Suboptimale Ernährung als Ursache für Typ-2-Diabetes

Die steigende Prävalenz von Diabetes mellitus Typ 2 ist mit großen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen verbunden. Die Ernährung hat einen starken Einfluss auf Entwicklung und Verlauf der Krankheit, damit bietet sie gleichzeitig auch einen Ansatz zur Prävention der Entstehung.

Diabetes und Ernaehrung

Die Prävalenz von Diabetes mellitus Typ 2 (DM2) nimmt weltweit zu und ist ein wichtiger Faktor für Morbidität und Mortalität. Diese Zunahme geht mit wirtschaftlichen, klinischen und sozialen Belastungen einher. Es handelt sich um ein globales Phänomen, denn in keinem Land ist die Zahl der Menschen mit Diabetes oder Adipositas in den letzten 40 Jahren zurückgegangen.
Diese Entwicklungen erfordern Maßnahmen und Strategien, um den Anstieg der Krankheitsfälle einzudämmen.

In der Vergangenheit konnten bereits einige Ernährungsfaktoren mit ätiologischen Effekten auf DM2 in Verbindung gebracht werden. Es ist jedoch noch nicht bekannt, welchen absoluten oder relativen Anteil bestimmte Faktoren am Anstieg der Inzidenz haben.

Studie untersucht Ernährungsfaktoren

Um die Wissenslücken zu schließen, hat ein amerikanisches Wissenschaftlerteam eine vergleichende Risikobewertung durchgeführt.

Dabei wurden die Auswirkungen der folgenden elf Ernährungsfaktoren untersucht:

  • Unzureichende Aufnahme von Vollkornprodukten
  • Übermäßiger Verzehr von raffiniertem Getreide
  • Übermäßiger Verzehr von verarbeitetem Fleisch
  • Übermäßiger Verzehr von unverarbeitetem rotem Fleisch
  • Unzureichender Verzehr von Joghurt
  • Übermäßiger Verzehr von Zucker-gesüßten Getränken (SSB [sugar-sweetened beverages])
  • Übermäßiger Verzehr von Kartoffeln
  • Unzureichender Verzehr von Obst
  • Unzureichender Verzehr von Nüssen und Samen
  • Unzureichende Aufnahme von nicht-stärkehaltigem Gemüse
  • Übermäßiger Verzehr von Fruchtsaft

Untersucht wurden die absoluten und relativen Auswirkungen auf die Neuerkrankungen an DM2 bei Erwachsenen weltweit und nach Alter, Geschlecht, Bildung, Stadtgebiet, Region und Nationalität in den Jahren 1990 und 2018.

Etwa 70% von neuen Diabetes-Fällen auf suboptimale Ernährung zurückzuführen

Die Ergebnisse des Risikobewertungsmodell zeigten, dass im Jahr 2018 weltweit 70% bzw. 14 Millionen Neuerkrankungen an Diabetes mellitus auf eine suboptimale Aufnahme der oben genannten 11 Ernährungsfaktoren zurückzuführen sind.

Unter den einzelnen Nahrungsmitteln waren vor allem der unzureichende Verzehr von Vollkornprodukten (26%), der übermäßige Verzehr von raffiniertem Reis und Weizen (24%), der übermäßige Verzehr von verarbeitetem Fleisch (20%) und der übermäßige Verzehr von unverarbeitetem rotem Fleisch (20%) für die meisten Fälle von Typ-2-Diabetes verantwortlich.

Auch die Unterschiede zwischen direkten und indirekten (BMI-vermittelten) Wirkungen von Lebensmitteln wurden untersucht.

Als Beispiel sind Ballaststoffe und Polyphenole zu nennen, die sich unter anderem positiv auf das Darmmikrobiom, die Insulinsensitivität und die Blutfettwerte auswirken. Im Gegensatz dazu führen z.B. raffiniertes Getreide, Stärke und Zucker zu schnellen Blutzucker- und Insulinspitzen und zu vermehrter viszeraler Adipositas.

Fokus auf Qualität der Ernährung legen

Aufgrund dieser Erkenntnisse empfehlen die Autoren daher, dass die Qualität der Ernährung bei der Bewertung Vorrang vor der Gesamtkalorienzahl oder dem Gewicht allein haben sollte. Weitere Forschung ist jedoch erforderlich, um die Zusammenhänge zwischen Ernährungsqualität, Energiebilanz, Stoffwechsel, Adipositas und DM2 besser zu verstehen.

Demographische Unterschiede

Unterschiede in der Belastung durch Typ-2-Diabetes wurden auch in Bezug auf das Bildungsniveau, den städtischen oder ländlichen Lebensstil und das Geschlecht festgestellt. Der ernährungsbedingte DM2 war im Allgemeinen bei Stadtbewohnern häufiger als bei Landbewohnern und bei Personen mit höherem Bildungsniveau häufiger als bei Personen mit niedrigerem Bildungsniveau.

Dies galt allerdings nicht für Länder mit hohem Einkommen sowie Mittel- und Osteuropa und Zentralasien, wo die Belastung bei Landbewohnern und Personen mit niedrigerem Bildungsniveau höher war.

Der Anteil war bei Männern im Vergleich zu Frauen höher und korrelierte umgekehrt mit dem Alter.

Ortsabhängige Strategien und Maßnahmen notwendig

Staatliche Präventionsmaßnahmen können eine wichtige Rolle bei der Bewältigung dieses globalen Gesundheitsproblems spielen. Die Bevölkerung sollte über gesunde Ernährung aufgeklärt werden, um den Konsum ungesunder Lebensmittel zu reduzieren.

Solche Maßnahmen können z.B. die Einführung von Ernährungsrichtlinien, Schulprogramme zur Ernährungserziehung, die Regulierung von Werbung und die Einführung von Steuern auf ungesunde Lebensmittel umfassen.

Maßnahmen zur Verbesserung der Ernährungsqualität sollten kontinuierlich angestrebt werden, insbesondere aber bei Kindern und Jugendlichen, wo Ernährungsgewohnheiten oft für das ganze Leben geprägt werden.

Dabei sind regionale Unterschiede im Einfluss der verschiedenen Ernährungsfaktoren zu berücksichtigen, um die Maßnahmen lokal anzupassen.

Autor:
Stand:
31.05.2023
Quelle:

O’Hearn et al. (2023): Incident type 2 diabetes attributable to suboptimal diet in 184 countries. Nature Magazine (2023), DOI: 10.1038/s41591-023-02278-8

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