Bei Patienten mit chronischem Hypoparathyreoidismus (HypoPT), die konventionell behandelt werden (Kalzium und aktives Vitamin D), kommt es gehäuft zu Langzeitkomplikationen, darunter Verkalkungen der Basalganglien, posteriorer subkapsulärer Katarakt, Urolithiasis und Niereninsuffizienz. Eine in der Fachzeitschrift „Endocrine“ veröffentlichte Studie hat die Prävalenz und die damit verbundenen Faktoren dieser Komplikationen bei Patienten mit HypoPT bewertet [1].
Studiendesign und Teilnehmerprofil
Eine Forschungsgruppe aus Tunesien führte eine Querschnittsstudie an 58 Patienten mit Hypoparathyreoidismus durch. Alle Teilnehmenden wurden körperlich untersucht und einer biochemischen Analyse unterzogen. Diese umfasste die Bestimmung von Gesamtkalzium, Serumphosphat, Serumalbumin, intaktes Parathormon (PTH), Serummagnesium, 25-Hydroxy-Vitamin D, Serumkreatinin, Thyreoidea-stimulierendes Hormon (TSH) und 24-Stunden-Urinkalzium. Zudem erfolgte eine Spaltlampenuntersuchung, eine Computertomographie des Gehirns (CT-Scan) und eine Nierensonografie.
Die Teilnehmenden hatten ein durchschnittliches Alter von 52,6 ± 16,4 Jahren und ein Geschlechterverhältnis (Frauen/Männer) von 3,5.
Hohe Prävalenz von Komplikationen bei Hypoparathyreoidismus-Patienten
Das Fahr-Syndrom, eine seltene neurologische Störung, Katarakte, Urolithiasis und Niereninsuffizienz traten bei 55%, 62%, 12% bzw. 17% der Fälle auf. Bei Patienten mit einer Krankheitsdauer von mehr als 15 Jahren war das Risiko für Morbus Fahr um das 43,1-fache erhöht (95%-Konfidenzintervall [95%-KI] 2,63–703,06, p=0,008). Ebenso wies eine schlechte Therapietreue eine um das 8,04-fache erhöhte Assoziation mit dem Fahr-Syndrom auf (95%-KI 1,52–42,42, p=0,014).
Die Entwicklung hinterer subkapsulärer Katarakte war mit einem Alter von über 55 Jahren, einer Krankheitsdauer von über 15 Jahren und einem niedrigen Magnesiumspiegel (unter 0,8 mmol/l) assoziiert. Diese Faktoren erhöhten das Risiko um das 5,07-fache (95%-KI 1,10–23,42, p=0,037), 20,21-fache (95%-KI 1,54–265,84, p=0,022) bzw. 36,46-fache (95%-KI 3,75–354,08, p=0,002).
Hyperkalzurie war der einzige unabhängige Risikofaktor für Nierensteine, wobei das Risiko um das 21,27-fache erhöht war (95%-KI 2,31–195,91, p=0,007).
Interessanterweise war eine renale Insuffizienz nicht mit Nierensteinen verbunden (p=1). Allerdings zeigte sich eine negative Korrelation zwischen der Kreatinin-Clearance und dem Alter (r -0,784, p<10−3) sowie der Krankheitsdauer (r -0,352, p=0,007). Das bedeutet, dass mit zunehmendem Alter und längerer Krankheitsdauer die Kreatinin-Clearance abnahm.
Regelmäßige Kontrollen bei Komplikationen
Die Ergebnisse verdeutlichen die hohe Prävalenz von neurologischen, okularen und renalen Komplikationen bei Patienten mit Hypoparathyreoidismus. Dies unterstreicht die Bedeutung regelmäßiger Kontrollen, therapeutischer Anpassungen, Screening-Verfahren und Therapietreue, um diesen Komplikationen vorzubeugen, so das Fazit der Studienautoren.








