Schwangerschaftsdiabetes betrifft jede 10. bis jede 4. Schwangere weltweit. In mehr als der Hälfte der Fälle bildet sich diese Glukosetoleranzstörung nach der Schwangerschaft von allein wieder zurück. Bei 13% bis 40% der Betroffenen geschieht dies jedoch nicht vollständig. Das bedeutet, 35% bis 60% der Frauen mit Gestationsdiabetes entwickeln innerhalb der nächsten zehn Jahre einen manifesten Diabetes mellitus. Im ersten Jahr nach der Schwangerschaft lässt sich bei jeder fünften Frau ein gestörter Glukosestoffwechsel nachweisen. Gleichzeitig ist ihr Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse in den nächsten zehn Jahren postpartum zweifach erhöht [1, 2].
Wie leitliniengerechte Versorgung postpartum aussehen sollte
Die gesundheitlichen Folgen für die betroffenen Frauen können immens sein, wenn ein postpartum weiterhin gestörter Glukosestoffwechsel nicht erkannt wird. Deshalb empfehlen Leitlinien, bei Betroffenen sechs bis zwölf Wochen nach der Geburt einen oralen Glukosetoleranztest durchzuführen. Dieser Zeitraum kommt nicht von ungefähr, denn nach etwa zwölf Wochen postpartum ist zwar die körperliche Antwort auf den physiologischen Stress der Schwangerschaft noch vorhanden, plazentale Hormone beeinflussen den Glukosestoffwechsel aber nicht mehr. Das Risiko für eine Insulinresistenz kann in diesem Zeitfenster besonders hoch sein. Bereits die Leitlinie mit Stand von 2018 stellte jedoch fest, dass die postpartalen Testquoten sowohl in Deutschland als auch international zu niedrig sind. Das hat nun eine amerikanische Studie erneut bestätigt [1].
Studie analysiert Daten von Privatversicherer
Für die Studie analysierte das Forschungsteam Daten aus der Datenbank eines Privatversicherers in den USA. Sie wollten herausfinden, wie viele Frauen mit Gestationsdiabetes nach der Schwangerschaft eine leitliniengerechte Weiterversorgung in der Primärversorgung und in der Diabetesversorgung erhielten. Eingeschlossen wurden dafür Frauen zwischen 15 und 51 Jahren, die zwischen 2015 und 2018 ein Kind zur Welt gebracht hatten und kontinuierlich von 180 Tagen vor der Geburt bis 366 Tage nach der Geburt bei dem Versicherer waren. Verwendet wurden anonymisiert erfasste Tests und Codierungen der Betroffenen. Das limitiert die Aussagekraft der Studienergebnisse [2].
Wie die Weiterversorgung von Frauen postpartum tatsächlich aussieht
In der Analyse zeigte sich deutlich, dass es den in der deutschen Leitlinie beschriebenen Nachholbedarf auch in der Praxis gibt. Von 280.131 eingeschlossenen Personen hatten 6,6% (18.432) einen Gestationsdiabetes und 4,4% (12.242) einen vorbestehenden Diabetes mellitus Typ 2 (T2DM). In den ersten zwölf Monaten postpartum nahmen 32,5% (95%-Konfidenzintervall [KI]: 32,1% bis 32,85%) der Frauen ohne jegliche Diabetesdiagnose Primärversorgung in Anspruch, eine spezifische Diabetes-assoziierte Versorgung erhielten gerade einmal 11,7%.
Unter den Frauen mit Gestationsdiabetes erhielten zwar 50,9% (95%-KI: 49,9% bis 52,0%) eine Primärversorgung. Von den Schwangeren mit einem vorbestehenden T2DM waren es jedoch 67,2% (95%-KI: 66,2% bis 68,2%). Wurde spezifisch nach diabetischer Versorgung geschaut, waren es bei den Gestationsdiabetikerinnen mit 36,2% (95%-KI: 35,1% bis 37,4%) sogar noch weniger. Zum Vergleich: Frauen, die bereits einen T2DM hatten, erhielten mit 56,9% (95%-KI: 55,7% bis 58,0%) deutlich häufiger eine gezielte Diabetesversorgung [2].
Qualität der diabetischen Nachsorge
Fand eine Diabetesnachsorge statt, entsprach die Qualität meist nicht den Leitlinien. Idealerweise sollte sechs bis zwölf Wochen postpartum ein oraler Glukosetoleranztest durchgeführt werden. Der HbA1c, der vorrangig bei den Studienteilnehmenden gemessen wurde, kann eine mögliche Insulinresistenz postpartal nur sehr bedingt erfassen. Wie viele Betroffene so jährlich übersehen werden, bleibt noch offen. Aber das Risiko für Folgeschäden, wenn eine persistierende Insulinresistenz postpartal unentdeckt bleibt, ist zu groß, als dass das Thema weiterhin unbekannt bleiben könnte [2].









