Vitamin D: Aktuelle Hinweise zur Supplementation

Die aktuellen klinischen Praxisrichtlinien zur Vitamin D-Supplementation der Endocrine Society enthalten Empfehlungen für verschiedene Bevölkerungsgruppen. Routinemäßige Tests sind für die meisten nicht sinnvoll, da optimale Zielwerte unbekannt sind.

Vitamin D Supplement

Die Endocrine Society, eine internationale Organisation auf dem Gebiet der Endokrinologie und des Metabolismus, erklärt in ihren aktuellen klinischen Praxisrichtlinien, für welche Bevölkerungsgruppen eine empirische Vitamin D-Supplementation sinnvoll ist. Das Gremium definiert „empirische Supplementierung“ als Vitamin D-Zufuhr, die zum einen die empfohlene Tagesdosis überschreitet und zum anderen ohne Prüfung auf den Metaboliten Calcidiol (25-HydroxyVitamin D, 25(OH)D) erfolgt.

Ziel der Leitlinien-Entwicklung war es festzustellen, bei welchen Gruppen das Erkrankungsrisiko ohne nachgewiesene Indikation für eine Vitamin D-Behandlung oder einen 25(OH)D-Test durch die Anwendung von Vitamin D gesenkt werden kann. Es wurden dabei die Auswirkungen der empirischen Vitamin D-Gabe im Laufe des Lebens sowie unter bestimmten Bedingungen (Schwangerschaft und Prädiabetes) untersucht. Weiterhin untersuchte das Gremium, ob routinemäßige Testungen ratsam sind.

Empfehlungen im Überblick

Bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 1 bis 18 Jahren empfiehlt das Gremium, Vitamin D empirisch zu ergänzen. Das kann ernährungsbedingter Rachitis vorbeugen und möglicherweise das Risiko von Atemwegsinfektionen reduzieren.

Bei der erwachsenen, gesunden und nicht schwangeren Bevölkerung unter 50 Jahren rät das Gremium davon ab, Vitamin D über die Referenzaufnahmemenge hinaus zu ergänzen.

Dieselben Empfehlungen zur Supplementation und Testung gelten für die Allgemeinbevölkerung im Alter von 50 bis 74 Jahren. Erwachsene in dieser Altersgruppe sollten darauf achten, die empfohlene Tagesdosis zu erreichen (600 IE [15 µg] täglich für Personen im Alter von 50 bis 70 Jahren und 800 IE [20 µg] täglich für Personen über 70 Jahre).

Schwangere und Hochrisiko-Prädiabetes

Zu einer empirischen Einnahme über die allgemein empfohlene Tagesdosis (600 IE [15 µg] täglich) rät das Gremium bei gesunden schwangeren Frauen. Vitamin D-Supplemente können das Risiko von Präeklampsie, intrauteriner Mortalität und Wachstumsverzögerungen, Frühgeburt und Neugeborenenmortalität reduzieren.

Als Patientengruppe sollen laut dem Gremium Erwachsene mit Hochrisiko-Prädiabetes zusätzlich zur Änderung des Lebensstils empirisch Vitamin D ergänzen, um das Risiko einer Entwicklung zum manifesten Diabetes zu verringern.

Senioren

Für die Allgemeinbevölkerung ab 75 Jahren empfiehlt das Gremium eine Vitamin D-Supplementierung, da diese wahrscheinlich zu einer leichten Verringerung der Gesamtmortalität in dieser Altersgruppe führt. Das Sturzrisiko können Standard-Vitamin D-Dosen wahrscheinlich reduzieren. Vitamin D in Kombination mit Kalzium ist jedoch vermutlich gegenüber Vitamin D allein überlegen, wenn es um die Senkung des Sturz- und Knochenbruchrisikos geht.

Keine routinemäßigen Tests

Es wurden keine klinischen Studienergebnisse gefunden, die routinemäßige 25(OH)D-Screenings in der Allgemeinbevölkerung oder bei Personen mit Fettleibigkeit oder dunkler Hautfarbe ohne gesicherte Indikationen unterstützen. Die Begründung ist, dass bisher keine optimalen Zielwerte von 25(OH)D zur Krankheitsvorbeugung etabliert sind.

Optimale Vitamin D-Ergänzung

Da die Vitamin D-Dosen in den einbezogenen klinischen Studien erheblich variierten und viele Studienteilnehmer ihre eigenen Vitamin D-haltigen Nahrungsergänzungsmittel weiter einnehmen durften, bleiben die optimalen Dosen für eine empirische Vitamin D-Supplementierung für die betrachteten Populationen unklar.

Die Supplementationsoptionen reichen von der täglichen Einnahme bis hin zu weniger häufigen Anwendungsschemata, etwa wöchentlich oder monatlich. Das Gremium empfiehlt bei Erwachsenen ab 50 Jahren, bei denen eine Vitamin D-Ergänzung oder -Behandlung erforderlich ist, eine tägliche Vitamin D-Einnahme in niedrigerer Dosierung anstelle einer selteneren Vitamin D-Einnahme in höherer Dosierung.

Über Vitamin D

Vitamin D spielt eine wichtige Rolle für den Knochenaufbau und den Mineralstoffwechsel. Epidemiologische Studien deuten darauf hin, dass ein niedriger Vitamin D-Status mit einem erhöhten Risiko für diverse Erkrankungen wie Muskel-Skelett-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Autoimmunerkrankungen und Infektionskrankheiten einhergehen kann.

Obwohl Beobachtungsstudien verzerrt sein können und ein kausaler Zusammenhang nicht eindeutig bewiesen ist, nehmen viele Menschen Vitamin D-Präparate ein und es werden vermehrt Labortests durchgeführt.

Eigenproduktion möglich

Vitamin D ist kein echtes Vitamin, da es bei Sonnenexposition vom Körper selbst synthetisiert wird. Wegen saisonaler Schwankungen der UV-B-Strahlung und eingeschränkter Sonnenexposition sind viele Menschen auf die orale Zufuhr angewiesen. Vitamin D wird in der Leber zu 25(OH)D umgewandelt. 25(OH)D gilt als der beste Indikator für den Vitamin D-Status.

Autor:
Stand:
04.07.2024
Quelle:

Demay et al. (2024): Vitamin D for the Prevention of Disease: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism.

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