Schwedische Kohortenstudie: Doppelt so hohes Demenzrisiko bei Typ-1-Diabetes

Aktuelle Registerdaten aus Schweden zeigen, dass Menschen mit Typ-1-Diabetes doppelt so häufig und früher an Demenz erkranken wie die Allgemeinbevölkerung. Insbesondere die vaskuläre Demenz tritt vermehrt auf, was die Bedeutung kardiovaskulärer Prävention unterstreicht.

Diabetes Typ 1 - Schriftzug

Mit der steigenden Lebenserwartung von Menschen mit Typ-1-Diabetes treten zunehmend altersassoziierte Erkrankungen in den Vordergrund. Neben kardiovaskulären und renalen Komplikationen rückt auch die Demenz als relevante Spätfolge in den Fokus. Während der Zusammenhang zwischen Typ-2-Diabetes und kognitiven Störungen gut belegt ist, war die Datenlage bei Typ-1-Diabetes bislang unzureichend.

Verbesserte Prognose bedeutet ältere Patienten

Die verbesserte Prognose durch moderne Insulintherapie und kontinuierliche Glukosemessung führt dazu, dass immer mehr Betroffene ein höheres Lebensalter erreichen und damit auch das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen steigt. Weltweit hat sich die Zahl der über 65-jährigen Menschen mit Typ-1-Diabetes seit 1990 nahezu verdreifacht. Parallel mehren sich Hinweise auf strukturelle Hirnveränderungen bei dieser Patientengruppe, etwa Weißsubstanzläsionen oder Hirnatrophien. Ob diese Veränderungen tatsächlich in ein erhöhtes Demenzrisiko münden und welche Subtypen betroffen sind, war bisher unklar. Eine große Kohortenstudie aus Schweden ist dieser Assoziation nun systematisch nachgegangen.

Eine landesweite Kohortenstudie aus Schweden

Ziel der landesweiten, registerbasierten Kohortenstudie „Dementia Risk in People With Type 1 Diabetes and Associated Risk Factors“ war es, das Risiko für Demenz und deren Subtypen bei Menschen mit Typ-1-Diabetes im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung zu bestimmen und Risikofaktoren innerhalb der Diabetespopulation zu identifizieren. Hierzu wurden Daten aus dem nationalen Diabetesregister Schwedens analysiert. Eingeschlossen waren 43.440 Erwachsene mit Typ-1-Diabetes, denen 217.109 gematchte Kontrollpersonen ohne Diabetes gegenübergestellt wurden.

Deutlich erhöhtes Gesamtrisiko für Demenz

Während der Nachbeobachtungszeit von im Median 14,3 Jahren erkrankten 1,2 % der Personen mit Typ-1-Diabetes an einer Demenz, verglichen mit 0,9 % in der Kontrollgruppe. Im Vergleich zu den Kontrollpersonen hatten Menschen mit Typ-1-Diabetes somit ein höheres Risiko für eine Demenz jeglicher Ursache [Hazard Ratio (HR): 2,02]. Auffällig war zudem der frühere Erkrankungsbeginn. Das mediane Alter bei Diagnosestellung lag bei 71 Jahren, bei Personen ohne Diabetes hingegen bei 76 Jahren.

Vaskuläre Demenz besonders häufig

Die Analyse nach Demenzsubtypen zeigte deutliche Risikounterschiede. Am stärksten ausgeprägt war der Zusammenhang bei der vaskulären Demenz, deren Risiko bei Typ-1-Diabetes mehr als dreifach erhöht war (HR: 3,73). Für Alzheimer-Demenz ergab sich ein um rund ein Drittel erhöhtes Risiko (HR: 1,38), für andere, nicht näher spezifizierte Formen ein etwa doppelt so hohes Risiko (HR: 1,87).

Höheres relatives Risiko bei jüngeren Patienten

Die altersstratifizierte Auswertung ergab, dass das relative Risiko bei jüngeren Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes besonders ausgeprägt war. Personen unter 45 Jahren wiesen ein mehr als dreifach erhöhtes Demenzrisiko auf als gleichaltrige Nichtdiabetiker (HR: 3,42). Mit zunehmendem Alter nahm der relative Unterschied ab. Zwischen Männern und Frauen bestanden keine Unterschiede.

Einflussfaktoren auf das Demenzrisiko

In der Diabeteskohorte waren höheres Alter, längere Krankheitsdauer, erhöhter systolischer Blutdruck, erhöhte HbA1c-Werte, kardiovaskuläre Vorerkrankungen sowie Schlaganfall- oder TIA-Anamnese mit einem höheren Demenzrisiko verbunden. Auch soziale Faktoren spielten eine Rolle. Alleinstehende waren stärker gefährdet, während höhere Bildung schützend wirkte. Unter den modifizierbaren Faktoren hatten Blutdruck und HbA1c den größten Einfluss.

Die Autoren vermuten, dass die chronische Hyperglykämie, mikrovaskuläre Dysfunktion, Entzündungsprozesse und die Bildung fortgeschrittener Glykierungsendprodukte zur Neurodegeneration beitragen. Die enge Assoziation mit der vaskulären Demenzform spricht zudem für eine zentrale Rolle vaskulärer Mechanismen, was die Bedeutung einer stabilen Blutdruck- und Glukosekontrolle für die Prävention kognitiver Spätfolgen unterstreicht.

Das Demenzrisiko erkennen und adressieren

Die Ergebnisse zeigen, dass Menschen mit Typ-1-Diabetes ein etwa doppelt so hohes Risiko für Demenz haben wie Personen ohne Diabetes, wobei die vaskuläre Demenz besonders häufig auftritt. Demenz sollte daher als mögliche Spätkomplikation des Typ-1-Diabetes stärker in der klinischen Praxis berücksichtigt werden. Eine konsequente Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen, eine dauerhafte Blutdruck- und Stoffwechselkontrolle sowie die Förderung geistiger Aktivität könnten zur Risikoreduktion beitragen. Künftige Studien sollten untersuchen, ob angepasste Therapiestrategien oder strengere Zielwerte erforderlich sind, um kognitive Langzeitfolgen besser zu verhindern.

Autor:
Stand:
08.12.2025
Quelle:

M. Jancev, B. Eliasson, H.C. Gerstein, et al. (2025): Dementia Risk in People With Type 1 Diabetes and Associated Risk Factors: A Nationwide, Register-Based Cohort Study. Diabetes Care; DOI:10.2337/dc25-0773

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