Innovative Früherkennung: Haut-Autofluoreszenz als Prädiktor für diabetische Fußulzera

Der Zusammenhang zwischen der Autofluoreszenz von AGEs in der Haut und der Entwicklung von Fußgeschwüren bei Typ 2 Diabetes bietet eine wichtige Untersuchungsmöglichkeit zur Früherkennung von diabetischen Komplikationen und Langzeitfolgen.

Fuß Untersuchung

Das diabetische Fußulkus (DFU) tritt als weitverbreitete Komplikation bei 15 bis 25 % der Patienten mit Diabetes mellitus (DM) mindestens einmal im Leben auf. Es entsteht hauptsächlich durch periphere Neuropathien und Mikro- sowie Makroangiopathien.

Zudem ist das Auftreten eines DFU prognostisch relevant, da es mit reduzierter Lebensqualität und Lebenserwartung sowie einer erhöhten Anzahl an erforderlichen Amputationen assoziiert ist.

AGEs und das Konzept des glykämischen Gedächtnisses

Das glykämische Gedächtnis beschreibt das Fortbestehen diabetischer Komplikationen, selbst wenn der Blutzuckerspiegel normalisiert wurde. Ein zentraler Mechanismus dabei ist die angenommene Akkumulation von fortgeschrittenen Verzuckerungs-Endprodukten (AGEs – Advanced Glycation Endproducts).

Diese metabolischen Endprodukte resultieren aus der nicht-enzymatischen, irreversiblen Glykierung von Proteinen, Lipiden und Nukleinsäuren und stehen im Zusammenhang mit der Entwicklung von Endothelschäden und den daraus resultierenden Konsequenzen, wobei die genauen Zusammenhänge noch nicht vollends erforscht sind.

Auch das glykierte Hämoglobin A1c (HbA1c), ein häufig zur Diagnose und Überwachung von Diabetes herangezogener Laborwert, ist ein AGE und erlaubt eine Einschätzung des Glukosestoffwechsels der vorangegangenen 8 bis 12 Wochen.

Messung der Akkumulation durch Autofluoreszenz

Einige in Geweben gebundene AGEs weisen autofluoreszierende Eigenschaften auf, wodurch die Autofluoreszenz der Haut (AFH) mittels spezieller Geräte ermittelt werden kann.

Frühere Studien konnten bereits nachweisen, dass die AFH bei Diabetes mellitus Typ 1 eine spätere Entwicklung von diabetischen Fußulzera (DFU) prognostizieren kann. Da bisher keine Untersuchungen zur möglichen Korrelation bei Diabetes mellitus Typ 2 vorlagen, führte die Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie der Universität Bordeaux eine Studie mit 517 Patienten durch, die zwischen 2009 und 2017 aufgrund unkontrollierten oder komplizierten Typ 2 Diabetes stationär aufgenommen wurden.

Innerhalb dieser Kohorte wurde die AFH mittels eines AGE-Readers erfasst, und bis 2020 wurden neu aufgetretene DFU dokumentiert.

Höhere Prävalenz von Ulzera bei Nachweis von AGEs

Im Verlauf der vierjährigen Beobachtungsperiode entwickelten 11% der Studienteilnehmer ein neues diabetisches Fußulkus (DFU). Konform den Vermutungen traten neue DFUs vorrangig bei älteren Männern, bei einer längeren Diabetes-Anamnese und bei gleichzeitig bestehenden vaskulären Komplikationen auf.

Auch nach der Anpassung an diese Risikofaktoren und den podologischen Risikograd der IWGDF (International Working Group on the Diabetic Foot), welcher Hypästhesie und periphere arterielle Verschlusskrankheit berücksichtigt, blieb der Zusammenhang mit einer erhöhten DFU-Inzidenz signifikant.

Diese Befunde könnten einen bedeutenden Fortschritt in der Früherkennung und Prävention von diabetischen Fußulzera darstellen. Die Bestimmung der Haut-Autofluoreszenz von AGEs ist nicht nur unkompliziert und nicht-invasiv, sondern könnte ebenso dazu beitragen, Personen mit erhöhtem Risiko für Fußgeschwüre rechtzeitig zu erkennen. Frühe Interventionen könnten demzufolge das Komplikationsrisiko minimieren.

Autor:
Stand:
26.09.2023
Quelle:

Borderie et al. (2023): The skin autofluorescence of advanced glycation end-products relates to the development of foot ulcers in type 2 diabetes: A longitudinal observational study. Journal of Diabetes and Its Complications 37/2023, DOI: 10.1016/j.jdiacomp.2023.108595

 

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