Analyse der Nutzung stuhlbasierter Screenings auf Darmkrebs

Stuhltests auf okkultes Blut sind ein fester Bestandteil der Darmkrebsfrüherkennung und international weit verbreitet. Eine Analyse auf Basis von Routinedaten gibt nun Aufschluss über ihre Nutzung in der deutschen Regelversorgung.

Darmkrebsvorsorge

Darmkrebs gehört weltweit zu den häufigsten Krebserkrankungen. Jährlich werden weltweit über 1,9 Millionen neue Fälle diagnostiziert, in Deutschland versterben mehr als 24.000 Menschen daran. Damit ist Darmkrebs nach Lungenkrebs die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache. Stuhltests auf okkultes Blut sind seit Jahren ein etabliertes Verfahren zur Früherkennung. Studien zeigen, dass sich durch wiederholtes Screening die Inzidenz und Mortalität um 20–32 % senken lassen. Moderne immunochemische Tests (FIT) haben die guajakbasierten Verfahren (gFOBT) abgelöst, da sie einfacher anzuwenden sind und eine bessere Diagnostik ermöglichen.

Darmkrebs-Screeningangebote in Deutschland

Gesetzlich Versicherte haben ab dem 50. Lebensjahr Anspruch auf eine stuhlbasierte Früherkennung. Bis März 2025 war für Personen zwischen 50 und 54 Jahren ein jährlicher Test vorgesehen, ab 55 Jahren ein Test im zweijährlichen Rhythmus. Seit April 2025 gilt ein Angebot im zweijährlichen Rhythmus für alle ab 50 Jahren. Bei positivem Befund ist eine Koloskopie erforderlich. Zusätzlich besteht seit 2002 die Möglichkeit einer Vorsorgekoloskopie, die seit 2019 bei Männern und seit April 2025 auch bei Frauen ab 50 Jahren angeboten wird.

In Deutschland war die Darmkrebsfrüherkennung lange so organisiert, dass die Initiative allein bei den Versicherten lag. Sie mussten die Test-Kits selbst in der Praxis abholen, die Proben zurückbringen, und für die Befundmitteilung erneut vorsprechen. Erst seit 2019 werden Einladungsschreiben verschickt, ein postalischer Versand von Test-Kits ist jedoch bis heute nicht vorgesehen.

Analyse der Nutzung stuhlbasierter Screenings

Ziel der aktuellen Analyse war es, die Nutzung im Längsschnitt zu erfassen und Unterschiede zwischen Männern und Frauen aufzuzeigen. Grundlage der Analyse waren anonymisierte BARMER-Daten aus den Jahren 2010 bis 2022 von 945.214 Versicherten der Jahrgänge 1960 bis 1968. Von der Analyse ausgeschlossen wurden Personen mit Darmkrebs, chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED), die bereits eine Koloskopie hatten oder bei denen die Versicherungszeiten unvollständig waren. Die Nutzung der Tests wurde anhand von Ziffern des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM) für gFOBT und FIT identifiziert. Das Vorliegen einer Koloskopie innerhalb von sechs Monaten nach dem Test galt als Surrogat für ein positives Testergebnis.

Regelmäßige Nutzung bleibt die Ausnahme

Insgesamt blieb die Teilnahme an der stuhlbasierten Darmkrebsfrüherkennung niedrig. Über den Zeitraum von fünf Jahren zwischen dem 50. und 54. Lebensjahr nahmen etwa die Hälfte der Frauen (55,5 %) und rund ein Viertel der Männer (22,9 %) mindestens einmal teil. Eine konsequente jährliche Nutzung war die Ausnahme: Lediglich ein sehr kleiner Anteil erreichte dies (Frauen: 1,8 %, Männer: 0,1 %).

Im Durchschnitt führten Frauen etwas mehr als zwei Tests durch (2,1), Männer dagegen deutlich weniger (1,4). Nur ein kleiner Teil der Teilnehmenden erhielt im Anschluss eine diagnostische Koloskopie (3,5 %); diese wurde bei Männern häufiger durchgeführt (5 % vs. 3,2 % bei Frauen). In einem geringen Anteil dieser Koloskopien wurde Darmkrebs diagnostiziert (1,4 %).

Unterschiedliche Inanspruchnahme nach Geschlecht

Die Daten zeigen deutliche Geschlechtsunterschiede. Frauen nahmen die Untersuchung häufiger in Anspruch, was teilweise mit gynäkologischen Routinekontrollen erklärt wird. Männer hingegen nutzen ärztliche Leistungen insgesamt seltener und sind weniger bereit, an Untersuchungen teilzunehmen. Besonders problematisch ist, dass trotz des höheren altersbezogenen Risikos bis zum 55. Lebensjahr noch 77,1 % der Männer und 44,5 % der Frauen nicht getestet wurden.

Konsequenzen für Praxis und Gesundheitspolitik

In anderen Ländern werden deutlich höhere Quoten erreicht: In den Niederlanden nehmen dank des postalischen Versands von FIT-Kits mit Einladung und Erinnerung rund 70 % der Anspruchsberechtigten teil; in England sind die Werte ähnlich hoch. Eine deutsche Interventionsstudie zeigte, dass der Direktversand auch hierzulande die Teilnahme etwa verdreifacht.

Die aktuellen Daten der BARMER belegen jedoch eine unzureichende Nutzung in Deutschland: Weniger als die Hälfte der Berechtigten nimmt überhaupt teil, eine jährliche Anwendung bleibt die Ausnahme und Männer sind besonders unterrepräsentiert. Für die Praxis bedeutet dies, dass Patienten gezielt informiert und Zugangsbarrieren verringert werden sollten. Gesundheitspolitisch ist eine stärkere Organisation mit strukturierten Einladungsprogrammen notwendig, um die Früherkennung zu verbessern und die Krankheitslast dauerhaft zu senken.

Autor:
Stand:
20.10.2025
Quelle:

Klimeck et al. (2025): Fecal occult blood tests for colorectal cancer screening in routine medical care: A longitudinal analysis from Germany. Deutsches Ärzteblatt, DOI: 10.3238/arztebl.m2025.0102

  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden