 11 bis 16 % kommt es darüber hinaus zu einer deutlichen Reduktion des viszeralen Fetts, der intrahepatischen Lipide und der inflammatorischen Fettgewebsdysfunktionen. Diese Effekte wurden in Studien beobachtet, wie beispielsweise der DiRECT-Studie (ISRCTN03267836).

Auch im klinischen Alltag zeigen sich entsprechende Verbesserungen. Die Insulinresistenz nimmt ab, gemessen am HOMA-IR, und die myozelluläre Insulinsensitivität steigt. Unter kontrollierten Bedingungen kann ein Gewichtsrückgang von mehr als 10 % in den ersten zwölf Monaten mit einer Diabetesremission einhergehen. Die Analyse der Look-AHEAD-Studie (NCT00017953) zeigt, dass Patienten mit frühem, starkem Gewichtsverlust die besten Chancen auf eine stabile Stoffwechselverbesserung haben.

Insulinresistenz kehrt oft schneller zurück als das Gewicht

Trotz initialer Erfolge bleibt die langfristige Stabilisierung des Stoffwechsels eine Herausforderung. Daten von Li et al. zeigen, dass sich die Insulinsensitivität schneller verschlechtert, als das Körpergewicht zunimmt. Schon ein leichter Gewichtsanstieg kann die metabolische Situation deutlich verschlechtern. Dieser Effekt wird in der klinischen Praxis häufig unterschätzt.

Dieser Befund unterstreicht die Notwendigkeit eines nachhaltigen Managements, das neben der Gewichtsreduktion auch die langfristige Stabilisierung metabolischer Prozesse zum Ziel hat. Ein reines Monitoring des Körpergewichts greift dabei zu kurz.

Körperliche Aktivität als essenzieller Baustein

Um die metabolischen Vorteile langfristig zu erhalten, ist Bewegung ein entscheidender Faktor. Eine systematische Übersicht randomisierter Studien zeigt, dass körperliche Aktivität in Kombination mit einer kalorienreduzierten Diät den Gewichtsverlust über einen Zeitraum von 12 bis 36 Monaten signifikant verbessert. Auch bei Glucagon-like Peptide-1 (GLP-1)-basierten Pharmakotherapien, wie sie in der STEP-Studie (NCT03548935) eingesetzt wurden, zeigt sich, dass die metabolischen Verbesserungen eng mit der kontinuierlichen Medikamentengabe verbunden sind. Beim Absetzen der Medikation gehen die positiven Effekte auf das Körpergewicht und die Insulinsensitivität häufig wieder verloren.

In einer Metaanalyse zur Wirkung körperlicher Aktivität auf die nicht-alkoholische Fettleber (MASLD [Metabolic Dysfunction-Associated Steatotic Liver Disease]) zeigte sich eine signifikante Reduktion der intrahepatischen Lipide um durchschnittlich 26,4 %. Auch das viszerale Fettgewebe ließ sich durch körperliche Aktivität stärker reduzieren als durch Diät allein.

Ernährungsqualität entscheidender als Gewichtsverlauf

Neben Bewegung spielt auch die Qualität der Ernährung eine zentrale Rolle. In der NutriAct-Studie (DRKS00010049) führte eine höhere Zufuhr pflanzlicher Proteine und mehrfach ungesättigter Fettsäuren zu einer signifikanten Reduktion von Leber- und viszeralem Fett (VAT). Besonders bei guter Adhärenz zeigte sich eine Reduktion der intrahepatischen Lipide um über 40 %.

Auch eine mediterrane Ernährung geht mit einer besseren glykämischen Kontrolle und höheren Remissionsraten bei Diabetes mellitus Typ 2  einher. In der PREDIMED-Substudie (ISRCTN35739639) war das Diabetesrisiko bei hoher Adhärenz um 52 % reduziert – unabhängig vom Gewichtsverlauf. Langzeitdaten aus der Studie von Esposito et al. belegen zudem, dass nach vier Jahren deutlich mehr Personen unter mediterraner Diät ohne Antidiabetika auskommen konnten (70 % vs. 44 %).

Individuelle Betreuung zeigt höhere Wirksamkeit als digitale Programme

Eine personalisierte Betreuung ist entscheidend für den Langzeiterfolg. In einer randomisierte kontrollierte Studie von Svetkey et al. war eine individuelle Betreuung mit persönlichem Kontakt deutlich wirksamer als rein digitale oder selbstgeleitete Programme. Auch digitale Ansätze wie die OVIVA-App zeigten moderate Effekte. Die Frage der langfristigen Wirksamkeit ist allerdings noch nicht abschließend geklärt.

Strukturiertes Konzept notwendig für nachhaltigen Therapieerfolg

Prof. Mai betonte, dass eine anfängliche Gewichtsreduktion nur dann zu nachhaltigen Vorteilen führt, wenn sie Teil eines strukturierten Gesamtkonzepts mit langfristiger Perspektive ist. Zentrale Elemente sind dabei eine kontinuierliche körperliche Aktivität, eine zielgerichtete Ernährungsweise mit adäquater Proteinzufuhr sowie gegebenenfalls digitale Begleitstrukturen. Entscheidend ist die individuelle Anpassung aller Maßnahmen an die metabolische Ausgangslage des Patienten. Künftig könnte dabei weniger das Körpergewicht als Ganzes im Mittelpunkt stehen, sondern vielmehr die gezielte Beeinflussung organspezifischer Zielstrukturen.

Autor:
Stand:
03.06.2025
Quelle:

Mai K. et al.: „Erhalt der positiven Effekte von Gewichtsverlust auf Körpergewicht und Insulinsensitivität“, Diabetes Kongress 2025 der Deutschen Diabetes Gesellschaft e.V. (DDG), Berlin, 31. Mai 2025.

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